Zwischen Alan Cox und Nvidias Robert Morell tobt derzeit eine Diskussion auf der Mailingliste, die sich darum dreht, ob Komponenten des DMA-Framebuffers weiter der GPL unterstehen müssen oder – wie es Morell gerne sähe – nicht unbedingt.
Wer der Diskussion zwischen Morell und Cox folgt, zum Beispiel hier, ahnt zunächst nichts Schlimmes. Am 10. Oktober hatte Morell einen Patch vorgeschlagen, der für einen Teil der DMA-Buffer »EXPORT_SYMBOL« anstelle von »EXPORT_SYMBOL_GPL« verwendet. Hintergrund: Beim dynamischen Umschalten zwischen mehreren Grafikkarten braucht der proprietäre Nvidia-Treiber den Zugriff auf den vom Kernel verwalteten DMA-Buffer, da er sich das Videomemory-Fenster mit anderen Grafiktreibern teilen muss. Der Zugriff bleibt Nvidia zurzeit verwehrt, weil der entsprechende Codeabschnitt im Kernel mit »EXPORT_SYMBOL_GPL« markiert ist. Linus Torvalds markiert neuere Teile mit dieser Proprietär-Code-feindlichen Methode, ältere Codebestandteile dagegen unterliegen einer Art Bestandsschutz und lauten auf »EXPORT_SYMBOL«.
Zur Begründung für seinen Vorstoß schreibt Morell, bei DMA-Buf handele es sich eher um ein Treiber- oder Modul-Interface denn um eine interne Struktur. Wenige Stunden später antwortet unter anderem Alan Cox, das sei nicht möglich, weil für solch eine Lizenzänderung alle an der Entwicklung beteiligten Developer (zum Beispiel bei Intel und Red Hat) befragt werden müssten. Nach einigem Hin und Her schlägt Cox Morell vor, die Anwälte Nvidias sollten einfach versuchen, von jedem Contributor eine einzeilige Bestätigung – und eventuell sogar eine Lizenz einzuholen, erst dann würde er den Patch akzeptieren.
Lieber nicht wieder Nvidia programmieren lassen!
Bis dahin habe er aber keine Lust, sich weiter mit der Thematik zu beschäftigen. Nvidia solle seine Schnittstellen sauber und lizenzkonform entwickeln, dann tauchten solche Probleme nicht auf. Cox meinte, er habe besseres zu tun als Nvidia zu verklagen und einen Endkampf ums Linux-Copyright zu veranstalten. Und überhaupt: Wenn Nvidia denke, ihr Code sei abgeleitet, warum spiele die GPL dann überhaupt eine Rolle? Für die Linux-User sei das ohnehin kein Problem, unterstützen die Nouveau-Treiber doch die DMA-buf-Methoden.
Im weiteren Verlauf der anhaltenden Diskussion sprechen sich Entwickler für beide Seiten aus, aus pragmatischen oder auch prinzipiellen Gründen. Alan Cox hat den vorgeschlagenen Patch abgelehnt. Morell versucht derweil die Wogen zu glätten und sucht nach Lösungsansätzen. “Wir wollen niemand den Code stehlen, alles was wir wollen ist Interoperabilität.” Dem stimmen auch manche Entwickler zu, die wie beispielsweise Dave Airlie ironisch konstatieren, man solle hier Nvidia lieber etwas mehr Freiraum lassen, “bevor sie wieder anfangen, selber ihren verrückten Mist [insane shit] zu programmieren!” .





