Jira, Bitbucket, Confluence: Auch Firmen, die viel mit Open-Source-Software arbeiten, setzen häufig eines der proprietären Produkte von Atlassian ein. Das Unternehmen verbindet geschickt Open-Source-Ideen mit klassischer Closed-Source-Entwicklung.
Aus Sicht von Open-Source-Anbietern bewegen sich die Macher von Jira, Confluence und Bitbucket in einer Zwischenwelt. Zwar sind die Produkte von Atlassian im überwiegenden Fall proprietär, doch selbst Firmen mit Open-Source-Hintergrund setzen sie nicht selten ein (für Open-Source-Projekte sind sie zudem frei verfügbar). Das Rezept der Australier: Sie integrieren geschickt Ideen aus der Open-Source-Entwicklung in die Firmenpolitik. Das ließ sich auch auf dem Atlassian Summit 2017 in Barcelona beobachten, den rund 1800 Atlassian-Mitarbeiter, -Nutzer und -Kunden besuchten.
Ein Beispiel ist das Ökosystem. Anstatt externen Entwicklern Steine in den Weg zu legen, wie es einige traditionelle Unternehmen tun, ermuntert Atlassian sie, nach dem Vorbild von Googles Android, zum eigenen Ökosystem beizutragen und so Geld zu verdienen. Dementsprechend tummelten sich in der Ausstellungshalle zahlreiche Anbieter von Erweiterungen. Daneben lässt sich die Entwicklung der Atlassian-Tools online beeinflussen und verfolgen, es gibt öffentliche Bugtracker. Doch wie auch bei Open-Source-Projekten beheben Atlassians Entwickler nicht alle Bugs automatisch. Auf Wunsch erhalten zahlende Kunden jedoch den Quellcode für einige der Produkte. Änderungen dürfen sie dann aber nur lokal anbringen.
Davon rät Bryan Rollins, der sich bei Atlassian um die Server- und Datacenter-Angebote kümmert, allerdings ab. Der so veränderte Code lasse sich nur schwer warten, er empfiehlt, auf Add-ons und Erweiterungen zu setzen. Von denen gibt es mittlerweile einige. Um die 3000 Apps warten mittlerweile im Marketplace, der seinen Umsatz gegenüber dem letzten Jahr von 150 Millionen auf 250 Millionen US-Dollar steigerte.
Die Flexibilität hat aber ihren Preis: Wer viele Plugins und Erweiterungen einsetzt, muss bei Updates sicherstellen, dass alle mit der Hauptversion von Jira, Bitbucket oder Confluence mitziehen. Da es sich um Bezahl-Add-ons handelt, aktualisieren Entwickler ihre Add-ons vermutlich häufiger, als es bei Open-Source-Projekten der Fall ist. Stellt ein Add-on aber dennoch den Dienst ein, muss ein Unternehmen womöglich ein Workaround finden oder externe Atlassian-Experten damit beauftragen, den Code selbst zu aktualisieren.
In der Cloud
Nutzer der Cloud-Version haben es insofern gut, dass sie sich nicht weiter um Updates kümmern müssen. Das scheint als schlagendes Argument zu ziehen, denn immerhin entscheiden sich laut Atlassian 75 Prozent der Neukunden für die Cloud-Variante. Hört man sich auf dem Summit um, bleiben aber nicht alle Nutzer dabei, denn es gibt auch verschiedene Nachteile der Cloud-Variante.
So stehen die Datacenter noch immer in den USA. In Europa ergeben sich auf diese Weise Datenschutzprobleme. Atlassian will mit einem AWS-Datacenter in Irland gegensteuern. Ob dies das Problem behebt, muss sich zeigen. Auch Firmen, die Wert auf ein kontinuierliches Benutzererlebnis für ihre Software haben, wollen nicht in jedem Fall immer die aktuellste Version der Atlassian-Tools nutzen. Denn ändern sich Funktionen oder selbst Elemente der grafischen Oberfläche, bleibt oft kaum Zeit für ein ausreichendes Training der Mitarbeiter. Zudem bietet die Cloud-Variante bislang nur einen Teil der Add-ons der Server- und Datacenter-Versionen an, geschätzt ein Drittel. Nicht zuletzt lassen sich die Cloud-Versionen schwieriger an spezielle Anforderungen anpassen. So sind es am Ende oft kleinere Firmen ohne Datenschutzbedenken, die das Cloud-Angebot wählen oder Einsteiger, die später bei Bedarf auf andere Varianten wechseln.
Auf dem Server
Wer sich für die Server-Variante entscheidet, muss bei Updates selbst Hand anlegen, was ein Nachteil ist. Doch es gibt Hilfe, wie sie etwa die Firma der finnischen Projektmanagerin Kati Komulainen anbietet. Sie rät ihren Kunden zu halbjährlichen Aktualisierungen und empfiehlt die übliche Trennung von Staging und Production, um vor Updates mit den Tools und ihren Erweiterungen ausreichende Tests zu fahren.
Auch das Berliner Startup Babbel, das 500 Mitarbeiter beschäftigt und eine Sprachlern-App anbietet, setzt auf die Server-Variante, mit einem Backup in Amazons Cloud. Vor Upgrades erzeugt die Firma Backups ihres Systems und aktualisiert dann nach und nach die verschiedenen Komponenten. Nach ausführlichen Tests kommen diese dann in produktiven Einsatz, erklären die Babbel-Mitarbeiter Daniel Harper und Klara Sommermann. So sei es in der Vergangenheit vorgekommen, dass Babbel Jira Service Desk nach einem Bug zurück rollen musste.
Was gibts Neues?
Zu Plänen der einzelnen Projekte – und das unterscheidet börsennotierte Unternehmen vermutlich von Open-Source-Projekten – gibt es in den Interviews eher spärliche Informationen. Insofern blieb es der Keynote des Mitgründers Scott Farquhar vorbehalten, die Neuerungen zu verkünden. Seit kurzer Zeit neu an Bord ist Trello, eine Software, die sich Karteikarten zum Vorbild nimmt und es damit Personen und Gruppen leichter machen soll, Listen von Dingen anzulegen und zu verwalten.
Die Angebote für Server, Datacenter und Cloud will Atlassian künftig stärker differenzieren, die Prioritäten in der Entwicklung stärker an den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kunden ausrichten. Neben einigen eher kleineren Änderungen gibt es vor allem im Design eine Neuerung: die Cloud-Produkte erhalten eine Generalüberholung. Sie sollen einfacher zu benutzen sein, ohne an Komplexität zu verlieren. Dafür setzt Atlassian auf ein Drei-Schichten-Design, zugleich soll die globale Suche sinnvollere Ergebnisse liefern und unter anderem kürzlich verwendete Projekte stärker berücksichtigen.
Auch für Hipchat gibt es Updates. Das Chatprogramm unterstützt seit August 2016 auch Video, die dafür eingesetzte Software basiert auf Jitsi (Linux-Magazin berichtete). Unter anderem dürfen sich Gruppen von bis zu 20 Nutzern per Video unterhalten. Neu ist auch, dass es Hipchat nun in einer Datacenter-Variante gibt. Zugleich wollen die Entwickler auch den Einsatz von Bots und KI verstärken, das Projekt befinde sich allerdings noch am Anfang und beschränke sich zunächst hauptsächlich auf Bots für Konversationen.







