DNS, E-Mail, Kommunikation, Datei-Uploads: Auf solche Dienste kann heute kaum noch ein Unternehmen verzichten. Der Univention Corporate Server liefert solche alltäglichen IT-Dienste vorverpackt für KMUs.
Die Aussage, heute sei jede Firma auch ein IT-Unternehmen, führt regelmäßig zu hochgezogenen Augenbrauen. Gestandene Handwerker etwa, die ihr täglich Brot mit Installieren von Heizungen oder Tapezieren und Anstreichen verdienen, wissen mit dem Statement vermutlich nur wenig anzufangen. Ein Körnchen Wahrheit steckt in dem Spruch aber doch: Die Kommunikation mit Lieferanten lässt sich per E-Mail zweifelsohne schneller abwickeln als per Fax. Lagerhaltung klappt digital viel besser als händisch, und der Betrieb, der im Falle eines Falles bestimmte Teile vorrätig hat, bekommt den einen oder anderen Auftrag womöglich bevorzugt. So zahlt sich IT auch da aus, wo sie nicht den Kern des Geschäfts bildet.
Auch im direkten Kontakt mit Kunden bietet die IT Vorteile: Unterschreibt der Kunde die Ausführung von Arbeiten auf einem Tablet, landet das Dokument innerhalb von Sekunden direkt in der Buchhaltung, wo flugs die entsprechende Rechnung entsteht. Das hat nebenbei den Vorteil, dass die Kolleginnen und Kollegen vor Ort sich nicht länger mit einem Wust von Papier herumärgern müssen. All das funktioniert allerdings nur auf der Basis einer entsprechenden IT-Infrastruktur. Zwar ließen sich die besagten Dienste allesamt extern zukaufen, doch dann hätte man bald einen Flickenteppich aus völlig unabhängig voneinander arbeitenden Diensten, die obendrein hohe Kosten verursachen.
Die Realität, gerade im deutschen Mittelstand, ist die: Oft genug gibt es keinen hauptamtlichen, ausgebildeten Admin. Wer sich stattdessen eher aushilfsweise um die Rechner kümmert, dem kommt nun ein besonderes Angebot entgegen, das den Job zu erleichtern verspricht: der Univention Corporate Server [1]. Er will unter einer einfachen Oberfläche die elementaren Funktionen vereinigen, die in den meisten Unternehmen benötigt werden. Dienste wie eine Nextcloud-Instanz, in der unterschriebene PDFs der Kundinnen und Kunden vom Tablet des Kollegen vor Ort landen, lassen sich per Klick aktivieren und sind laut Hersteller von der ersten Sekunde an mit dem Rest des Setups integriert. Klingt gut – aber hält das Produkt, was der Hersteller verspricht?
Fünf Aspekte
Der folgende Artikel beleuchtet den Univention Corporate Server (UCS) im Hinblick auf fünf Kriterien. Zunächst geht es um die Installation: Wenn sich das Produkt auch an weniger versierte IT-Admins richtet – eben die, die IT quasi nebenbei machen –, muss das Einrichten leicht und einfach von der Hand gehen.
Der zweite Aspekt beleuchtet die Features von UCS und die Frage, wie nützlich diese für KMUs tatsächlich sind, was fehlt und wo Verbesserungsbedarf besteht. Freilich darf auch das Thema Sicherheit nicht außen vor bleiben: Gerade weil in KMUs oft keine ausgebufften Security-Experten zur Verfügung stehen, muss die Lösung entsprechende Werkzeuge bieten und ,wo nötig, auch automatisch ausrollen.
Der vierte Aspekt des Tests widmet sich der Erweiterbarkeit der Lösung über Appliances: Hier bietet UCS die Option, per Webinterface einzelne Anwendungen nachzurüsten – doch wie gut klappt das in der Realität? Der fünfte und letzte Aspekt, den dieser Test unter die Lupe nimmt, bezieht sich auf den Preis: Lohnt es sich für Unternehmen, UCS zu verwenden, statt selbst eine Lösung zu basteln?
Die Installation: ungewohnt einfach
Als der Autor dieses Artikels vor über 20 Jahren die ersten Gehversuche in Sachen Linux unternahm, war die Installation eines Systems noch eine Herausforderung. Diese Zeiten sind vorbei: Alle gängigen Distributionen kommen mit einer Installationsroutine daher, die Linux zügig auf die Platte transferiert. Das gilt grundsätzlich auch für Debian GNU/Linux, auf dem UCS basiert.
