Microsoft und Novell weiten Zusammenarbeit aus

Zum Jahrestag ihrer aufsehenerregenden Vereinbarung verkünden Microsoft und Novell weitergehende Pläne zur Zusammenarbeit und nennen zahlreiche Neukunden.

Die beiden Unternehmen wollen die technische Zusammenarbeit ausbauen mit dem Ziel, das Zusammenwirken der Betriebssysteme Windows und Linux für körperbehinderte Anwender zu verbessern. Für Projekte, die an barrierefreien Anwendungen arbeiten, will Microsoft die Spezifikation seiner Bedieneroberfläche zugänglich machen, die so genannte User Interface Automation (UIA). Gleichzeitig verspricht der Konzern sowohl Open-Source- wie auch proprietären Entwicklern Schutz vor rechtlicher Verfolgung, wenn diese die Spezifikation zu diesen Zwecken nutzen. Für die UIA will Novell einen plattformübergreifenden Adapter entwickeln, der mit dem Linux Accessibility Toolkit zusammenarbeitet. Es handelt sich hier um ein Projekt zur barrierefreien Computernutzung, das in verschiedenen Linux-Distributionen wie Suse Linux, Red Hat Enterprise Linux oder Ubuntu genutzt wird.

Als Beleg für den Erfolg der bisherigen Zusammenarbeit nennen Microsoft und Novell in ihrer gemeinsamen Erklärung außerdem dreißig Neukunden. In den letzten drei Monaten hätten diese von Microsoft jeweils Drei-Jahres-Supportverträge gekauft, gültig für den Suse Linux Enterprise Server, die Unternehmensvariante des Betriebssystems von Novell. Unter diesen jüngsten Verkaufserfolgen werden die Stadt Los Angeles und die Fluggesellschaft South West Airlines genannt, aber auch BMW und Siemens sind schon unter den Kunden. Damit soll die Gesamtzahl derartiger Aufträge nun bei rund 60 liegen. Insbesondere der Verkauf dieser Supportverträge wurde in der überarbeiteten Open-Source-Lizenz GPLv3 mit einer eigenen Klausel adressiert. Die Macher der Lizenz sind der Meinung, dass die Regelungen der GPL v3 in dem Moment auch für Microsoft gelten, wenn das Unternehmen Software verkauft, die danach lizensiert wurde. Microsoft bestreitet dies und hat sich in einem offenen Brief vorsorglich davon distanziert. Dies wiederum hielt Novell nicht davon ab, die GPLv3 einzusetzen).

Zu den rechtlichen Bedenken beim Verkauf der Supportverträge äußern sich die Unternehmen in den aktuellen Erklärungen nicht, und auch die jüngsten Verbalattacken von Microsoft-Chef Steve Ballmer gegen Linux-Anwender bleiben unerwähnt. Stattdessen flankiert Novell die Meldung mit weiterer Werbung für die Kooperation: In dem aktuellen Rundbrief an die Novell-Partner in EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) verweist das Unternehmen auf sein neues Schutzprogramm für IP (“Intellectual Property”) mit dem Titel Technology Assurance Program und bezeichnet dies als “eines der branchenführenden Angebote zum Thema IP-Schutz”. Novell versichert seinen Partnern: “Bei Patentverletzungen sind Ihre Kunden im Rahmen des Novell Technology Assurance Program mit dem Novell Patentportfolio, einem Patentabkommen von Microsoft sowie Novells Eigentum am Unix-Urheberrecht geschützt.” Auch eine gemeinsame Präsentation von Microsoft und Novell für Kundenwerbung ist hier zu finden.

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