Wettbewerbswidriges Verhalten und fortgesetzte Angriffe auf Freie Software – mit diesen Vorwürfen an Microsoft reagiert die Free Software Foundation acht Wochen nach der Microsoft-Pauschalabsage an die GPL v3.
Kurz nachdem die Free Software Foundation (FSF) die GNU General Public License (GPL) in ihrer dritten Version veröffentlicht hatte, distanzierte sich Microsoft hiervonAnfang Juli in einer öffentlichen Erklärung. Hiermit wollte sich der Konzern vorsorglich von allen Verpflichtungen zur GPL v3 freisprechen. Nach fast zwei Monaten Stille nimmt die FSF mit den Fehdehandschuh wieder auf. “Microsoft kann sich nicht selbst als von der GPL v3 befreit erklären”, sagt der Verein in einer Presserklärung am 28. August.
Dreh- und Angelpunkt ist wieder der Vertrag zwischen Microsoft und Novell aus dem November 2006. Insbesondere kritisiert wird die “diskriminierende Vereinbarung”, nach der Kunden von Novells Suse-Linux-Distribution nicht wegen Patentverletzung verfolgt werden sollten. Damit habe Microsoft gehofft, dass unsichere Kunden den bevorzugten Distributor bezahlen würden, um rechtlichen Angriffen zu entgehen. Dies nimmt die FSF als Beleg dafür, dass Microsoft letztlich die Umwidmung von freier zu proprietärer Freier Software zum Ziel habe. Der Verein sieht den Konzerns systematisch handeln: “Obwohl der Zeitpunkt des Vertrags und die Details eine Überraschung waren, war dies kein isoliertes Ereignis”, so die FSF. Vielmehr sei das Teil eines wettbewerbswidrigen Verhaltens und fortgesetzter Angriffe auf Freie Software über Jahre hinweg.
Um dem zu begegnen, hatte die Free Software Foundation die dritte Version der GNU General Public License nochmals überarbeitet. Ein zusätzlicher Passus sollte Microsoft an die Regelungen der GPL v3 binden, sobald ein Kunde über einen Microsoft-Vertreter Software erhält, die unter der GPL v3 veröffentlicht ist. Der Verein betont, dass er darauf achten werde, dass Microsoft die Urheberrechte und die Lizenzbedingungen der GPL v3 und seiner Lizenznehmer einhält.



