Seit gestern ist es offiziell: Das Limux-Projekt in München ist fertig und geht in den Regelbetrieb über. Die Linux-Umstellung der 15.000 Arbeitsplätze von proprietären Systemen auf das flexiblere, lizenzkostenfreie und strategisch besser geeignete Betriebssystem samt Office-Software ist abgeschlossen. Das präsentierten die Verantwortlichen am Mittwoch im IT-Ausschuss dem Münchner Stadtrat.
Wie die aktuelle Ausgabe der Münchner Rathausumschau (auf Seite 4 und 5) und das Blog des Limux-Projekts heute vermelden, konnte das größte deutsche Migrationsprojekt erfolgreich abgeschlossen worden und geht mit sofortiger Wirkung in den Regelbetrieb über.

Limux-Projektleiter Peter Hofmann und Münchens Bürgermeisterin Christine Strobl bei der Abnahme. (Quelle: M. Kosowksy, LHM)
“Auf dem LiMux-Arbeitsplatz mit quelloffener Software zu arbeiten, ist für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung längst zur täglichen Routine geworden.”, schreiben die Verantwortlichen.
Langer Weg, harte Bandagen
Seit 2003 hatten die Archtitekten, Entwickler und Admins mit Schwierigkeiten, politischen Widerständen und Einflussnahme von Konkurrenzfirmen wie Microsoft zu kämpfen (bis zu persönlichen Besuchen von Gates und Ballmer oder fragwürdigen Studien), doch am Ende setzte sich auch dank der Beharrlichkeit des “Desktop Number One” (der des Münchner OB Ude) die Unabhängigkeit und die freie Software durch. Am 11. Oktober 2013 bescheinigte zuletzt Bürgermeisterin Christine Strobl den Projektverantwortlichen die erfolgreiche Umsetzung, als sie die Endabnahme des Projektes unterzeichnete.
Projektziele teils weit übertroffen
Die Stadt München ist ebenfalls stolz auf das Ergebnis und betont, dass man getreu der Open-Source-Leitlinien entwickelte Software auch der Community zur Verfügung gestellt habe:
“Alle Projektziele konnten erreicht und teils sogar übertroffen werden. So sind derzeit über 14.800 LiMux-Arbeitsplätze in der Münchner Stadtverwaltung eingerichtet. […] Trotz der Umstellung mehrerer Tausend PC-Arbeitsplätze blieb die Stadtverwaltung stets arbeitsfähig. Außerdem entwickelten die IT-Fachleute im Rahmen des Projekts das stadtweite Formularverwaltungssystem „WollMux“, das sogar als freie Software veröffentlicht und an
Kommunen, Firmen und Privatleute weitergegeben wurde.” (Quelle: Rathausumschau, S 5))
Als nächstes steht nun die Groupware-Migration (“MigMak“) an, hier ist wohl innerhalb der nächsten Wochen mit einer Entscheidung seitens der Stadt zu rechnen. Mehr Details und jede Menge Zahlen zur Migration finden sich in der Vorlage des IT-Ausschusses im Rathausinformationssystem der Stadt München.




Was man bei der Kostendiskussion nicht vergessen darf:Der Großteil der Projektkosten waren Kosten, die durch organisationelle Änderungen entstanden sind. Das war im Prinzip ein großes Change-Projekt der Verwaltung und nicht “nur” die Migration von Windows NT auf Linux.Dann stelle ich auch immer die Frage, ob die technischen Kosten einer Migration nicht auch eher dem Altprodukt (hier also Windows NT) anzulasten sind. Denn die entstehen ja, weil man da nicht so einfach von wegkommt.
@ Robert Sander:Kann man so oder so sehen. Wenn man von Linux auf ein anderes System wechselt fallen aber auch Kosten an. Wären die dann Linux zuzuschreiben?Ich denke, solche Kosten liegen in der Natur der Sache und fallen in jedem Fall an.GrußFelix
Besonders interessant hierbei finde ich, dass aus sowas neue Open Source Projekte entstehen und die Allgemeinheit davon profitiert. Also für mich sinnig eingesetzte Steuergelder.