Univention geht aber einen anderen Weg und setzt nicht auf den Debian-Installer – oder wenigstens ist dieser nicht erkennbar. Um eine möglichst simple Installation zu ermöglichen, schaltet Univention der Debian-Distribution quasi einen zweiten Installer vor. Der fragt nur die ganz wesentlichen Daten ab, wie die Installationssprache und den Standort des Systems, verwendet sonst aber definierte Standards.
Das tut der Sache jedoch keinen Abbruch: Dass jemand auf dem System, auf dem UCS läuft, parallel ein bootbares Windows vorhalten möchte, erscheint nicht sehr wahrscheinlich. Deshalb ist beispielsweise die Annahme, dass UCS die vorhandene Festplatte für sich in Anspruch nehmen darf, grundsätzlich in Ordnung. Wer das System auf einem RAID haben möchte, greift idealerweise zu einer Hardware-basierten Lösung und schiebt dem System gleich ein »/dev/sda« unter, das etwa auf einen Verbund aus zwei Festplatten verweist.
LDAP gehört dazu
Selbst erfahrene ITler schütteln sich gelegentlich, wenn es um das Thema LDAP geht. Zwar ist der Dienst gar nicht so schwer aufzusetzen, doch sein Betrieb bedingt einiges an Überlegung – auch und gerade im Hinblick auf die Frage, wie der LDAP-Baum organisiert werden soll.
Univention UCS kommt mit einem fertigen LDAP-Server daher. Das hat mehrere Gründe: Einerseits geht der Hersteller davon aus, dass es sich bei Authentifizierung und Autorisierung um zwei stetig wiederkehrende Tasks in der IT handelt, die sich über die Grenzen vieler Dienste hinweg nur per zentralem Verzeichnis sinnvoll erledigen lassen. Die Appliances, die später noch Thema sein werden, verfügen ja jeweils über eigene Benutzerverwaltungen. Würden auf einer UCS-Installation aber zehn Dienste laufen, für die Nutzer sich zehn unterschiedliche Kombis aus Login und Passwort merken müssten, wäre das schnell ein nicht mehr zu steuerndes Chaos.
Darüber hinaus lässt UCS sich grundsätzlich auch redundant und im Modus eines Clusters betreiben, mit mehreren UCS-Instanzen, auf denen etwa unterschiedliche Dienste laufen. Die LDAP-Daten werden dann zwischen diesen Instanzen geteilt: Auf einem zentralen Server laufen alle Benutzerdaten zusammen.
Gibt der Admin beim Setup von UCS einen entsprechenden Domänennamen an, verarbeitet UCS diesen gleich für die Organisation der LDAP-Domäne (Abbildung 1). So kommt der Admin mit LDAP erst gar nicht direkt in Kontakt: Nach Abschluss der Installation gibt es einen laufenden, bereits für die zentrale Anmeldung passend vorkonfigurierten LDAP-Server. Aus Sicht wenig erfahrener Admins ist das hilfreich.

Abbildung 1: Univention UCS kommt mit einem einfachen Installer daher (hier am Beispiel einer Nextcloud-Appliance), der nur wenige Fragen stellt.
Zentrale Konfiguration
Am Ende der Installationsroutine zeigt UCS eine Website an, über die man Zugang zur Administrationskonsole der Lösung erhält. Dazu muss am Server kein Monitor angeschlossen sein; die Software lässt sich von jedem Webbrowser aus konfigurieren.
Insgesamt verdient sich UCS eine gute Note in Sachen Installation. Das Produkt ist auch für Admins ohne tiefgreifende Linux-Erfahrung leicht zu installieren; Grundlagenwissen genügt. Als Sahnehäubchen steht am Ende des Setups ein komplett vorkonfigurierter LDAP-Dienst zur Verfügung. Der lässt sich (schon während des Setups) um Slave-Instanzen erweitern: Gibt es vor Ort bereits einen Verzeichnisdienst, lässt UCS sich leicht und per GUI an ihn ankoppeln.
Benutzerverwaltung & Co.
Welche Funktionen bietet UCS, und wie nützlich sind sie im Alltag? Dass das Produkt bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hat, zeigt sich am durchaus üppigen Funktionsumfang.
