Rancher 2.4 verwaltet dank einer überarbeiteten Architektur jetzt 2000 Kubernetes-Cluster mit 100 000 Nodes. Es sollen trotz Corona-Krise noch mehr werden.
Wer braucht 2000 Cluster? Bislang offenbar niemand, erklärte Olivier Maes (Abbildung 1) im Interview gegenüber dem Linux-Magazin. Laut Maes, EMEA-Chef von Rancher Labs, setze der größte Kunde in Europa aktuell “nur” 60 Cluster ein. Rancher Labs bereite seine Software jedoch vor allem auf kommende Edge-Anwendungsfälle vor. Hier vermutet nicht nur Rancher Labs die Zukunft. Ab Version 2.5 soll Rancher mit einer Million Nodes zurecht kommen. Erste Teile der dafür nötigen architektonischen Änderungen stecken in der seit gestern verfügbaren Version 2.4.
Edge im Visier
Rancher bietet den Rancher Server und die Rancher Kubernetes Engine (RKE) an, aber auch K3s, eine Edge-Distribution. Die Komponenten dienen dazu, Kubernetes-Cluster einfach aufzusetzen und zu verwalten (Abbildung 2). Sie sind Open Source und stehen unter der Apache-Lizenz. Das Geschäftsmodell des Unternehmens liegt im Support-Bereich. Dabei lässt sich Rancher On Premise, aber auch in Hybrid- und Multicloud-Installationen einsetzen. Das Portieren zwischen den verschiedenen Public Clouds klappe noch nicht unabhängig vom jeweiligen Public-Cloud-Provider, doch daran arbeite das Projekt.

Abbildung 1: Olivier Mase ist Managing Director EMEA für Rancher Labs.
Im Fokus stehe momentan aber vor allem der Edge-Bereich, was unter anderem der HA-Support von Rancher 2.4 für K3s-Cluster zeigt. Die nächsten sechs bis zwölf Monate wolle Rancher Labs dazu nutzen, die eigene Software für verschiedene Edge-Anwendungsfälle und Einsatzszenarien vorzubereiten. Während Maes für 2020 eher Demo-Fälle voraussieht, erwartet er größere Rollouts für 2021 und 2022.
Corona und der Markt
Aufgrund der Corona-Krise seien Unternehmen wie Siemens und Edeka aktuell mit anderen Problemen beschäftigt. Maes glaubt aber, dass diese nach einer Adaptionsphase ihre IT-Projekte wieder aufnehmen.

Dass Maes im Interview viele deutsche Unternehmen nennt, hat seinen Grund: Deutschland sei für Rancher der stärkste Markt. Von den 60 neuen Kunden in Europa säßen 25 bis 30 in Deutschland. Hier schreite nach einer eher zögerlichen Virtualisierungsphase die Container-Adaption vergleichsweise schnell voran. Container-Projekte im Finanz- und Versicherungsbereich seien keine Spielereien mehr, sondern strategische Produkte.
Rancher 2.4
Den produktiven Einsatz reflektiert auch Rancher 2.4, das unter anderem die Sicherheitsaspekte ausbaut. So lassen sich die mit Rancher aufgesetzten Kubernetes-Cluster nun einem Security-Benchmark von CIS (Center for Internet Security) unterziehen. Auch neu ist ein Zero-Downtime-Feature bei Upgrades: so genannte Rolling Updates seien nicht neu oder spektakulär, aber für Kunden wichtig und Rancher beherrsche sie nun auch.
Atomic Cluster Rollbacks erlauben es hingegen, Etcd und die Kubernetes-Konfiguration in einem Schritt auf eine vorherige stabile Version zurück zu rollen — auch mitten im Upgrade. Die erwähnten K3s-Änderungen betreffen gleich zwei Dinge: Einerseits ist K3s nun eine von Rancher offiziell unterstützte High-Availability-Distribution (HA), zugleich lassen sich importierte K3s-Cluster direkt aus Rancher heraus aktualisieren. Nicht zuletzt bietet Rancher nun auch selbst einen Hosted Service an. Der Bezahldienst für Platinum-Kunden läuft aktuell auf AWS, was die Rancher-Mitarbeiter noch ausbauen wollen. Für die Downstream-Cluster sind die Nutzer des Hosted-Rancher-Angebots aber weiterhin selbst zuständig.


