Auf der International Supercomputing Conference 07, die derzeit in Dresden stattfindet, wurde die neue Top-500-Rangliste der leistungsstärksten Computer präsentiert. Daneben stellen die Teilnehmer neue Technologien und Anwendungen für das Hochleistungsrechnen vor.
Stolze 50 bis 70 Milionen Euro kostet ein Windkanal und manch betuchtes Formel-I-Team leistet sich gleich zwei davon: Denn nachdem Reifen und Motoren in dieser Motorsportklasse weitgehend reglementiert wurden, gewann die Aerodynamik als Erfolgsfaktor zunehmend an Bedeutung. Immer öfter aber erweist sich nicht im Luftstrom, wie sich ein neues Bauteil auf das Fahrverhalten des Rennboliden auswirkt, sondern im Rechner, in einem Supercomputer genauer gesagt. Mehr als 12,5 Teraflops verwendet beispielsweise BMW-Sauber darauf, um mittels Strömunsgberechnungen (Computational Fluid Dynamics, CFD) den Einfluss eines leicht veränderten Kühlerteils auf Motortemperatur und Anpressdruck oder die Auswirkungen der Kraftstoffbewegung im Tank bei Kurvenfahrten zu simulieren.
Das Beispiel entstammt einer der mehr als 150 Sessions der International Supercomputing Conference (ISC) 07, zu der sich diese Woche mehr als 1000 Experten für Hochleistungsrechnen (High Perfomance Computing, HPC) aus 44 Ländern in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden versammelten. Das Themenspektrum des bedeutendsten europäischen HPC-Events reicht von der Wettervorhersage und Klimaforschung über Bioinformatik und Astrophysik bis zu Applikationen im Flugzeugbau, von Risikoanalysen im Finanzbereich bis zur Materialforschung.
Der Kreis der Anwendungen wächst ständig, nicht zuletzt, weil die Preise beständig sinken. Musste man noch 1997 für eine Million Rechenoperationen in der Sekunde 50 Dollar berappen, sind es heute zehn Cent. Zudem steigt die Rechenleistung kontinuierlich. Interpoliert man die Entwicklung der letzten Jahre, kann man das erste System mit einer Leistung von mehr als einem Petaflop bis Ende 2008 erwarten.
Die aktuellste Statistik der 500 schnellsten Rechner der Welt wurde ebenfalls auf der Konferenz präsentiert. Nach wie vor dominiert IBM mit dem Spitzenreiter (280,6 Teraflops) und drei weiteren Blue-Gene-Systemen unter den ersten Zehn. Das derzeit schnellste europäische System ist der Supercomputer Mare Nostrum in Barcelona (62,63 Teraflops), gefolgt vom Rechner des Münchner Leibniz-Rechenzentrums auf Platz 10. Allerdings war auch die Änderungsquote noch nie so hoch wie heute: Gleich 284 Systeme wurden in der 29ten Ausgabe der Liste von ihren Nachfolgern verdrängt.
Die Herstellerrangliste führt Hewlett-Packard (40,6 Prozent der Top-500-Rechner) an. Das Unternehmen kann jedoch anders als der Zweitplazierte IBM (38,4 Prozent) auf keinen Rechner unter den Top-10 verweisen. Bei den Betriebssystemen behauptet Linux mit Abstand die Spitzenposition.
Zu den intensiv diskutierten technischen Trends im HPC-Umfeld gehörte die Entwicklung von CPUs mit immer mehr, dafür möglicherweise abgespeckten Rechenkernen (Cores), die demnächst zu erwartende 45-Nanometer-Technologie in der Chipherstellung und 100-GBit-Ethernet. Als Highlight einer konferenzbegleitenden Ausstellung zeigte die Firma Sun ihr neues “Black Box”-Projekt, ein mobiles Rechenzentrum in einem Industriecontainer, das sich überall in Betrieb nehmen lässt, wo sich entsprechende Kühlwasser- und Stromanschlüsse realisieren lassen. Einsatzmöglichkeiten sollen sich beispielsweise bei Umzug oder Erweiterung bestehender Rechenzentren, als Desaster-Recovery-Reserve oder auch im militärischen Bereich ergeben.




