Italienische Wikipedia macht Ernst und schaltet aus Protest gegen die umstrittene EU-Copyright-Reform ihre Webseiten vorübergehend ab. Morgen soll das Parlament abstimmen.
Anstelle der üblichen Seiten erscheint eine Mitteilung, die sich auf die morgige Abstimmung im europäischen Parlament bezieht. Dort heißt es, dass die neue Copyright-Direktive, sollte sie beschlossen werden, die Offenheit des Internet signifikant beschädigen werde.
Anstatt die Copyright-Gesetze in Europa zu aktualisieren und die Teilnahme aller Bürger an der Informationsgesellschaft zu fördern, bedrohe die Direktive die Online-Freiheit und errichte Hindernisse für Internetnutzer, indem sie Barrieren, Filter und Restriktionen einführe, heißt es in der Mitteilung. Nach den neuen Regeln werde es unmöglich, Artikel in den sozialen Netzwerken zu teilen oder sie auch nur mit Suchmaschinen zu finden. Die Wikipedia selbst wäre in Gefahr.
IT-Prominenz auf den Barrikaden
Nicht nur die italienische Wikipedia protestiert gegen die geplante Direktive. Auch Jimmy Wales, einer der Wikipedia-Gründer, wandte sich zusammen mit vielen anderen prominenten Unterzeichnern bereits Anfang Juni in einem offenen Brief an den Präsidenten des Europäischen Parlaments, um speziell den Artikel 13 der EU-Copyright-Direktive zu stoppen. Sie sehen das offene Internet in Gefahr. Zu den Mitunterzeichnern gehören unter anderem Vincent Cerf (TCP/IP), Tim Berners-Lee (WWW), Bruce Schneier (Security-Experte), Guide van Rossum (Python-Gründer), Mitchell Baker (Mozilla-Vorstand) und Katherine Maher (Wikimedia-Vorstand).
Artikel 13 sieht die umstrittenen Upload-Filter vor, dank denen Plattformen Filter für Dateien einrichten müssen. Abgesehen von vielen offenen technischen Fragen würde die Direktive vor allem Startups und mittelgroße Unternehmen treffen, denn solche Filter einzurichten, wäre mit enormen Aufwand verbunden. Und nicht nur das: Während die (meist amerikanischen) Internetriesen die Filter zähneknirschend installieren könnten, dürften sie Probleme bekommen, die Software in die Lage zu versetzen, sämtliche zu blockierenden Inhalte korrekt zu identifizieren. Am Ende liefe es wohl auf einen Hase- und Igel-Wettbewerb mit findigen Uploadern hinaus.
Wahrscheinlicher ist, dass die geplanten Filter einige Kollateralschäden anrichten und legitime Inhalte von den großen Plattformen ausschließen. Für die Nutzer zeigt sich immer wieder, dass sich solche Irrtümer im Nachhinein nur schwer zu korrigieren sind. Ein Grund dafür ist, dass solche Plattformen meist auf automatisierte Systeme, Foren und vorgefertigte Hilfeseiten setzen.


