Open Source macht blind

Kaum hat Skype angekündigt, ihren VoIP-Client “unter einer Open-Source-Lizenz” freizugeben, überschlagen sich schon wieder alle vor Begeisterung. Open Source ist super, oder etwa nicht? Details sind dann schon nicht mehr so wichtig. Den Benutzern kann man es vermutlich nicht vorwerfen, denn schließlich ist es auch im Sinn der IT-Journalisten, irreführend zu titeln. Zuviel Details schaden nur den Page Impressions. Golem: “Skype veröffentlicht Linux-Client als Open Source”. Besser immerhin ist Heise, da zeigt sich schon der Qualitätsunterschied: “Skype für Linux wird (teilweise) Open Source”. Wofür die Klammern gut sein sollen, weiß ich allerdings auch nicht.

Wer sich den dazu gehörigen Blog-Eintrag des Skype-Entwicklers Berkus ansieht, findet dort ähnlich irreführende Formulierungen: “Yes, there’s an open source version of Linux client being developed.” Zwei Sätze weiter könnte man zwar schon dahinter kommen, worum es eigentlich geht: “Having an open source UI …” An dieser Stelle hatten sich aber die meisten Leser vor lauter Euphorie offensichtlich bereits geistig ausgeklinkt, wie die darunter stehenden Kommentare belegen: “That’s awesome news!”, “When will be open source version for download? …

Um es ganz klar zu sagen: Skype will nicht etwa Kernkomponenten ihrer Telefoniesoftware freigeben, die ihr proprietäres Protokoll implementieren – was nun wirklich eine Meldung wert wäre – sondern nur die GUI-Komponenten. Was daran interessant oder berichtenswert wäre, kann ich jedenfalls nicht erkennen.

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