Das Open-SSL-Projekt hat eine Roadmap mit Zielen für die weitere Entwicklung der Kryptografie-Suite veröffentlicht.
Das Dokument solle unter anderem der verbreiteten Auffassung entgegenwirken, Open SSL arbeite “schleppend und isoliert”, heißt es eingangs. Dann folgen die Problembereiche, die die Projektmitglieder angehen möchten. Dazu zählen viele offene Tickets im Request Tracker, unvollständige und teilweise fehlerhafte Dokumentation sowie inkonsistenter Coding-Stil. Daneben sei die Bibliothek unnötig komplex. Außerdem fehlten ein Release Plan, eine Plattformstrategie sowie eine Sicherheitsstrategie. Auch das Fehlen eines Code-Review-Prozesses räumen die Autoren ein.
Darauf folgen die geplanten Maßnahmen. Die Entwickler beabsichtigen, erst die genannten Mängel zu beheben und dann erst neue Features für die Software anzugehen. So soll auf neue Tickets spätestens nach vier Tagen eine erste Antwort folgen, daneben will das Projekt den Rückstau aufarbeiten. Die Dokumentation soll innerhalb eines Jahres das komplette API abbilden, möglicherweise mit Hilfe eines neuen Dokumentationssystems.
Den Code für die bei Heartbleed unangenehm aufgefallene Speicherverwaltung wollen die Open-SSL-Mitarbeiter innerhalb der nächsten sechs Monate überarbeiten, das öffentliche API innerhalb eines Jahres im Interesse geringerer Komplexität überholen. Daneben soll es binnen drei Monaten einen Coding-Standard geben, auf den die Codebasis in den folgenden drei Monaten umformatiert wird.
In wenigen Monaten soll ein Code Review starten, und eine unabhängige Instanz soll den Quelltext einem Audit unterziehen. Statische und dynamische Analyse ist ebenfalls zur Prüfung vorgesehen. Die Release-Strategie sieht die regelmäßige Veröffentlichung stabiler Versionen vor, die Security-Fixes erhalten, aber keine neuen Features. Als primäre Plattformen für ihre Software definieren die Open-SSL-Entwickler Linux und Free BSD, die Wahl der sekundären wird von deren Anwenderzahlen und der Unterstützung durch Hersteller abhängen.
Zum Schluss nennt die Roadmap doch noch einige für die Zukunft geplante Features, darunter IPv6-Tauglichkeit, eingebautes Multithreading sowie Unterstützung für die Architekturen ARMv8 und POWER8.




