Trotz seiner Größe bleiben auf dem Groupware-Markt Systeme rar, die über ihren Webclient hinaus wenigstens einen Linux-Desktop-Client gut unterstützen. Die Ritter des aus der Internet-Vorzeit stammenden Citadel haben in ihre Trutzburg neben vielen anderen Funktionen eine stabile Brücke zu Kontact eingebaut.
Kaum zu glauben! Citadel unterstützt alle gängigen offenen Groupware-Standards, bietet seine Daten über GroupDAV an, beinhaltet Chat sowie Mailinglisten und repliziert zwischen mehreren Servern. Die Einbindung externer LDAP-Verzeichnisse, E-Mail-Push-Dienste zu Funambol, eine HIPAA-konforme Archivierung, Indexing, Multidomain-Fähigkeit, Sieve-Skripte, Web-basierte Administration, ein stabiler Webclient, die KDE-PIM-Suite Kontact als Linux-Desktop-Client und ein schlankes, schnelles CLI-Interface komplettieren das Bild.
Open-Source-Urgestein
Citadel ist eins der ältesten heute noch bestehenden Open-Source-Projekte: Bereits 1981 entwickelte Jeff Prothero das erste Citadel-System nach dem Vorbild der Bulletin-Board-Systeme (BBS, [1]) (siehe Kasten “Das Erbe der 70er-Jahre”). Der Code der Version 1.0 wurde veröffentlicht und frei in der Community weiterentwickelt. Zahlreiche Abspaltungen, Neu- und Weiterentwicklungen folgten, auch das heutige Citadel [2] entstand 1987 als Fork dieser verbreiteten Serversoftware. Der Citadel-Benutzer Art Cancro ärgerte sich so sehr über die Zensur der Moderatoren in den verfügbaren BBS-Foren im Raum New York, dass er Betrieb und Entwicklung eines eigenen, unzensierten Bulletin-Board-Systems ankurbelte.
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Das Erbe der |
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Das heutige Citadel ist ein Nachfolger der Bulletin Board Systems (BBS) des frühen Internets. Die in den 70er-Jahren entwickelten elektronischen schwarzen Bretter gelten als Vorläufer des modernen WWW und erreichten ihre größte Verbreitung Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Mit einem Modem und einem Computer ausgestattet wählten sich Benutzer in die Systeme ein und tauschten Mitteilungen, Daten, Informationen und Software aus. Ähnlich wie bei modernen Chatsystemen gab es verschiedene Räume, die die User betraten und sich miteinander unterhielten. Die Software war für die geringe Bandbreite der damals zur Verfügung stehenden Modems optimiert. Benutzer verwendeten Befehlszeilen-Clients wie Telnet, um sich mit den BBS zu verbinden und mit anderen Benutzern zu kommunizieren. Die Darstellung der Informationen war stark textlastig, Bilder oder Animationen kamen in der Regel nur in Form von Ansi-Art vor, also Bildern aus Ansi-Zeichen. Zahlreiche Abkürzungen und Shortcuts ermöglichten schnelle und Ressourcen-schonende Bedienung für erfahrene Benutzer. Am Befehlszeilen-Client von Citadel lässt sich die Funktionsweise noch heute nachempfinden. PrivatvergnügenDie Bulletin Boards wurden anfangs privat betrieben, mit zunehmendem Erfolg gab es auch mehr und mehr kommerzielle Angebote. Die Benutzer zahlten zunächst nur die Telefonkosten, was die BBS meist zu lokalen Foren innerhalb der Ortsnetze machte. Später etablierten sich auch Abonnements für kommerzielle Foren. Ein Administrator, auch Aide, Sysop oder Moderator genannt, verwaltete die Foren. Zwei der bekanntesten BBS Ende der 80er-Jahre waren Citadel/PM und Citadel-86. Unterschiedliche Varianten dieser Programme waren so verbreitet, dass sich der Begriff Citadel fast zu einem Synonym für das ganze Bulletin-Board-Genre entwickelte. Anfang der 90er-Jahre war so eine große Subkultur entstanden, die BBS waren untereinander verknüpft und boten E-Mail und Schnittstellen zu anderen Diensten. Mit dem großen Erfolg des WWW verloren die BBS allerdings an Popularität. Direkte Modemeinwahl wurde durch die Anbindung an das Internet obsolet und zahlreiche BBS gingen in Onlinechat-Systemen auf. Die wenigen überlebenden erreichten dafür durch das Internet eine größere geografische Verbreitung und entwickelten sich zu einem Hobby für Enthusiasten. |
Unzensiert auf Linux
Als frischgebackener Eigentümer einer Unix-Machine portierte er die DOS-Software und nannte sie fortan “UNCENSORED! BBS”. 1988 öffnete das erste freie und unzensierte Citadel-BBS seine Pforten und erhielt regen Zulauf. Der Zugriff über das WWW ersetzte in den 90er-Jahren mehr und mehr die Einwahl per Modem und Telnet. Die Citadel-Gemeinde trug dem Rechnung und entwickelte den Webclient Webcit. 1995 zog Uncensored! auf Linux um und steht bis heute unter [3] zur Verfügung (Abbildung 1). Die Software, einige ihrer Bestandteile durften schon ihren 25. Geburtstag feiern, unterliegt komplett der GPL. Zum HTTP-Zugriff gesellten sich in den letzten Jahren außerdem Erweiterungen für Protokolle wie POP, IMAP, Sieve, LDAP und GroupDAV, sodass das Bulletin-Board-System langsam zu einer vollständigen Groupware reifte.

