Das Debian-Projekt hat einmal mehr über den Einsatz von Systemd abgestimmt. Die Entwickler halten an dem komplexen Init-System fest, wollen aber Alternativen erforschen.
Es ist kein Sieg auf ganzer Linie für Systemd, denn das wäre laut der Abstimmung (General Resolution) die Option 1 gewesen: “Focus on Systemd”. Stattdessen hat Option 2 gewonnen, die auch die Suche nach Systemd-Alternativen unterstützt (“Systemd but we support exploring alternatives”). Doch weder betrachten die Debianer den Support für mehrere Init-Systeme als “wichtig”, noch als “zwingend erforderlich”.
Die erste Abstimmung zu Systemd hatte sich 2014 als mehrteiliges Drama mit einigen Rücktritten vollzogen. Grund für die erneute Abstimmung war eine Feststellung, laut der “systemd-shim” und “sysvinit” zu wenig Pflege erhalten. Beide Pakete sind nötig, um alternative Init-Systeme mit Debian zu verwenden. Das aber fällt dem Projekt offenbar schwer, obwohl es zugleich einige Kritiker am alleinigen Systemd-Support gibt.
Alternative Init-Systeme
Sam Hartman entschied schließlich, eine General Resolution ins Leben zu rufen, um unter anderem die Aufnahme von Elogind abzusichern. Dieser Systemd-Logind-Daemon unterstützt den Dbus-basierten Login-Mechanismus von Systemd, aber nicht den Rest des Systems. Die Implementierung erwies sich allerdings als schwierig genug, um den Support für Nicht-Systemd-Systeme an sich in Frage zu stellen.
Die nun gewählte Option stammt vom aktuellen Projektleiter Sam Hartman selbst. Sie bestätigt einen vom Projekt bevorzugten Support für Systemds Service-Units, ohne aber die Arbeit an alternativen Init-Systemen abzuwerten. Das Debian-Projekt unterstütze auch Entwickler, die an solchen Alternativen arbeiten. Allerdings müssen die Interessierten dann selbst an den Paketen und dem Code feilen und die dafür benötigten Ressourcen aufbringen. Das Projekt und seine Mitglieder können solche Anstrengungen aber mit Patches und Diskussionen unterstützen. Außerdem will Debian auch mit Derivaten zusammenarbeiten, die alternative Init-Systeme bevorzugen.





Hat das Debian-Projekt doch zu viele User an die Alternativen verloren oder wie darf ich das jetzt deuten?