Das EU-Projekt OSOR hat eine Fallstudie über die Migration der Steuerverwaltung Niedersachsen vorgelegt. Im Sommer 2006 wechselte die Behörde innerhalb von sieben Monaten mit 14.000 Desktops von Solaris 8 zu Suse Professionell 9.2.
Die Motivation für die Migration lag laut der Studie darin, in Zukunft handelsübliche Hardware und aktuelle Software einsetzen zu können. Beide Vorhaben bereiteten Probleme mit dem Solaris-System.
Insgesamt kostete die Migration rund 4,5 Millionen Euro. Für externe Dienstleister bezifferte die EDV-Abteilung die Kosten auf 300.000 bis 500.000 Euro. Den größten Anteil daran verschlang die Anpassung des Betriebssystems an die spezifischen Bedürfnisse der Einrichtung. Die Kosten für Schulungspersonal beliefen sich auf rund 750.000 Euro und für die zu schulenden Mitarbeiter auf etwa 3,5 Millionen Euro. Von der EDV-Abteilung hatten von 180 Mitarbeitern zwischen 30 und 40 mit der Migration zu tun, aber nur eine Kerngruppe von 10 Leuten beschäftigte sich kontinuierlich mit der Anpassung des Systems und der Applikationen (KDE, Office, Mail). Weitere 3 bis 15 Personen adaptierten spezifische Software.
Auf der Einsparungsseite stehen Lizenzgebühren für Solaris in Höhe von rund sieben Millionen Euro pro Jahr. Im Jahr 2003 waren 500 Euro pro Arbeitsplatz und Jahr für das alte Betriebssystem fällig, heißt es in der Studie. Auf langfristige Support-Verträge hat die Behörde nun verzichtet. Probleme sollen in Zukunft die EDV-Abteilung oder kurzfristig konsultierte Dienstleister lösen. Als Einsparung betrachtet der verantwortliche EDV-Projektleiter der Behörde außerdem die größere Auswahl an Hardware und Software, weil daraus günstigere Alternativen erwachsen.
Die Studie betont, dass die Mitarbeiterschulung mit am wichtigsten ist. Auch das Konzept mit Trainern aus den Reihen der Nutzer habe sich ausgezahlt, heißt es. Freiwillige wendeten 30 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit für ihr eigenes Training auf. Ihr Wissen gaben sie dann an ihre Kollegen weiter. Das Migrationsteam stellte das System nur schrittweise um, so dass die Rechner in kleineren Gruppen migriert wurden.
Auf den Webseiten des OSOR-Projekts kann die Studie heruntergeladen werden. Das OSOR (Open Source Observatory and Repository) gehört zum IDABC-Projekt der Europäischen Kommission, das unter anderem das öffentliche Engagement im IT-Bereich für Behörden, Firmen und Bürger zugänglich macht.