Abbildung 1: Citadel bringt seinen eigenen Webclient mit und besticht durch ein ausgefeiltes Raum-Konzept. Die Abbildung zeigt die Lobby, den ersten öffentlichen Raum für alle Citadel-Benutzer.
Raumverzeichnis
Die Ursprünge des Systems zeigen sich in vielen Details, am augenfälligsten ist sicherlich das alles durchdringende Konzept der Räume: Was bei anderen Groupware-Servern Ordner, Verzeichnis oder Folder heißt, ist bei Citadel ein Raum. Die Metapher wird konsequent eingehalten und bietet zahlreiche Analogien zu modernen Unternehmen oder Organisationen.
Die Vielzahl der Räume soll Citadel übrigens auch seinen Namen verschafft haben: Man stelle sich eine Festung vor, in der in langen Gängen viele Räume Tür an Tür liegen. Ob subversive Hintergründe dabei auch eine Rolle gespielt haben, ist nicht überliefert. Schließlich wurden Zitadellen gerne in unzuverlässigen Städten errichtet, um diese zur Kooperation zu überreden.
Die erste Anmeldung an Citadel erfolgt meist mit Hilfe von Webcit. Der Benutzer startet einen Browser und wechselt auf Hostnamen oder IP des Citadel-Systems: »http:// Hostname« und legt dort einfach einen neuen Benutzer an. Standardmäßig befindet sich Citadel nach der Installation im offenen Modus: Beliebige Benutzer melden sich ohne Administrator interaktiv an und erhalten automatisch einen Account. Für Groupware in einem Unternehmen ist dieser Modus eher eine Gefahr. Der Administrationsbereich bietet jederzeit Gelegenheit, die automatische Anmeldung zu deaktivieren. Der erste Benutzer, der sich nach erfolgreicher Installation anmeldet, erhält automatisch Administratorrechte. Es ist also Vorsicht angebracht, sonst hat sich schnell ein Unbefugter angemeldet.
Nach der Anmeldung befindet sich der Benutzer in einem Eingangsraum, in Citadel Lobby genannt. Sie ist eine Art öffentliches schwarzes Brett direkt am Eingang des Unternehmens. In der gängigen Groupware-Sprache entspricht dem ungefähr ein Public Folder: Jeder Benutzer darf diesen Raum betreten und Nachrichten hinterlassen.
In Webcit
Das Webinterface Webcit verfügt über eine Liste von Symbolen, die die wichtigsten Groupware-Funktionen wie E-Mail, Calendar, Contacts, Notes und Tasks, aber auch Chat, Rooms und Who\’s Online? umfasst (Abbildung 2). Mit Hilfe der Schaltfläche »Advanced« stellt der User seine Präferenzen ein, legt Räume an und verwaltet Zugriffsrechte, Server-seitige E-Mail-Filter und Freigaben. Die Module überzeugen durch ausgereifte Schlichtheit, Ajax wird nur für praktische Pop-ups eingesetzt.

Abbildung 2: Der Citadel-Kalender in Webcit ist wie alle Module ausgesprochen übersichtlich. Kleine Ajax-Pop-ups zeigen Vorschau-Informationen auf die Termine.
