Aus Linux-Magazin 11/2022

Editorial LM 11/2022

© Computec Media GmbH

Wer für sich behält, was er sich wünscht, der wird es womöglich gerade deshalb nicht bekommen. Deshalb möchten wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, ermutigen auszusprechen, wie Sie sich das Magazin vorstellen, das wir Ihnen – am besten wunschgemäß – liefern sollen.

Das Leben ist kein Wunschkonzert. Will heißen: Man bekommt nicht immer alles, was man sich ersehnt. Das kann verschiedene Gründe haben: Der Ferrari ist zu teuer, der Traummann oder die Traumfrau sind schon vergeben, das ewige Leben ist eine biologische Unmöglichkeit. Anderes wieder wäre in der Theorie erreichbar, etwa die Strandfigur, wenn nur die Praxis nicht so mühselig wäre. Und wieder anderes erfüllt sich nur deshalb nicht, weil der Wunsch nicht kommuniziert wird. Das ist der bitterste Fall: Es gäbe jemanden, der bereit und in der Lage wäre, auf das Begehren einzugehen – allein, derjenige weiß nichts davon. Der ahnungslose Weihnachtsmann schenkt Socken, weil der Herzenswunsch nicht auf dem Zettel stand.

Soll man sich da überhaupt etwas wünschen? Die einen sagen so, die andern so. “Wie viel du wünschen magst, der Wunsch wird weitergehn, und Glück ist da nur, wo die Wünsche stille stehn.” Das klingt ein wenig nach buddhistischer Bedürfnislosigkeit, stammt aber von dem deutschen Klassiker Friedrich Rückert (immerhin einer der Begründer der deutschen Orientalistik). Für Vertreter der gegenteiligen Meinung gelten die Wünsche als Väter des Gedankens und allgemein als Motivationshilfe. So meint ein Zeitgenosse Rückerts, Friedrich Schiller: “Uns alle bewegt der Wunsch, die Leidenschaft.”

Ich bin mir sicher: Sie bewegt auch etwas, Sie wünschen sich etwas. Und zwar von uns. Nämlich ein Linux-Magazin, das nur Beiträge enthält, die Sie interessieren, die Sie spannend und lehrreich finden, die Sie gern lesen. Womit wir wieder bei obigem Dilemma sind: Um Ihnen diesen Wunsch erfüllen zu können, müssten wir mehr darüber wissen. Wie aber bringen wir das in Erfahrung? Wir könnten raten, wir könnten einen Mentalisten einstellen, der Gedanken liest, oder – die zeitgemäßere Variante – eine KI, die wir mit Daten mästen. Oder wir fragen Sie einfach: Welche Themen hätten Sie gern? Wie tiefschürfend oder leicht verständlich sollen wir sie darstellen? Welcher Beitrag hat Ihnen in der aktuellen Ausgabe am besten gefallen und welcher weniger gut? Wir rufen Sie auf, uns ab sofort zu jeder Ausgabe die Meinung zu sagen, einfach per E-Mail an mailto:redaktion@linux-magazin.de. Nehmen Sie kein Blatt vor den Mund: Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Von Zeit zu Zeit stellen wir Ihre Wünsche auf einer Leserbriefseite zur Diskussion. Als zusätzlichen Anreiz verschenken wir für die hilfreichste Einsendung des Monats ein Buch, das wir in einer der jeweils letzten Ausgaben vorgestellt haben.

Wir versprechen, Ihre Wünsche wahr werden zu lassen. Wenn auch sicherlich nicht alle und nicht in jedem Fall – ein paar Randbedingungen gibt es schon: Die Wunscherfüllung muss für uns machbar sein, ins Konzept des Linux-Magazins passen und einer Mehrheit zugutekommen, zumal da, wo sich womöglich Wünsche widersprechen. Dass es nicht immer klappt, muss jedoch gar kein Beinbruch sein: Manchmal finden Sie sicher auch Gefallen an einem Thema, das Sie gar nicht auf der Liste hatten. Und so intonieren wir für Sie am Ende doch noch eine Art Wunschkonzert.

Jens-Christoph Brendel

Stellv. Chefredakteur

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