Die mit Trump-Getreuen neu besetzte amerikanische Regulierungsbehörde FCC hat die Netzneutralität abgeschafft. Linux-Magazin Online berichtete. Sollte sich der Widerstand dagegen nicht durchsetzen können, droht nicht nur eine Verteuerung, sondern der Ausfall des Internets als Innovationsmotor.
AirBnB mag Wohnraum zweckentfremden und Uber das Taxigewerbe zugrunde richten – man mag davon halten was man will -, aber eines liegt auf der Hand: Ohne Internet gäbe es diese Art Services nicht, die ohne eigene Autos oder Hotelzimmer doch unter den führenden Transportdienstleistern und Beherbergungsbetrieben rangieren. Genauer gesagt: Ohne neutrales Internet, ohne ein Internet, das jeglichen Traffic gleichberechtigt durchleitet.
Ein Internet nämlich, in dem sich Monopolisten gegenseitig schnelle Verbindungen zuschanzen, die für Startups dann unbezahlbar sind, würde solche Innovationen nicht mehr hervorbringen können. Es würde sich selbst eine seiner besten Eigenschaften berauben, dem Zugang zu Kunden und Märkten für alle, ohne teure Investitionen in Medien und Werbung. Wer vor 30 Jahren sein Angebot publik machen wollte, musste in Zeitungen und Zeitschriften oder in Rundfunk und Fernsehen dafür werben. Das war sehr teuer. Heute reicht dafür ein Internetzugang und eine zündende Idee, und die Botschaft kann sich weltweit verbreiten, Nachfrage generieren, einen Markt schaffen, den es vorher nicht gab.
Noch reicht ein Internetzugang. Denn gerade hat die amerikanische Regulierungsbehörde FCC die Netzneutralität abgeschafft. Kommt sie damit durch, können sich die größten Internetprovider die besten Übertragungsbedingungen für eigene Angebote sichern und die Konkurrenz ausbremsen. Der Ausleseprozess wird sich verschärfen, nur die kapitalkräftigsten Anbieter werden überleben, und neue Ideen, die ihnen nicht in den Kram passen, haben keine Chance mehr. Dass Internet, dass ihnen theoretisch als Sprungbrett dienen könnte, wird praktisch ein Hemmnis sein.
Schon regt sich Widerstand – amerikanische Bundesstaaten, Institutionen und Organisationen streben Klagen an. Man kann nur hoffen, dass sie Recht bekommen werden. Sonst werden dem Internet, einer Erfindung, die wohl wie keine vor ihr, neue Innovationen befördert hat, ein für allemal die Flügel gestutzt. Das Silicon Valley verlöre seine Stellung als Zentrum des Erfindergeistes in der digitalen Welt. Die Trump-Administration schösse aus Kurzsichtigkeit und vermeintlicher Wirtschaftsnähe ein kapitales Eigentor.
Der Selbstbetrug ist der häufigste Betrug und auch der schlimmste. [1]
Rück-Sichts-voll
Jens-Christoph Brendel
[1] Jakob Boßhart (schweizerischer Erzähler, 1862-1924)



