Nach Jahren der Entwicklung ist Version 1.0 der virtuellen Maschine Parrot für Perl, Python und andere dynamische Sprache erschienen. Ob sie nun ihren Platz in der Welt der Software-Entwicklung finden wird, scheint fraglich.
Was lange währt, wird endlich gut. Ist an diesem Sprichwort irgendetwas Wahres, muss die vorgestern in Version 1.0 erschienende Parrot-VM von ganz hervorragender Qualität sein. Über die Jahre erwarb sie sich einen Ruf, der immer mehr demjenigen von GNU Hurd oder Duke Nukem ähnelte: Jede Menge heiße Luft. Meist machte Parrot mehr Schlagzeilen durch verschlissene Projektmanager und -mitarbeiter als durch wirkliche Fortschritte.
Angefangen hatte alles mit einem Aprilscherz im Jahr 2001, der ankündigte, die beiden konkurrierenden Programmiersprachen Python und Perl zu einem frankensteinartigen Monster zu vereinen, das den Namen Parrot (Papagei) tragen sollte. Aus dem Spaß wurde Ernst, und Parrot entwickelte sich zum Projekt, das eine virtuelle Maschine implementieren wollte, die die Basis nicht nur für Perl und Python, sondern optimalerweise für alle möglichen Programmiersprachen bilden sollte. Zu diesem Zweck sollte die VM auch Operationen unterstützen, um funktionale Sprachkonstrukte wie Closures und Continuations zu implementieren – im Gegensatz beispielsweise zur Java-VM.
Nicht alle hohen Ansprüche konnten auch eingelöst werden, wie ein Blick auf die aktuelle Liste der unterstützten Sprachen bezeugt. Eine ganze Reihe von ihnen wurde aufgegeben oder sie schlummern derzeit in einem Dornröschenschlaf (“Dormant”), aus dem sie möglicherweise nie mehr erwachen werden. Offiziell unterstützt Parrot 1.0 jetzt Python, Ruby und Perl 6, sowie das weniger bekannte APL. Im Subversion-Repository finden sich noch einmal knapp 20 mehr oder weniger vebreitete Sprachen.
Mit Version 1.0 hat Parrot sich auf eine stabile API festgelegt, was zumindest theoretisch die Verbreitung der virtuellen Maschine fördern könnte. In der Praxis hat Parrot seit seinem Start Konkurrenz durch Dotnet/Mono bekommen und auch die Java-VM hat sich in dieser Zeit sehr verbessert. Schließlich steht mit dem von Google programmierten Dalvik seit neuestem noch ein Konkurrent bereit, der wie Parrot auf die registerbasierte VM-Technologie setzt. Aber wer weiß, vielleicht findet der vielsprachige Papagei doch noch seine Nische im Ökosystem der freien Software, wenn sich nur genug Anwender finden.