Der Hersteller selbst unterteilt die Features von UCS in vier Kategorien: alles, was die UCS-Domäne betrifft, spezielle Dienste für Microsoft Windows, Verwaltungs- und Endanwender-Software sowie Programme, die zur Überwachung von UCS und anderen Komponenten im Netz dienen. Die Aufstellung klingt imposant, und tatsächlich verstecken sich hinter den einzelnen Posten eine ganze Menge relevanter Werkzeuge.
Die zuvor bereits erwähnte Management-Konsole dient in UCS als zentrale Stelle für alles, was mit Anwendern und deren Verwaltung zu tun hat. Hinter einer übersichtlichen grafischen Oberfläche verbirgt sich unter anderem das Management der im UCS-LDAP hinterlegten Benutzer. Weil UCS auch für das Verwalten von Servern dienen kann, finden sich diese Schalter im Web-GUI wieder, das auch für Anwender nützliche Funktionen bietet: Wer etwa sein Passwort nicht mehr weiß, kann es über das ebenfalls zum Management-GUI gehörenden Portal für Self-Service zurücksetzen.
Ferner gehört zu dieser Riege der Dienste auch das UCS-Portal (Abbildung 2), eine Art Schnellübersicht, die Zugriff per Mausklick auf sämtliche von einer UCS-Instanz angebotenen Dienste ermöglicht.

Abbildung 2: Nach der Installation stehen die von UCS angebotenen Dienste über ein zentrales Portal für die Nutzung zur Verfügung.
Große Bedeutung messen die Entwickler der Unterstützung von Windows-Systemen bei. Kein Wunder: In den meisten Büros dominiert schließlich noch immer das von Microsoft angebotene Betriebssystem, wenn auch oft in nicht sonderlich aktuellen Versionen. Ganz konkret lassen sich von einer UCS-Instanz aus Samba-Dienste als zentrale Dateiablage für Windows anbieten.
Auch hier spielt das Thema Domäne wieder eine Rolle: UCS vermag einerseits, die Inhalte einer Active-Directory-Domain zu übernehmen, andererseits kann es wie eine solche agieren und sogar als Mittler zwischen den Welten fungieren: Replikation zwischen dem integrierten LDAP und einer schon vorhandenen AD-Domäne funktioniert bidirektional. Wer mit UCS seine bestehende AD-Domäne ablösen möchte, findet zudem einen Assistenten, der das in wenigen Mausklicks erledigt.
NFS, Mail und Groupware
Es soll allerdings nicht der Eindruck entstehen, UCS richte sich vorrangig an Microsoft-Admins. Stattdessen bietet der Hersteller ein Paket, das sich auch mit Linux-Systemen nutzen lässt. Basisdienste wie NTP oder DNS sind komplett unabhängig vom genutzten Betriebssystem. Der in UCS integrierte BIND lässt sich zudem per Webinterface steuern – auch hier sind also keine besonderen Tools nötig. Das ist ausgesprochen praktisch, denn das Hinzufügen von DNS-Einträgen geht dadurch in UCS verhältnismäßig leicht von der Hand.
Für Windows bietet UCS, wie erwähnt, Samba-Shares als Netzlaufwerke an. Hinzu gesellen sich verschiedene weitere Protokolle: Wer seine Geräte etwa per NFS auf zentrale Speicherlaufwerke zugreifen lassen möchte, setzt im Webinterface den entsprechenden Haken und startet damit implizit einen vorkonfigurierten NFS-Server. Das Verwalten der Zugriffsrechte für Dateien auf diesen Laufwerken gehört zum Gesamtpaket.
Immer stärker rückt in KMUs das Thema kollaboratives Arbeiten in den Fokus: Hier geht es darum, zentrale Dienste wie Büroprogramme und E-Mail anzubieten, um dann gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten. UCS kommt mit einem eigenen Mailserver daher, der sich aus der UCS-GUI heraus verwalten lässt. Dienste wie Anti-Spam-Lösungen gehören ebenfalls zum Paket.
