Rück-Sicht 07/18

Wieder beschwert sich ein Entwickler über den Umgang der Kernel-Entwickler miteinander.

Klagen über den rauhen Umgangston in der Kernel-Community sind nicht neu. Schon 2015 zogen sich etwa die prominenten hacker Sarah Sharp und Matthew Garrett aus Protest daggen zurück. Und Garrett bezog seine Kritik auch damals schon explizit auf Torvalds. Ein Jahr später schreibt ein weiterer prominenter Entrwickler, Lennart Poettering, die Kernel-Community sei “ziemlich krank” und “voll von Arschlöchern”, er wundere sich gelegentlich darüber, “was für eine furchtbare Community Linux besitzt.”

Und nun kritisiert wieder ein Beteiligter, Daniel Vetter, die Zustände in der Öffentlichkeit. Linux-Magazin Online berichtet darüber. Die Ausfälle von Torvalds führten dazu, dass die Beteiligten aber auch andere Entwickler und Maintainer sich nicht mehr trauen würden, den Mund aufzumachen. Etrliche Kernel-Maintainer missbrauchten ihre Macht und auch die Linux-Foundation griffe nicht ein, weil sie viele von ihnen  beschäftige und so in einen Intressenkonflikt gerate.

Am Schluss bittet Vetter die Maintainer darum, mehr Demokratie zu wagen, Macht abzugeben, Privilegien aufzugeben und Prozesse besser oder überhaupt zu dokumentieren. Ob das Erfolg haben kann. Ein bekannter deutscher Soziologe, Dirk Baecker, meint in einem Tagesspiegel-Interview:

Jeder Machthaber kann nur die Macht ausüben, die diejenigen, die dieser Macht unterworfen sind, bereit sind zu akzeptieren. Das hängt davon ab, welche Ressourcen, guten Gründe oder auch physischen Zwangsmittel er zur Verfügung hat. Die Legitimation stammt immer aus dem System, nie aus den Personen. Das gilt auch in kleineren Systemen…

Nimmt man das Ernst, sollte man wohl weniger den Maintainern ins Gewissen reden, sondern vielmehr der großen Gemeinde der Kernel-Entwickler Mut zusprechen, sich die Schikanen nicht länger gefallen zu lassen.

Rück-Sichts-voll

Jens-Christoph Brendel

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