Eine Doku der ARD schlug in der vergangenen Woche Wellen: Unter dem Titel “Das Microsoft-Dilemma – Europa als Software-Kolonie” führten der Journalist Harald Schumann mit seinem Recherche-Team InvestigateEurope den Nachweis, dass Open-Source-Alternativen zu Microsoft oft an geistiger Unbeweglichkeit, Ignoranz, Borniertheit oder Faulheit der Behörden scheitern.
Obwohl der Film – wie viele sehenswerte Produktionen – in den späten Abend
verbannt wurde (Montag, 22:55 Uhr), ist das Presseecho groß, auch die Süddeutsche
Zeitung berichtet darüber Die Filmemacher hatten in ganz Europa Belege dafür gesucht, dass freie Software dem proprietären Modell zwar überlegen ist, vielerorts aber dennoch bewusst unterdrückt wird. Etliche der Protagonisten entlarven sich im Interview selbst, etwa der überhebliche Brüsseler Kommissar für den Digitalen Binnenmarkt, Andrus Ansip, der sich über den Reporter lustig zu machen versucht, in der Sache aber keine Argumente hat. Auch dem Münchner OB Dieter Reiter gebricht es an einleuchtenden Argumenten für die extrem teure Rolle rückwärts zurück in die Arme von Microsoft.
Dennoch gibt es nach wie vor einzelne Beispiele dafür, wie sich Institutionen aus der Umklammerung des IT-Monopolisten Microsoft befreien konnten. Beispielsweise setzt die italienische Armee auf freie Software und fährt nach eigener Aussage gut damit. In Deutschland ist es unter anderem Schleswig-Holstein, das die Ausschreibungsbedingungen so geändert hat, dass Open-Source-Software „vordringlich“ zum Einsatz kommt, „um Abhängigkeiten von einzelnen Softwareanbietern so weit wie möglich zu reduzieren“.
In der Masse der Fälle ergibt sich aber leider das düstere Bild, dass viele Behörden eher desinteressiert sind, wenn sie sich nicht klar auf die Seite von Microsoft schlagen, weil ihre Mitarbeiter das nun einmal gewöhnt seien. Dabei werden nicht nur hohe Lizenzkosten ignoriert, sondern auch eklatante Sicherheitsrisiken, wie vor kurzem der Wannacry-Virus bewiesen hat.
Der Film ist nun noch 90 Tage in der ARD-Mediathek abrufbar und wird auch noch wiederholt. So läuft die Dokumentation etwa am 8. April 2018 um 22:55 Uhr im RBB.
Rück-Sichts-voll
Jens-Christoph Brendel