Ein solches Setup setzt freilich voraus, dass die Lösung nicht auf einem Server in der Ecke eines Büros läuft, sondern in einem echten Rechenzentrum. Das bringt eine Handvoll weiterer Herausforderungen mit sich, zum Beispiel die Frage nach der Redundanz, nach Backups und ähnlichen Anforderungen. Die UCS-Entwickler haben den größten Teil dieser Probleme beachtet, und gegen Einwurf von Münzen kann ein Admin sich bei der Planung und der Umsetzung eines Setups helfen lassen. Ob es letztlich zweckmäßig ist, seinen eigenen Mailserver per UCS zu betreiben, sei allerdings dahingestellt. Die Erfahrung des Autors zeigt, dass auch bei wirklich guten Appliances der Betrieb eines Mailservers viel Aufwand erfordert, der gern unterschätzt wird.
Eine Lösung für echtes kollaboratives Arbeiten liefert Univention selbst nicht, doch das bietet eher Anlass zum Lob als zur Kritik: Der Hersteller bleibt bei seinen Leisten und bietet lieber ein solides Grundsystem für Linux – mit der Option, sich eine echte Bürosuite für kollaboratives Arbeiten per Mausklick einfach zu installieren.
Verwaltung ist wichtig
Nicht unerwähnt bleiben sollen schließlich die Dienste zur Administration von UCS und anderer Server. So kommt mit UCS ein vorkonfiguriertes Nagios 4 daher (Abbildung 3), das UCS und jeden anderen Dienst im Netz überwachen kann. Die Konfiguration erfolgt wieder über die UCS-Management-Console, sodass der Admin sich nicht mit den verhassten Textdateien zur Nagios-Konfiguration herumschlagen muss. Zum Teil wandern Daten aus Nagios zudem in das UCS-Dashboard, das dem Admin einen schnellen Überblick über den Zustand der UCS-Installation sowie der darauf laufenden Dienste liefert.

Abbildung 3: UCS liefert Werkzeuge wie Nagios 4 mit und erspart dem Admin so viel Arbeit.
Der Basisfunktionsumfang von UCS verdient insgesamt Lob. Es wird deutlich, dass der Hersteller sich insbesondere um das Thema Domänenverwaltung sehr viele Gedanken gemacht hat, die in einem ziemlich kompletten Gesamtpaket kulminieren. Benutzer, Rechner, Domänendienste und angeschlossene sowie zusätzlich verfügbare Infrastruktur lassen sich per UCS zentral verwalten. Weder leistet sich das Produkt bei den grundlegenden Diensten einen Lapsus noch bei zusätzlichen Lösungen externer Anbieter, die sich gut und schnell einbinden lassen.
Das leidige Thema Sicherheit
Sicherheit ist in der IT ein zentrales Thema, mit dem sich allerdings nur die wenigsten Admins wirklich gern beschäftigen. UCS trägt diesem Umstand gleich in mehrfacher Hinsicht Rechnung. Zunächst verfolgt es einen rigorosen Kurs in Sachen Encryption: Der Admin hat gar nicht die Wahl, ob er die Dienste in UCS per SSL-verschlüsselter Verbindung nutzen möchte oder nicht. UCS generiert vielmehr ein lokales SSL-Zertifikat und verwendet es automatisch.
Möchte man die Fehlermeldungen wegen des nicht offiziell signierten Zertifikats umgehen, lässt sich unmittelbar aus der UCS-Oberfläche heraus mit wenigen Mausklicks ein offizielles Zertifikat von Let’s Encrypt besorgen. Für einen erfahrenen ITler wäre es freilich auch so kein Problem, sich ein solches Zertifikat zusammenzuklicken. Weniger erfahrene Admins müssten sich jedoch erst einlesen – und eben das umgeht UCS. Der Hersteller trägt auf diese Weise letztlich dazu bei, SSL-Verschlüsselung zu propagieren und Verbindungen implizit sicherer zu machen, was als echte Leistung gelten darf.
Auch in anderer Hinsicht greift UCS dem Admin in Sachen Sicherheit unter die Arme. Die Option, Linux-Systeme inklusive UCS selbst zentralisiert mit Updates zu versorgen, erleichtert es elementar, den eigenen Server-Park auf dem aktuellen Stand zu halten. Sicherheitsaktualisierungen für UCS reicht Univention regelmäßig nach. Auch Updates für Komponenten, die über das UCS App Center nachinstalliert werden, finden je nach Konfiguration den Weg auf das System automatisch.
Im Rahmen der Domänenverwaltung lassen sich zudem weitere relevante Features in Sachen Sicherheit definieren. Wer seinen Nutzern etwa eine Passwortänderung in regelmäßigen Abständen vorschreiben möchte, kann das per UCS-Admin-Konsole (Abbildung 4) als Policy hinterlegen. Dass eine zentrale Anwenderverwaltung zudem dabei hilft, Situationen wie das Ausscheiden eines Mitarbeiters zu handhaben, liegt in der Natur der Sache.