Räume, Stockwerke, Einladungen
Der virtuelle Besucher geht, von Maus oder Tastatur gesteuert, durch die Räume und kann dabei jederzeit abfragen, wer sich außer ihm noch in dem Raum aufhält, mit anderen Usern Instant Messages austauschen oder einen Chat starten. In Citadels Namensraum entspricht ein Adressbuch einem Raum mit Visitenkarten, ein Kalender ist ein Raum mit Terminen, andere Räume dienen als RSS-Newsfeeds, Kombinationen sind ebenfalls möglich.
Räume sind in Floors (Etagen oder Stockwerke) organisiert, sodass für die Abbildung der Kommunikationsstruktur eines Unternehmens viel Spielraum besteht. Citadel teilt darüber hinaus Räume mit anderen Servern: Benutzer unterschiedlicher Server treffen sich in Gemeinschaftsräumen und nutzen für Projekte Gruppenkalender. Möchte jemand seinen Kalender für Kollegen freigeben, muss er etwas umdenken: Er betritt zunächst den Raum »Calendar« und klickt auf »Advanced«. Im Bereich »Edit or delete this room« verändert er dann die Einstellungen des Raums.
Die Rechtevergabe an Dritte ist dabei sehr flexibel. Entweder lädt der Kalenderbesitzer Personen explizit ein oder er setzt die Berechtigungen an einem Raum so, dass bestimmte Kategorien von Benutzern Lese- oder Schreibrechte haben. Ersteres stellt er über die Registerkarte »Access Controls« ein, Letzteres über den Dialog »Configuration« (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Zugangsberechtigungen eines Raums ändert der Benutzer über den »Advanced«-Dialog in einem Raum, hier im »Calendar«. Die Schaltfläche mit der Zurück-Funktion heißt konsequent »Ungoto«.
Räume mit E-Mail-Adressen
Der Citadel Server setzt das Raum-Konzept mit Hilfe offener Standards und Protokolle, beispielsweise IMAP und Groupdav, auch für Mail- oder Groupware-Clients um. Programme wie die KDE-PIM-Suite Kontact importieren darüber hinaus Adressbücher, Kalender, Free-Busy-Listen, Aufgaben und Notizen vom Server. Räume entsprechen in der IMAP-Umsetzung einer Art Hybrid aus Mailingliste und IMAP-Ordner.
Weil jeder Raum eine eigene E-Mail-Adresse hat, macht Citadel völlig neue Arbeitsweisen möglich. Schnell von unterwegs, zum Beispiel vom GPRS-Handy, eine SMS als E-Mail an den Raum mit den persönlichen Aufgaben senden – und schon steht beim nächsten Mal nach dem Start von Kontact ein neues Todo auf der Liste. Dieses Vorgehen funktioniert auch für Gruppen, freigegebene Räume, Adressen, Notizen und private oder öffentliche Nachrichten.
Citadel und IMAP-Clients
Zwar unterstützt nur Kontact alle Groupware-Features von Citadel, zahlreiche IMAP- und Groupware-Funktionen sind jedoch auch mit anderen Mailclients wie zum Beispiel Thunderbird, Evolution oder Mulberry nutzbar. Die ausführlichen Anleitungen auf der Citadel-Webseite [2] bieten Hilfe bei der Integration verschiedenster Clients.
Für einen reinen IMAP-Client ist es natürlich nicht möglich, alle Features abzubilden. Attribute wie »Public« oder die Liste der eingeladenen Personen setzt der Server so weit um, wie es das IMAP- oder GroupDAV-Protokoll erlaubt. Wird ein Kalender, Adressbuch oder Mailfolder zu einem Public Room, so ist er für alle Benutzer sichtbar. Kompliziert wird es, wenn abonnierte Ordner (IMAP) und sichtbare/nicht sichtbare Räume (Citadel) eingesetzt werden und wenn Benutzer Räume über die Karteikarte »Sharing« für andere Citadel-Server freigeben. Sowohl IMAP-Clients als auch Administratoren haben es dann schwerer, den Überblick zu bewahren.
Kontact als Citadel-Client
Mit Kontact steht ein vollständiger Groupware-Client für Citadel zur Verfügung, der sogar Instant Messages interaktiv anzeigt (Abbildung 4). Citadel arbeitet dabei zunächst als einfacher IMAP- und SMTP-Server, der die Raumstruktur als IMAP-Ordner abbildet: Unter dem Posteingang findet der Benutzer seine eigenen Mailordner, unter »Main Floor« die gemeinsamen Ordner wie zum Beispiel die Lobby. Die Groupware-Ressourcen wie Kalender und Adressbuch lassen sich über die Dialoge »Hinzufügen« des KDE-Adressbuchs konfigurieren (Abbildung 5).

