All Systems Go! 2019 diskutiert den Linux-Userspace

In Berlin geht morgen mit einem Hackfest die All Systems Go! 2019 zu Ende. Auf der Linux-Userspace-Konferenz trafen sich Entwickler und Nutzer von Containertechnologien, Systemd, Linux-basierten Boot- und Desktop-Technologien.

So den regen Nutzern von Systemd gehört Facebook, das gleich knapp 30 Entwickler zu der Veranstaltung einfliegen ließ. Systemd gehörte zu den Themen, die auch das Social Network interessiert, weil das Init-System dort umfangreich zum Einsatz kommt. Nach anfänglicher Skepsis schicken die Nutzer inzwischen selbst Vorschläge, um Systemd zu ergänzen und zu verbessern, erklärte Entwickler Davide Cavalca.

Facebook pflegt dabei eine angepasste Version und will mit Systemd intern künftig so verfahren, wie mit dem Kernel. Es soll automatisierte Tests geben und Continuous Integration. Aktuell sei der Prozess noch etwas handgemacht, erklärte Cavalca. Er kündigte an, Ende des Jahres einen Unit-Linter für Systemd unter eine Open-Source-Lizenz zu stellen. Dieser werde intern genutzt, um Services auf Fehler zu überprüfen und das Einhalten von Best Practices zu fördern.

Prozesskiller Oomd2

Weiterhin stellten Facebooks Entwickler Oomd2 vor. Das ist der im Userspace agierende Out-of-Memory-Killer von Facebook, der also hängende Prozesse abschießt. Zwar gibt es einen Oom-Killer auch im Linux-Kernel, den aber kritisierte Entwickler Daniel Xu in seinem Talk. Nicht nur sei die umständliche Bedienung ein Problem für alle Entwickler, die mit dem Mechanismus arbeiten wollen. Der Kernel-eigene Killer zeige sich oft träge und es komme vor, dass der Kernel noch fröhlich arbeitet, während der Userspace schon längst nicht mehr ansprechbar sei. Das will Oomd ändern.

Oomd2 bringe nun einige Core-Plugins mit, lasse sich ansonsten aber auch problemlos erweitern. Zudem sei in das Entwickeln der Plugins spezielles Domänenwissen aus dem Memory-Management eingeflossen, das nicht viele Entwickler besitzen, von dem sie nun aber trotzdem indirekt profitieren. Künftig soll Oomd zudem mit Systemd arbeiten: So lässt sich ein Service per Systemd-Automatismus beenden, wenn er zu viele Prozente von einer Ressource konsumiert.

Besseres PID-Management

Entwickler Christian Braun gab Einblicke in die Kernel-Entwicklung. Der Deutsche arbeitet für Canonical und ist dabei, PID File Descriptor in den Kernel zu bringen. Keine Sache, die mit einer Kernel-Version erledigt ist. Er schilderte den Prozess und erklärte, in welchen Fällen “pidfds” helfen. Ihr Einsatz hilft vor allem beim PID-Recycling: Auf hochfrequentierten Systemen gehen dem Kernel irgendwann die PIDs aus. Er sucht dann nach freien PIDs, bietet dabei aber eine Angriffsfläche. Mehrere CVEs verweisen auf potenzielle Gefahren beim PID-Recycling.

Zu den Nutzern der Technologie gehören unter anderem Dbus, das damit die Authentifizierung besser erledigen könnte. Auch Android 11 könnte wohl “pidfds” für den Low Memory Killer Daemon (“lmkd”) einsetzen, ebenso Systemd, um bestimmte Prozesse nachweislich zu killen. Nicht zuletzt lasse sich die Technologie im Containerbereich vorteilhaft einsetzen. Aus diesem kommt auch Brauner, der bei Canonical an LXC gearbeitet hat.

Freedesktop SDK und Buildstream

Mit dem Freedesktop-SDK stellte Valentin David von Codethink zudem eine interessante Neuerung aus dem Packaging-Bereich vor. Die Software soll dabei helfen, eine Applikation einfacher für die Paketverwaltungen Snap und Flatpak sowie für Docker zu paketieren. Freedesktop selbst sei eine kleine Userland-Runtime, die mit Buildstream gebaut wurde. Sie lässt sich über Plugins erweitern, abstrahiert von einer Plattform und muss lediglich die Abhängigkeiten einer Software im Buildprozess kennen. Noch steckt das Freedesktop SDK in den Kinderschuhen, allerdings gibt es für Interessierte bereits Beispiele für Firefox und Transmission.

Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann sich viele Vorträge bereits hier auf Video anschauen. Das Programm lässt sich auf der Webseite nachlesen.

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