Kollateralschäden: Google soll Github-Links löschen

Google soll unter dem DMCA-Gesetz auch Links auf legitime Github-Projekte löschen.

Gestern berichteten wir über die Löschungen von 345 Millionen Google-Links. Offenbar hat nun jemand Beispiele für Löschaufforderungen ausgegraben, die völlig legitime Github-Projekte mit freier Software betreffen.

Die Webseite Chilling Effects sammelt Links, die Google unter Verweis auf den Digital Millenium Copyright Act (DMCA) löschen soll, weil sie zum Beispiel auf Inhalte verweisen, die tatsächlich und angeblich unter Copyright stehen. Geleitet wird die Seite von Wendy Seltzer, einer Anwältin, die unter anderem in den Aufsichtsräten des Tor-Projekts und der W3-Foundation sitzt. Auch die Electronic Frontier Foundation unterstützt das 2001 gegründete Archiv.

Dass dieses mitunter nötig ist, zeigt ein aktueller Fall. Nachdem gestern bekannt wurde, dass Google im Jahr 2014 unter dem DMCA-Gesetz etwa 345 Millionen Links löschen musste, demonstriert eine Löschaufforderung vom 22. Dezember 2014, dass dabei durchaus Kollateralschäden entstehen. Ein amerikanischer Pornoanbieter hatte Google am 22. Dezember 2014 über eine Firma namens Takedown Piracy LLC aufgefordert, etliche Torrent-Links und Webseiten, die vermeintliches Material der Firma anbieten, zu entfernen. Aufmerksame Leser haben nun entdeckt, dass einige der von der Pornofirma reklamierten Links auf legitime Github-Projekte verweisen.

Google soll unter dem DMCA-Gesetz auch Links auf legitime Github-Projekte löschen.

Google soll unter dem DMCA-Gesetz auch Links auf legitime Github-Projekte löschen.

Betroffen sind unter anderem Links auf Open Suses Netzwerkverwaltung Wicked, Xens Cloud-OS Mirage und Links auf Cargo, den Paketmanager der Programmiersprache Rust. Eine Auswahl der Links zeigt die Abbildung. Offenbar hat die Firma recht willkürlich nach Schlagworten auf bestimmten Seiten gesucht und die Ergebnisse dann gemeldet, ohne sie zuvor zu überprüfen. Wer nun nach “Github Wicked” oder “Github Cargo” sucht, findet einen DMCA-Hinweise und lediglich Links auf Unterseiten der Github-Projekte. Zensurgegner sehen in solchen Kollateralschäden die größte Gefahr der aktuellen Löschpraxis.

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