We are Developers 2019: Anlaufprobleme in Berlin

Der erste Tag der We-are-Developers-Konferenz in Berlin fiel vor allem mit logistischen Problemen auf. Diese Partie konnte auch Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow in seiner Keynote nicht mehr drehen.

Auch Entwickler sind Menschen und leben in erster Linie von Wasser, Essen und Wifi. Am ersten Tag der We are Developers 2019 schienen die Veranstalter der Entwicklerkonferenz diese Tatsache komplett übersehen zu haben. Oder sie waren noch nie auf größeren Konferenzen. Wie sonst kommt man auf die Idee, mit Hilfe von fünf Foodtrucks (und bei 30 Grad in der Sonne) tausende Besucher mit Essen versorgen zu wollen?

Die Besucher bemängelten zudem über den in die Konferenz-App integrierten Twitter-Klon die hohen Wasserpreise vor Ort (3,70 Euro für den halben Liter). Erst spät verrieten die Veranstalter als Workaround, das Wasser doch aus dem Hahn zu trinken. Auch das Wifi schien nicht sonderlich gut zu funktionieren, das ist allerdings auch bei anderen Konferenzen oft noch so. Schade: Insgesamt überschattete die schlechte Logistik eine inhaltlich durchaus vielfältige Konferenz.

Kasparow: AI als Freund und Helfer

Schach-Koryphäe Garri Kasparow setzte sich in seiner Eröffnungsansprache mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinander. Er muss es wissen, spielte er doch bereits 1985 erstmals gegen Schachcomputer und verlor 1996 die erste Wettkampfpartie unter Turnierbedingungen. Künstliche Intelligenz setzten diese Schachcomputer allerdings erst deutlich später ein, damals war es noch pure Rechenkraft.

Trotz seiner Niederlage betrachtet Kasparow die Beziehung von Mensch und KI eher entspannt und antizipiert ein friedliches Nebeneinander. Künstliche Intelligenz stelle keine Fragen und definiere keine Ziele, das unterscheide sie vom Menschen. Der sollte sie eher als eine Art Hilfe betrachten. Sie könne die vielen sinnfreien Jobs übernehmen, die es so gibt, während sich die Menschen auf die eigene Kreativität konzentrieren. KI, so sieht es jedenfalls Kasparow, werde die Menschen nicht feuern, sondern sie befördern.

Wie allerdings die nachfolgende Generation konkret mit der zunehmenden KI-Konkurrenz am Arbeitsplatz umgehen solle, sieht er als Herausforderung, die dann eben diese Generation meistern müsse.

Workshops und Talks

Insgesamt sprechen die Veranstalter von 10 000 Besuchern, die an dem zweitägigen Event (morgen ist der zweite Tag) auf dem Messegelände Berlin teilnehmen. Für sie stehen mehrere Bühnen zur Auswahl, auf denen parallel Vorträge stattfinden. Daneben können sich die Besucher bei verschiedenen Workshops anmelden.

Containerisierung und Cloud-Native-Anwendungen (“Constructing Worlds 2.0”) waren ebenso ein Thema wie schnelles Entwickeln und Datenauswertung (“Unchaining Engineering”). Die Beiträge im Slot “Coding Society” beschäftigten sich eher mit neuen Programmiertechniken und der IT-Organisation.

So arbeitet Gitlab

Unter dem Label “Applying Disruption” sprach Ashish Kuthiala von Gitlab über die Herausforderung, ohne Büro und mit rund 680 über die ganze Welt verteilten Angestellten zu arbeiten — und trotzdem 124 Deploys am Tag zu schaffen.

Ein paar der von ihm genannten Regeln stachen besonders hervor: “If its not written, it doesn’t count”, lautete eine davon. Alle Kommunikation finde zwingend über Issues statt, nur so ließe sich sicherstellen, dass alle Mitarbeiter auf dem selben Blatt seien. Dokumentieren sei Pflicht.

Zudem folgt Gitlab eher dem alten Open-Source-Motto: “Release early, release often”. Ein minimales Stück Code sei besser als gar keines. Über Iterationen ließe sich das dann Stück für Stück verbessern. Schließlich empfahl Kuthiala, eine gemeinsame Pipeline für sämtliche Teams zu verwenden und zudem die technische Infrastruktur als Code zu verwalten (als Beispiel kam Terraform zur Sprache).

Hidden Services verbessert

Am Rande redete das Linux-Magazin mit Silvia Puglisi, die als Sysadmin beim Tor-Projekt arbeitet. Sie war vor allem auf der Konferenz, um unter dem Stichwort “Unchaining Engineering” für die Nutzung der Hidden Services zu werben. Die (auch als Darknet bekannten) Dienste hat das Projekt bislang recht stiefmütterlich behandelt, laut Roger Dingledine nutzen die meisten Anwender Facebook über diese Dienste.

Auch Puglisi erklärte, dass sich die bisherige Arbeit hauptsächlich auf das Tor-Protokoll konzentriert habe. Nun aber würden die Hidden Services stärker in den Fokus des Projekts geraten. In ihrem Vortrag erklärte Puglisi den anwesenden Entwicklern, wie sich flüchtige “.onion”-Dienste aufsetzen lassen, um Websites oder einfache Webanwendungen anonym mit der Welt zu teilen.

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