Abbildung 4: Kontact ist über IMAP hinaus auch ein vollständiger Groupware-Client für Citadel: Beim Abholen von Mail versorgt ein Pop-up den Benutzer mit den Nachrichten aus dem Instant Messaging.

Abbildung 5: Auf diesem Server sind das private und das globale Adressbuch für den Benutzer »psilie« freigegeben. Kontact bindet sie beide per Mausklick ein, wenn auch manche Programmversionen erst über den passenden Eintrag im Kontextmenü etwas Nachhilfe benötigen.
Citadel unterstützt GroupDAV fast vollständig und kann neben Adressen, Kontakten und Aufgaben auch Notizen und Free-Busy-Listen zur Verfügung stellen. Die passenden URLs für die Konfiguration der Clients stehen auf der Citadel- Webseite, in der Standardinstallation sind dies »http:// Servername/groupdav« (Abbildung 5) für Adressbücher und Kontakte sowie »http:// Servername/freebusy« (Abbildung 6) für die Frei- oder Belegt-Informationen. Bei manchen Kontact-Versionen arbeitet allerdings die Auswahl der GroupDAV-Ordner nicht korrekt: Trotz aktivierten Hakens in der Liste bindet der Client das Adressbuch nicht ein, über einen Rechtsklick und das Kontextmenü funktioniert die Auswahl jedoch zuverlässig. Auch bei der Einbindung der Free- oder Busy-Information stellt sich der Client gerne quer und meldet nicht nachvollziehbare, kryptische Fehler.

Abbildung 6: Free- und Busy-Listen funktionieren mit Citadel meist problemlos, wenn auch einige Kontact-Versionen erst überredet werden müssen.
Mit einem Browser lässt sich dann verifizieren, ob der Server korrekte Dateien anbietet: einfach die URL »http:// Servername/freebusy/ Username« eingeben. Liefert der Server eine ».ics«-Textdatei mit korrekten Free-Busy-Daten zurück, dann liegt der Fehler sehr wahrscheinlich an der eingesetzten Version von Kontact. Die ».ics«-Dateien kann der Benutzer sowohl mit einem Editor als auch mit Kontact öffnen.
Zurück ins Webinterface: Nach der problemlosen Inbetriebnahme (siehe Kasten “Installation”) kann der Administrator im »System Administration Menu« (Abbildung 7) von Webcit die globale Konfiguration bearbeiten.
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Installation |
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Schon bei der Installation merkt der Administrator, dass er es mit ausgereifter Software zu tun hat: Innerhalb weniger Minuten steht der Server. Auf der Webseite des Citadel-Projekts steht auch ein VMware-Image zur Verfügung – aber sein Einsatz sei anheimgestellt, die Installation ist schneller. Citadel bietet zwar drei mögliche Installationsarten, die Variante »Easy Install« stellt jedoch die einfachste und zuverlässigste dar. Darüber hinaus finden sich auf der Webseite [2] Informationen zu Repositories mit Debian-Paketen und der Sourcecode als »tar.gz«-Archiv. Mit den Debian-Paketen konnte allerdings auf den Testrechnern der Webclient unter dem Ubuntu-Server leider keine Verbindung zum Citadel-Server aufbauen. Die Installation mit »Easy Install« lief dagegen auf drei getesteten Systemen einwandfrei und ohne Fehler, wenn auf dem Server neben Curl und Wget das Paket »build-essentials« installiert ist. Für die empfehlenswerte Https-Unterstützung wird noch das Entwicklerpaket »libssl-dev« benötigt. Citadel installiert sich dann entweder mit »curl http://easyinstall.citadel.org/install | sh« oder mit »wget -q http://easyinstall.citadel.org/install | sh«. »Easy Install« lädt den Citadel-Server, Webclient, Befehlszeilen-Client, Berkeley DB, Libical und Libsieve herunter, kompiliert und installiert die Pakete. Nach der Installation liegt die Software in »/usr/local/citadel«, »/usr/local/webcit« und »/usr/local/ctdlsupport«. Anschließend startet das interaktive Setup-Programm, in dem der Administrator den Citadel-Server konfiguriert und etwaige lokale Mailserver deaktiviert. Mit Programmen wie Netstat, Ps, Pstree, Fuser, Lsof oder Netcat kann er direkt nach der Installation überprüfen, ob die Serverdienste laufen. |

Abbildung 7: Das Administrationsmenü von Citadel. Fast alle Einstellungen der Groupware inklusive der Rechteverwaltung kann der Administrator hier vornehmen.
