Really Fair – Really Simple, Really Fair – Really Unfair: Gleich drei Scheduler werden derzeit auf der Kernel-Mailingliste diskutiert.
Den Anfang des Scheduler-Reigens machte der Entwickler Roman Zippel. Er stellte eine eigene Weiterentwicklung des Completly Fair Schedulers (CFS) vor – den “Really Fair Scheduler”. Dieser wurde von Ingo Molnar unter Mitarbeit vieler anderer Kernel-Entwickler erstellt, unter Ihnen Con Kolivas, der vor kurzem aus der Kernel-Entwicklung ausgeschieden ist.
Zum von Zippel vorgestellten Really Fair Scheduler sagt Molnar, dass dieser einen nächsten Schritt bei der Verbesserung darstelle, die in den Kernel 2.6.24 Einzug halten könnte. Jedoch sei der Patch keine fundamentale Neuerung, da er auf den gleichen mathematischen Grundlagen beruhe und keine Änderung am Verhalten des Schedulers bewirke. Zippel zeigt sich davon überhaupt nicht beeindruckt. Er betont, dass es sich beim Patch noch um einen ersten Prototypen handele, der jedoch schon erste Performance-Verbesserungen bringe. Er habe mit dem Patch beabsichtigt, Änderungen am Algorithmus zu zeigen. Molnar entgegnet darauf, dass es nicht nötig gewesen sei, einen so umfangreichen Patch zu schreiben. Die hauptsächlichen Änderungen hätten auch mit weniger Code und geringerem Aufwand erreicht werden können.
Kurz darauf veröffentlichte Ingo Molnar eine eigene Version von Zippels Patch, die er “The Really Simple Really Fair Scheduler” nennt. Molnar kommentiert auf der Mailingliste, er habe den Patch geschrieben, um das mathematische Prinzip hinter Zippels Konzept besser zu verstehen. Herausgekommen ist eine vereinfachte Version, deren Namen Molnar in Anlehnung an Zippels Patch absichtlich leicht humoristisch gewählt hat. Zippel reagierte mit der Aussage, der nun vorgestellte Patch sei zu stark vereinfacht. Molnar seinerseits begründet dies damit, dass er habe testen wollen, wie sich der Scheduler auf einfache “nice-0-tasks” auswirkt, wie diese in den Schlafmodus geschickt und wieder aufgeweckt würden. Diese Prozesse machen seiner Aussage nach 99 Prozent der Linux-Prozesse aus. Molnar verspricht, sich den Patch noch weiter anzuschauen, er sei jedoch in der nächsten Woche nicht erreichbar.
Der dritte vorgestellte Scheduler “Completely Unfair Scheduling” bezieht sich zwar auch auf den CFS, ist jedoch ein in Phython geschriebener Deamon, der dabei hilft, den I/O-Scheduler und den Prozess-Scheduler automatisch zu optimieren. Das Phython-Skript, das nun schon in der fünften Version vorliegt und eigentlich “Deskopt Daemon” heißt, soll vor allem Spielen und Audio-Anwendungen zu besserer Leistungsfähigkeit verhelfen. Es unterstützt sowohl den “CFS process scheduler” als auch den “CFQ I/O scheduler”, ebenso wie den “anticipatory I/O scheduler” sowie den “deadline I/O scheduler”.
Das Skript verwendet XML-Konfigurationsdateien, die Scheduler-Klassen definieren. Jede dieser Klassen enthält eigene Scheduler-Optimierungen. Zu den Klassen können einzelne oder auch Gruppen von Anwendungen zugeordnet werden. Startet eine der zugewiesenen Anwendungen, optimiert der Daemon automatisch die individuellen Scheduler-Einstellungen für diese.



