Linuxcon Europe: Private oder Public Cloud?

Zum Auftakt der Linuxcon Europe in Barcelona haben der Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth und der Evernote-CTO Dave Engberg unterschiedliche Sichtweisen des Cloud Computing dargestellt.

Jim Zemlin, CEO des Veranstalters Linux Foundation konnte zu Beginn der Linuxcon 25 Prozent mehr Besucher begrüßen als im Vorjahr in Prag. Zudem vermeldete er einige neue Mitglieder der Foundation wie Dreamhost und Cloud Sigma, um anschließend an Mark Shuttleworth zu übergeben.

Der Ubuntu-Gründer stellte das Anwendererlebnis, die User Experience, in den Vordergrund seines Vortrags. Sie sei beim Cloud Computing genauso wichtig wie auf dem Desktop oder Mobilgeräten. Cluster sollten leicht zu konfigurieren, schnell zu deployen und einfach zu betreiben sein. In dieser Hinsicht lobte er Ubuntu, das sich stark beim Framework Open Stack engagiert und es bereits in der Standardinstallation unterstützt. Canonical bemühe sich, Ubuntu-Images für alle Cloud-Provider anzubieten.

Zudem spiele das hauseigene Konfigurationstool Juju ein wichtige Rolle. Dessen fertige Konfigurationen, Charms genannt, seien Open-Source-typisch durch Crowd-Sourcing entstanden. Mehrere hundert stünden bereits jedermann zur Verfügung. Daneben zeigte er das neue Web-GUI für Juju, mit dem sich Charms leicht grafisch vernetzen ließen. Entwickler kämen damit rasch zu einem einsatzbereiten System mit Datenbank und Webframework nach Wunsch, ob auf dem Entwickler-Laptop oder einem Cloud-Dienst.

Alles in allem könne Cloud Computing Entwickler und Admins etwa zehn Mal so produktiv machen wie der herkömmliche Rechenzentrumsbetrieb. Auch der Einsatz von Smartphones verlange immer mehr, dass die Workloads der Apps serverseitig verarbeitet werden, und das lasse sich in der Cloud rasch umsetzen.

Einen anderen Schwerpunkt setzte Dave Engberg, CTO bei Evernote, Anbieter eines Online-Notiz-Dienstes. Im Kontrast zu Shuttleworths Visionen berichtet er aus dem operativen IT-Geschäft seines Unternehmens. Es verwaltet derzeit über 33 Millionen Mitgliederkonten.

Dabei setzt Evernote jedoch nicht auf einen der großen Cloud-Anbieter wie Amazon oder Hewlett-Packard. Die Firma betreibt 400 bis 500 eigene Linux-Server in einem Rechenzentrum in Kalifornien. Engberg legt die Gründe für dieses Vorgehen nachvollziehbar dar. Die Public Cloud eigne sich gut dazu, vorübergehende Auslastungsspitzen abzufangen. Diese träten im Evernote-Betrieb jedoch nicht auf, lediglich neue software-Releases liefere man über AWS aus.

Beim täglich Betrieb setzt Evernote auf Debian stable, Xen und DRBD, was Engberg als konservativ bezeichnet. In Zukunft könnte eine Migration auf Virtualisierung mittels KVM anstehen, fügte er an. Ansonsten sei die Maßgabe, möglichst einfache Konfigurationen mit bewährten Mitteln einzusetzen und keine ausgeklügelten Lösungen zu erfinden: “cleverness is the enemy of stability”. Spitzen treten innerhalb von Evernotes Public Cloud bei den Metadaten-Servern und der Lucene-Suche auf, weshalb dort SSDs zum Einsatz kommen. Die Dateianhänge der Kunden dagegen landen im Bulk Storage, auf Rechnern mit herkömmlichen Festplatten und Apache-WebDAV.

Mit diesem Setup, so rechnete Engberg anhand von Traffic-, Hardware- und Storage-Kosten, fallen bei Evernote nur die Hälfte der Ausgaben an, die die Miete bei einem Cloud-Provider wie Amazon betragen würde. Dabei sind allerdings die Personalkosten nicht berücksichtigt. Das Eingesparte benötigt das Unternehmen für die Personalsuche und die Gehälter der hochqualifizierten Rechenzentrumsmannschaft.

Damit gehe Evernote allerdings einen Sonderweg, räumte Dave Engberg ein – für die meisten Startups sei ein Public-Cloud-Anbieter die beste Lösung, es sei denn es lägen gute Gründe dagegen vor.

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