Dass Microsoft Windows XP ab April 2014 abgekündigt hat, also keine sicherheitsrelevanten Patches mehr liefern will, ist seit Jahren bekannt. Dennoch hat die Berliner Verwaltung offensichtlich die Ruhe weg. Erst für den Doppelhaushalt 2014/2015 plante man Mittel für eine Migration ein, nach Aussage der Opposition haben die Verantwortlichen “die Migration verpennt” und stehen jetzt vor großen Sicherheitsproblemen – und die Unruhe in den Behörden wächst.
Thomas Birk, grüner Abgeordneter und Fraktionssprecher für Verwaltungsreform hatte nachgehakt und gestern eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der er der Berliner Verwaltung vorwirft “ein Scheunentor für Cybercrime aufzustoßen”. Ab 8. April gibt es keine Sicherheitsupdates mehr für Windows XP – und ab da stünden die Rechner der Berliner Verwaltung schutzlos da.
Verschlafen
“Seit 2002 weiß die Verwaltung, dass das 2014 passieren wird.” (Dazu ein Artikel von Linux Magazin Online aus dem Jahr 2007) Das habe auch Björn Böhning, Chef der Senatskanzlei, bestätigt, doch geschehen sei nichts. “Hätte die Verwaltung im März 2013, als wir erneut vorgeschlagen haben, eine Open-Source-Migration anzugehen, gehandelt, dann wäre die gefährliche Situation jetzt nicht derart eskaliert”, erklärt Olaf W. Reimann, Referent für IT und Netzpolitik der Berliner Grünen, gegenüber dem Linux-Magazin.
Thema im Abgeordnetenhaus
Das Thema wird derzeit in Berlin heftig diskutiert. Neben einer Frage in der “aktuellen Viertelstunde” der 35. Sitzung des Ausschusses für Digitale Verwaltung, Datenschutz und Informationsfreiheit wollen die Grünen es auch in der morgigen Plenarsitzung zum Thema “Cybercrime” auf den Tisch bringen. “Das Ganze ist heute sehr unübersichtlich. Niemand weiß, wer wo und wann betroffen ist. Im Doppelhaushalt 2014/15 ist zwar Geld eingeplant für Windows-7-Lizenzen, doch ob die Fachverfahren damit laufen, weiß niemand,” beschreibt Reimann die Lage.
Aus Sicht der grünen Fraktion ist eine Task Force notwendig, die einen Überblick erarbeitet und eine Migrationsstrategie auch in Hinblick auf den NSA-Skandal erarbeitet. “So ein Controlling und das koordinierte Bearbeiten der Sicherheitsprobleme wäre eigentlich Aufgabe von Berlins CIO, Staatssekretär Andreas Statzkowski”.




