Für den 1. und 2. Februar 2018 luden die Bremer Linux-Distributionsmacher von Univention Software-Lieferanten, Kunden und Bildungsspezialisten zu einem Jahrestreffen. Dass sich deutlich mehr Publikum als gedacht einstellte, lag wohl an den angekündigten Themen, die weit über den Tellerand der hauseigenen Distributionen hinausreichten. Nun sind nicht nur die an der Weser verwendeten Vortragsfolien online, sondern auch einiges sehens- und hörenswertes Videomaterial.
Die größte Strahlkraft erzeugte offenbar gleich eingangs die Keynote von Univention-Chef Peter Ganten. Fast jeder der Vortragenden an den zwei Tagen bezog sich auf die eine oder andere Passage des Auftaktgebers. Der erlag nicht der Versuchung, sein Rederecht als Gastgeber primär darauf zu verwenden, das hauseigene Produkt UCS in ein günstiges Licht zu stellen, sondern beschrieb unter dem Motto „Reclaim your Identities“ eine Gefahr, welche sich im Zuge des Cloud Computing aus dem Sammeln von Daten, neu entstehenden Prozessen und verdeckt arbeitenden Algorithmen entsteht. Ganten warnt: “Selbst, wenn eine Organisation auf alle von ihren Mitgliedern in solchen Systemen generierten Daten frei zugreifen könnte, was sie niemals kann: Sie könnte die Algorithmen und Prozesse, mit denen diese genutzt werden, nicht prüfen, nicht verstehen und auch nicht ändern.” Ganten, der zugleich Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance ist, nennt solche Konstrukte “KI-Silos”, sieht sie als “Schwarze Löcher” und prognostiziert, dass von den Gärprodukten dieser Silos abhängige Kunden bald “ausgesaugt” würden. Als einzige Gegenmaßnahme sieht er, dass Organisationen künftig eigene Identitätsmanagementsysteme abseits der KI-Silos betreiben.
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Auf der Veranstalter-Site liegen nun Videos, Präsentationen und Folien vieler der Sprecher auf dem Univention Summit 2018 frei zugänglich vor. Ein auffallend großer Anteil der Vortragenden und auch der Zuhörer gehört dem Bildungssektor an. Univention engagiert sich hier seit langer Zeit mit einer Spezialdistribution, die mittlerweile Bildungsträger im großen Maßstab einsetzen. Wer ohne konkreten Auftrag und Fragen in die Stadt von Esel, Hund, Katze und Hahn gereist war, konnte sich von den Dissonanzen zweier Univention-Partner unterhalten lassen: Owncloud und Nextcloud, die beide beim Summit ihre Kompetenzen und Dienste in Szene setzten. Bemüht, den jeweils anderen nicht beim Namen zu nennen, füllte die Rivalität der Scheidungswaisen gleichwohl manchen Raum. So beschrieb Frank Karlitschek von Nextcloud das serverbasierte Datei-Sharing – also die Ownloud-Schlüsseltechnik – als unzureichend und gestrig und demonstrierte geräte- und ortunabhängige, kollaborative Dateibearbeitung mit der neuesten Nextcloud-Version. Auch die Betonung, dass seine Software uneingeschränkt unter einer freien Lizenz verfügbar sei und jeder seine eigene Nextcloud betreiben könne, war schwerlich als allgemeine Bemerkung zu werten. Univentions Jahrestreffen – oft sind sie eine Reise wert.