Administration
Die wichtigsten Einstellungen des Admin-Bereichs befinden sich im Menü »Global Configuration«. Auf den acht Karteikarten der »Site-wide Configuration« konfiguriert der Administrator den Citadel-Server vollständig vom Browser aus. Webcit umfasst Module für Benutzerverwaltung, Zugriffsrechte, Domainnamen, E-Mail-Konfiguration, Warteschlangen oder Replikation mit anderen Citadel-Servern. Die virtuelle Architektur des Servers bearbeitet der Verantwortliche, indem er Stockwerke (Floors) und Räume hinzufügt oder löscht.
In der Standardeinstellung hat nur der Citadel-Administrator Einblick in die Liste der Benutzer. Damit Kontact-Benutzer ihre Kollegen per Auswahlliste zu einem Termin einladen können, muss der Administrator diese Liste noch freigeben, in der Citadel-Sprache zu einem Public Room machen.
Rolle vorwärts
Citadels Benutzerverwaltung bringt ein eingebautes Rollenmodell für die User mit. Der Administrator stellt die automatisch zugewiesenen Privilegien eines neuen Accounts ein und legt fest, welche Benutzer neue Räume anlegen dürfen. Ob für neue Benutzer eine Registrierung notwendig ist oder ob Citadel im Groupware-typischen Modus eine geschlossene Gruppe von Benutzern betreibt, bestimmt das Menü »Access« (Abbildung 8). »Enable host based authentication mode« zieht die Benutzerverwaltung des Linux-Systems (in der Regel über die PAM-Bibliotheken) heran. Damit soll auch Active-Directory- oder LDAP-Integration möglich sein.

Abbildung 8: Zugangskontrolle und Policies für neue Benutzer. Hier kann der Admin PAM aktivieren oder mit »Disable self-service user account creation« die Benutzerverwaltung selbst übernehmen.
Netzwerk und Dienste
Das Setup der Ports der verschiedenen E-Mail-Dienste erfolgt ebenfalls über das Webfrontend. Der Bereich »Network« (Abbildung 9) bietet Eingabefelder für SMTP, POP, IMAP und Sieve. Darüber hinaus legt der Admin hier auch fest, auf welcher IP der Server seine Dienste anbieten soll. Die weiteren Karteikarten des Admin-Bereichs haben es in sich: Der »Auto-purger« löscht alte Nachrichten automatisch, während »Indexing« des Message Store die Suche in und nach Nachrichten beschleunigt. Hinter der Registerkarte »Directory« verbirgt sich die Eingabemaske für die Integration eines LDAP-Servers, was in der Standardkonfiguration leider noch nicht einkompiliert ist. Da hilft nur das eigenhändige Übersetzen des Quelltextes weiter.

Abbildung 9: Im Dialog »Network Services« stellt der Admin die Ports der verschiedenen Serverdienste sowie die IP-Adresse ein, auf der der Server Anfragen beantwortet.
Archivierung für Compliance
Journaling ist vor allem für Unternehmen interessant, die Wert auf Compliance legen müssen. An die hier hinterlegte E-Mail-Adresse leitet Citadel alle Nachrichten weiter, die User über den Citadel-Server senden, wahlweise nur die E-Mails oder alle Messages. Mit diesem Rundumschlag integriert sich Citadel in beliebige Backup-Systeme und erfüllt damit theoretisch auch alle vorgeschriebenen Archivierungsrichtlinien der HIPAA [4] oder des Sarbanes Oxley Act [5], wie der Citadel Entwickler Foobar berichtet (siehe Kasten “Ignatius T. Foobar zur Compliance”).
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Ignatius T. Foobar zur |
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“Journaling ermöglicht es, eine Kopie jeder Nachricht, die über das System geht, zu archivieren. Damit erfüllt Citadel die Anforderungen einiger Branchen wie dem Gesundheits- oder Finanzwesen, wo Unternehmen alle Nachrichten sieben Jahre vorhalten müssen. Compliance haben wir beispielsweise im Auftrag eines Vertragskunden aus der Finanzbranche in Citadel eingebaut.” |
Türen nach draußen
Für individuelle Erweiterungen bietet Citadel Platz, wobei auch hier das Konzept der Räume greift. Die externen Schnittstellen heißen Türen. Zahlreiche Standardfeatures haben durch diese Türen bereits ihren Weg in das BBS gefunden, sodass aus den 90 KByte von 1981 mittlerweile 900 KByte geworden sind. Eine der jüngsten Entwicklungen ist die Synchronisation mit einem Funambol-Server, mit dessen Hilfe Citadel E-Mails auch auf mobile Geräte wie Smartphones schicken kann.
