Hans Reiser, Erfinder des nach ihm benannten Dateisystems, der seit 2008 eine 15-jährige Gefängnisstrafe verbüßt, möchte eine Neuauflage seines Verfahrens erwirken.
Der Amerikaner, hatte 2008 gestanden, seine russischstämmige Frau Nina ermordet zu haben (wir berichteten), und führte wenige Monate danach die Polizei zur Leiche des bis dahin vermissten Opfers. Nun sieht er sich als Opfer einer Verschwörung (“hive mind”) des amerikanischen Gerichts, seines Anwalts und diverser Zeugen. Alle Beteiligten, von der Polizei über die Richter und das ganze juristische System unterlägen einem Geisteszustand, der seine Verurteilung praktisch erzwungen hätte, zitiert die Zeitschrift Wired aus Reisers 117 Seiten langer, handschriftlichen Eingabe. Sie liegt dem amerikanischen Magazin als PDF-Dokument vor und beinhaltet auch den Vorwurf Reisers an seinen Verteidiger DuBois, ihn zur Aussage gezwungen zu haben. Das wiederum bestreitet DuBois in einem Wired-Telefoninterview und glaubt: “Wahrscheinlich kann er der Wahrheit nicht mehr ins Gesicht sehen und versucht die Last jetzt auf andere abzuwälzen. Niemand hat ihn gezwungen.”
In seiner Aussage hatte Reiser behauptet, seine Frau sei ohne sich zu verabschieden in ihre russische Heimat zurückgekehrt. Verurteilt wurde Reiser durch Indizien (zum Beispiel ein entfernter Autositz, Blutspuren, Müllsäcke und Bücher über “den perfekten Mord” im Fahrzeug) und die Aussagen von mehr als 60 Zeugen.
Um den “Murder in the first degree” mit einer drohenden Todesstrafe abzuwenden, führte der Entwickler wenig später die Polizei zur Leiche seiner Frau und erhielt im Gegenzug eine auf 15 Jahre verringerte Haftstrafe (wir berichteten). Die Chancen auf ein neues Verfahren für Reiser stehen aber laut Wired schlecht.



