Hinter den Kulissen: Machtkampf Anthropic vs. Regierung geht weiter

(C) unter Verwendung eines Motivs von Andrei Suslov / 123RF.com

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Nach der Kennzeichnung von Anthropic als Lieferkettenrisiko in den USA – einmalig für ein inländisches Unternehmen – geht das Tauziehen hinter den Kulissen weiter.

Anthropic war in diese Lage geraten, weil es weiter zu seinen ethischen Prinzipien stand, die es verbieten, seine KI für Massenüberwachung in den USA oder vollautonome Waffen einzusetzen. Das Pentagon hatte verlangt, Anthropics LLM Claude ohne jede Beschränkung nutzen zu dürfen (“all-lawful use”). Mitbewerber hatten weniger moralische Bedenken, und so schloss OpenAI anstelle von Anthropic jetzt einen Vertrag mit dem Kriegsministerium ab.

Daraufhin hatten zunächst zahlreiche Anwender mit den Füßen abgestimmt und waren von ChatGPT zu Anthropic gewechselt, dessen App in Folge zweitweise den Spitzenplatz in der Rangliste des Apple Stores einnahm. Außerdem bemühen sich wohl namhafte Investoren von Anthropic um eine Rücknahme des Banns, denn die Bewertung als Risiko lässt nicht nur Rüstungsunternehmen von einer Nutzung zurückschrecken und gefährdet damit das Geschäftsmodell von Anthropic, das stark auf Business-Kunden setzt. Der Branchenverband Information Technology Industry Council (ITI) äußert unüberhörbar Bedenken gegen das Vorhaben der US-Regierung, einen nationalen Wettbewerber innerhalb von sechs Monaten aus Ministerien und Behörden zu verbannen. Man fürchtet einen Präzedenzfall. Schließlich soll auch Dario Amodei, Anthropics CEO, dem Vernehmen nach wieder mit Emil Michael, dem Technikchef des Ministeriums, verhandeln.

Desungeachtet zeigt sich Amodei weiter kämpferisch. In einem internen Memo bezeichnet er das Gebaren von OpenAI  bei dessen Zusammenarbeit mit dem Pentagon als “Sicherheitstheater”. Dessen Filter seien im militärischen Kontext weitgehend nutzlos. Weiter schrieb der Chef von Anthropic, das sich mit Huldigungen und Spenden an Trump in der Vergangenheit zurückgehalten hatte: “Die wahren Gründe, warum das Verteidigungsministerium und die Trump-Regierung uns nicht mögen sind, dass wir nicht an Trump gespendet haben und wir Trump kein Lob im Diktatoren-Stil gezollt haben.”

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