Allerdings war der Bereich Push E-Mail in letzter Zeit einer starken Weiterentwicklung unterworfen, nach Beiträgen aus der Mailingliste soll die Synchronisation aller Daten außer bei den Aufgaben einwandfrei funktionieren.
An der Befehlszeile
Ein besonderer Leckerbissen für Administratoren und CLI-Fans ist der schlanke Befehlszeilen-Client aus grauer Vorzeit, den Citadel mitbringt. Per SSH auf dem System eingeloggt, startet der Benutzer oder Administrator mit »/usr/local/citadel/citadel« eine Shell, die er mit wenigen Tataturkürzeln bedient. Der Befehlszeilen-Client unterstützt alle Funktionen der Groupware, Chat, Messaging und Administration, wobei meist ein beherztes [H] die im aktuellen Kontext verfügbaren Kommandos anzeigt.
Listing 1 zeigt die Anmeldung als Benutzer »Administrator« und den Chatbeginn in der »Lobby«. Mit den Pfeiltasten bewegt sich der Benutzer vorwärts und rückwärts durch die Räume, mit [T] für “terminate” meldet er sich jederzeit aus Citadel ab. Kommandos mit einem Punkt am Anfang dienen der Administration: ». Aide Edit User«, also die Tastenkombination [.]+[A]+[E]+[U], startet den Dialog zum Bearbeiten eines Useraccounts. Mit [.]+[A]+[S]+[G] für ». Aide System Configuration General« bearbeitet man die Serverkonfiguration.
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Listing 1: Groupware-Session an |
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01 mfeilner@ubuntu-server:~# /usr/local/citadel/citadel 02 Citadel 7.06 03 ubuntu-server 04 pause next stop 05 ctrl-s ctrl-o ctrl-c 06 Welcome to ubuntu-server! 07 This logon banner resides in /usr/local/citadel//messages/hello -- please 08 customize it for your site. 09 Enter your name: Administrator 10 Please enter your password: ************* 11 Administrator 12 Access level: 6 (Aide) 13 User #5 / Login #36 / Last login: Mon Apr 2 17:28:06 2007 14 *** Users need validation 15 Lobby - 0 new of 5 messages. 16 *** There are no new messages in this room. 17 Lobby> Chat 18 Entering chat mode (type /quit to exit, /help for other cmds) 19 :: Note: you are the only one here. 20 Administrator: <entering chat> 21 > |
Diese Shortcuts sorgen dafür, dass nach einer kurzen Eingewöhnungszeit die Arbeitsgeschwindigkeit des CLI regelrecht berauscht. Weil die letzte Frage in jedem der Dialoge immer »Save changes (y/n)?« ist, richtet vorsichtiges Probieren auch keinen Schaden an.
Zusammenfassung
Die 25 Jahre alte Groupware Citadel präsentiert sich ausgereift und mit erstaunlichem Funktionsumfang. Zahlreiche Administrationstools, IMAP-, SMTP- und GroupDAV-Server kombiniert Citadel mit vollständigen Clients für Web, CLI und den Linux-Desktop. Das Konzept der Räume bringt am Anfang vielleicht ein paar Hürden für Groupware-erfahrene Benutzer. Doch wer die Analogie einmal verstanden hat, öffnet sich ungeahnte Möglichkeiten.
Der umfangreiche Administrationsbereich kann sich sehen lassen und auch die Anbindung von Clients klappt. Admins, die leidvolle Erfahrungen mit Kolab, Openxchange oder anderen Groupware-Lösungen gemacht haben, werden überrascht sein, wie unkompliziert Kontact mit Citadel funktioniert.
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Infos |
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[1] Bulletin Board System (BBS): [http://en.wikipedia.org/wiki/Bulletin_board_system] [2] Citadel-Webseite: [http://www.citadel.org] [3] Citadel BBS uncensored!: [https://uncensored.citadel.org] [4] Health Insurance Portability and Accountability Act HIPAA: [http://en.wikipedia.org/wiki/Health_Insurance_Portability_and_Accountability_Act] [5] Sarbanes Oxley Act SOA: [http://de.wikipedia.org/wiki/Sarbanes-Oxley_Act] |






