Die britische Fernuniversität nahm im Jahr 2005 zusammen mit der William und Flora Hewlett Stiftung Anlauf, ihr Online-Lernsystem zukunftsfähig zu machen. Ungewöhnlich ist, dass sie sich nicht des Geldes wegen für das quelloffene Moodle entschied und auch keinen professionellen Support vermisst.
Die Online-Dienste der mitten im südlichen England liegenden Fernuniversität waren 2005 veraltet, wenig modular und dezentral organisiert. Da Internet immer wichtiger wurde, machte sie sich auf, Online-Lernplattformen zu evaluieren. Bis Juli 2008 flossen fünf Millionen Britische Pfund (etwa 5,5 Millionen Euro) in das Projekt der virtuellen Lernumgebung, an der in Hochzeiten über 30 Vollzeitbeschäftigte werkelten. Obwohl auch proprietäre Lösungen, zum Beispiel Blackboard, in Betracht gezogen wurden, entschied sich die Universität schließlich für Moodle: “Kein anderes System bot die gewünschte Funktionalität und vor allem die Modularität”, heißt es in einer neuen Osor-Fallstudie über den Moodle-Rollout an der Open University. Die britische Fernuni ist laut dem Text eine der größten weltweit. Sie hat etwa 200.000 Studierende und etwa 7000 Personen akademisches Personal. Zum Vergleich: An der Fernuniversität Hagen studierten im Sommersemester 2009 rund 60.000 Menschen, und das akademische Personal inklusive studentischen Hilfskräften, wissenschaftlichen Assistenten und Professoren beträgt ungefähr 1000.
Nach der Entscheidung für Moodle ging die Arbeit erst richtig los, zitiert die Studie Niall Sclater, Chef für Lern-Innovationen an der Open University. Als Beispiele nennt er die Fragebogen-Engine, die Zugangskontrolle und Barrierefreiheit. Obwohl in den eigenen Reihen die Frage nach kommerziellen Support gestellt wurde, habe sich für das Team herausgestellt, dass die Community vollauf genügt: “Die beste Kompetenzquelle ist in der Community frei verfügbar. Das unbezahlbare Feedback in Form neuer Entwicklungen oder Verbesserungen, in Form von Bug-Reports und Diskussionen wurde für die Arbeit an der Online-Lernplattform essenziell”, heißt es in der Studie. Der Text beschreibt auch die universitätsseitigen Beiträge, die als Software, Dokumentation und Konferenzteilnahmen an die Community zurückflossen. Bildlich tritt vor Augen, dass beim Launch der neuen Lernplattform die Moodle-Community plötzlich sprunghaft anstieg, wie es in dem Text heißt.
Auf den Anteil der William und Flora Hewlett Stiftung geht die Studie leider weniger ein. Immerhin kamen zwei der fünf Millionen Pfund aus dem Portemonnaie des HP-Gründers. Das Anliegen der Stiftung war das Openlearn-Projekt, das heute als Unterseite der Open University besteht und Lernmaterialien frei zugänglich macht. Die Stiftung, die sich schon mehrere Male durch Unterstützung frei zugänglicher Bildungssressourcen hervortat, führt ihr Interesse außerdem auf Olnet.org fort, einer Vernetzungs- und Forschungsplattform für die Frage, was freier Zugang zu Lernmaterialien den Menschen bringt.
Der elfseitige Bericht ist online lesbar und steht im ODT- und im PDF-Format auf der Osor-Webseite zum Download bereit. Sein Autor Gregor Bierhals arbeitet als Forscher an der gemeinsamen Forschungseinrichtung der Maastrichter Universität und der United Nations Universität (UNU-MERIT) in Maastricht.
Der europäische Informationsdienst Osor (Open Source Observatory and Repository) hat zur Aufgabe, die Verbreitung von Open-Source-Software zu fördern und ist Teil des europäischen IDABC-Programms, ein Programm der europäischen Kommission, das noch bis Ende 2009 Bürger und Unternehmen über grenzübergreifende öffentliche Dienste im Bereich E-Governance informieren will (IDABC, Interoperable Delivery of European eGovernment Services to public Administrations, Business and Citizens).



