Mal leidenschaftlich, mal abwägend, in jedem Fall aber akzentuiert wird derzeit eine Debatte um eine strategische Entscheidung von Red Hat geführt. Außerdem: Das Linux-Magazin bittet um Ihre Mithilfe.
Die Wellen schlagen hoch in einer emotionalen Debatte. Die einen sehen die GPL verraten, oder jedenfalls das, was sie für deren Ideal halten: Jeder gibt nach Maßgabe seiner Möglichkeiten, und jeder nimmt sich, was er braucht. Das ist ein wenig wie im Kommunismus, alle kommen auf ihre Kosten und alle sind glücklich. Die andern finden es berechtigt, ganz kapitalistisch die eigene Konkurrenz nicht länger mit Geschenken aufpäppeln zu wollen. So verschieden bewerten Kommentatoren die Tatsache, dass Red Hat die Paketquellen der eigenen Distribution nicht mehr für jedermann öffentlich anbieten will. Damit gräbt das Unternehmen den Herstellern der bekannten Eins-zu-eins-RHEL-Klone – AlmaLinux und Rocky Linux, aber auch Oracle – das Wasser ab.
Juristisch ist das kaum zu beanstanden, darin sind sich alle einig. Die GPL verlangt lediglich, die Quellen gegenüber den Lizenznehmern offenzulegen, nicht gegenüber jedermann. Das Veröffentlichen auf einem frei zugänglichen Server mag lange das Einfachste gewesen sein, es ist aber kein Muss: Red Hat darf es bleiben lassen. Es bleibt das moralische Dilemma: Der Distributor verwendet selbst freie Software im großen Stil, will seinerseits aber die Nutzung eigener Open-Source-Software durch Dritte einschränken.
Das klingt einerseits ungerecht. Doch gibt es andererseits ein Recht darauf, ein Geschäft mit Paketen zu machen, die man selbst lediglich umetikettiert, während andere, die sich auf demselben Markt um dieselben Kunden bemühen, sie entwickeln und pflegen? Auf der einen Seite steht das Ideal der gemeinnützigen Open-Source-Familie, auf der anderen die Wirklichkeit ihrer gewinnorientierten Protagonisten: Die Welt, die man sich wünscht, versus die Welt, wie sie ist.
Mir fällt dabei ein Song eines meiner Lieblingsliedermacher ein, Randy Newman. Er führt darin ein fiktives Zwiegespräch mit Karl Marx, der bei ihm zu Besuch ist. Die Rede kommt auf den Widerspruch zwischen hehrem Ideal und realem Sozialismus. Der Erzähler berichtet, wie er selbst erst vor kurzem Teil einer neuen Familie wurde, mit zwei kleinen Kindern, die die Schule besuchen. Auf einer abendlichen Schulveranstaltung traf er auf viele wunderschöne junge Mütter, herausgeputzt wie Filmstars oder Königinnen. Dazwischen saßen die unansehnlichen, froschgleichen Väter wie er selbst, die nicht zu Prinzen werden, selbst wenn man sie küsst.
Newmans Fazit: Karl, die Welt ist nicht fair. Sie ist es nicht und wird es niemals sein. Marx würde sich im Grabe umdrehen, könnte er sehen, was aus seinen Ideen geworden ist. Newman sei deshalb froh, im Land der Freiheit zu leben, auch wenn da die Reichen immer reicher würden und man die Armen nicht einmal mehr zu sehen braucht: “It would depress us, Karl, because we care, that the world still isn’t fair.”
In eigener Sache
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Jens-Christoph Brendel
Stellv. Chefredakteur








Das greift zu kurz. Was macht RedHat hier genau? RedHat liefert viele der RPM, die sie jetzt nicht mehr weitergeben wollen gar nicht. Diese RPM liefern Dritte, überwiegend Unentgeldlich. Das was RedHat an Oracle, AlmaLinux, Rocky Linux kritisiert und unterbinden möchte, das machen sie selber, bei vielen anderen. Es ist das gleiche wie der Fall node.js in dem ein fundamentales Stück Software ehrenamtlich, unentgeldlich durch einen Programmiert aber dann von vielen genutzt wurde, ohne dem, der es programmierte, wartete und regelmässig Updates veröffentlichte auch nur einen Dank zu schulden – bis der es zurückzog und durch einen Dummy ersetzte. RedHat… Mehr »