Am 2. Juli hat Linus Torvalds den nach seiner Aussage recht umfangreichen Kernel 4.12 freigegeben. Neben USB-Typ-C-Support sind zwei neue Terminplaner für Datenzugriffe auf Speichergeräte an Bord und AMDGPU-Code für Vega.
Wer auf einen möglichst effizienten Datendurchsatz für schnelle SSDs aus ist, dürfte sich für den Kyber I/O Scheduler interessieren, wer sich schnellere Antwortzeiten auch von langsameren Datenträgern erhofft, sollte künftig BFQ (Budget Fair Queuing) im Auge behalten. Der letzte basiert auf dem Completely Fair Queuing (CFQ), beide Scheduler machen Gebrauch vom Multiqueuing, das seit Version 4.11 im Kernel steckt.
Der Device-Mapper-Treiber bekommt eine Erweiterung namens “dm_integrity”, um die Integrität verschlüsselter Daten auf Blockdevices zu überprüfen und längerfristig auch zu schützen (Data Integrity Protection). Im Zusammenspiel mit “dm_crypt” sorgt “dm_integrity” für eine authentifizierte Festplattenverschlüsselung.
Auch bei den Dateisystemen gibt es Bewegung. Der Treiber für Ext 4 kommt besser mit sehr großen Dateisystemen zurecht, der Btr-FS-Treiber beseitigt weitere Probleme mit der eigenen Raid-5- und -6-Implementierung. Den Raid-Code stuft das Projekt aber weiterhin als instabil ein. Ebenfalls Raid-Funktionen betreffen die Änderungen am MD-Subsystem: Sie beschleunigen das Wiederherstellen von Raid-5-Systemen und verbessern die Performance von Raid-5- und -6-Verbünden.
Die umfangreichsten Änderungen stammen laut Torvalds allerdings einmal mehr vom AMDGPU-Treiber. Es gibt ersten Code für AMDs neue Vega-Architektur, der zunächst lediglich den Berechnungen auf GPUs dient, nicht der Grafikausgabe. Weitergehender Code soll in späteren Kernelversionen folgen. Zudem unterstützt der Treiber jetzt mehrstufige Pagetables und stellt Partially Resident Textures dar. Spiele-Engines stellen diese hochaufgelösten Texturen nur dann in Echtzeit dar, wenn sie tatsächlich im Blickfeld des Nutzers erscheinen.
Intels Ironlake-Grafikchips erhält Support für das Atomic Modesetting des Kernels, der Nouveau-Treiber spricht nun die 3-D-Beschleunigung auf den GTX-1000er-Grafikchips von Nvidia an. Auch VMwares Grafiktreiber lernt Atomic Modesetting, was die Darstellung von Linux-Gastsystemen beschleunigt. Besitzer eines Raspberry Pi dürfen sich über den erweiterten Grafiktreiber VC4 freuen, darüber hinaus geben die Minirechner jetzt auch Audio per HDMI aus. Nicht zuletzt kommt Linux 4.12 auch mit externen Grafikkarten zurecht, die über einen Thunderbolt-Anschluss laufen.
Daneben bringt Linux 4.12 Unterstützung für USB Typ C in Form einer Portverwaltung mit, welche die korrekte Leistungsaufnahme der jeweiligen Anschlüsse (Sink und Source) bereitstellt. Dazu gibt es einen ersten Low-Level-Treiber für Intels Whiskey-Cove-USB-Chip. Noch nicht vollständig ist hingegen der Support für den Alternate-Modus von USB Typ C, der zum Beispiel den Anschluss von Bildschirmen über Displayport-Verbindungen erlaubt.
Mit der Release des Kernel 4.12 – er steht auf Kernel.org zum Download bereit – öffnet sich zugleich das Merge-Windows für den nächsten Kernel 4.13.