Abbildung 4: Die Admin-Konsole bietet Schnellzugriff auf alle Hebel und Schalter, die Admins im Alltag brauchen könnten.
In Summe präsentiert UCS sich folglich als topfit in Sachen Security. Die ab Werk angebotenen Automatismen sowie die mitgelieferten Werkzeuge ermöglichen es auch weniger erfahrenen Admins, das Thema Sicherheit mit wenig Zeitaufwand zu beackern.
Erweiterungen per App-Store
Jede Software verfügt heute über einen App-Store; da macht UCS keine Ausnahme. Der Hersteller bietet für bestimmte Programme, die er nicht selbst als Teil von UCS vermarktet, die Möglichkeit einer One-Click-Installation.
Die Appliances kommen in Form von Containern daher, was mehrere Vorteile mit sich bringt: Container lassen sich auf UCS-Systemen schnell und einfach (de-)installieren oder austauschen, was besonders im Security-Kontext von herausragender Bedeutung ist.
Viel interessanter erscheint aus Sicht des Admins freilich, welche Anwendungen man über das App Center in UCS nachrüsten kann – und da lässt sich der Hersteller nicht lumpen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Per App Center lassen sich diverse Zusatzpakete in UCS laden, die nützliche Features wie Chat- oder Office-Funktionen bieten.
Das bereits erwähnte Online-Tool zum kollaborativen Bearbeiten von Office-Dokumenten liefert der UCS-App-Store in Form von Collabora Online, also der Online-Variante von LibreOffice. Als kommerzielle Alternative steht OnlyOffice von Ascensio zur Verfügung. Wer seine Dokumente lieber bei Google hostet, kann sie per Google-Docs-Connector an UCS anschließen. Für Office 365 steht ebenfalls ein Connector zur Verfügung.
Als ebenso umfangreich erweist sich die Auswahl von Private-Cloud-Lösungen, die Univention in UCS ausliefert. Wer schon einmal Own- oder Nextcloud installiert hat, der weiß: Ganz trivial ist diese Aufgabe nicht. UCS nimmt dem Admin den allergrößten Teil der Komplexität ab; nach wenigen Klicks stehen auf Wunsch sogar beide Tools parallel zur Verfügung. Das ist vorrangig für mobile Clients praktisch: Von allen gängigen Private-Cloud-Anwendungen gibt es Clients für die zwei verbreiteten mobilen Betriebssysteme. Das eingangs skizzierte Szenario von digital unterschriebenen Abnahmebestätigungen ist damit zum Beispiel über den passenden Client auf dem Tablet des Mitarbeiters zu realisieren.
Auch fernab der bekannten Lösungen findet sich im UCS-App-Center viel nützliche Software. Unter anderem ist die Backup-Suite Bareos ebenso nur einen Mausklick entfernt wie die CI/CD-Lösung Jenkins. Das macht deutlich, dass UCS sich nicht nur an IT-atypische Unternehmen richtet: Selbst bei kleinen IT-Firmen ist es keineswegs ausgemachte Sache, dass sie sich selbst um ihre eigene Infrastruktur kümmern müssen.
Zu guter Letzt findet sich auch klassische Business-Software im App-Center. Wer beispielsweise eine Chat-Lösung für seine Firma sucht, installiert wahlweise Mattermost oder Rocketchat, beides Nachbauten von Slack und Hipchat. Wer seine Kunden in einem eigenen CRM verwalten möchte, bekommt in Form von SuiteCRM ein leistungsfähiges lokal gehostetes System. Letztlich begegnet der Hersteller damit auch Sorgen im Compliance- und Data-Privacy-Kontext: Wer sein CRM und seinen Chat selbst hostet, muss nicht darüber nachdenken, dass diese Daten in die falschen Hände gelangen könnten – etwa in jene eines Cloud-Anbieters.
Wer soll das bezahlen?
Am Ende des Tests stellt sich wie üblich die Frage, welche Preise Univention für das Produkt aufruft. Anders als viele andere Hersteller gibt die Firma die Lizenzkosten [2] offen auf der Website an, was Vergleiche erleichtert. Der UCS-Preispolitik liegt ein vierstufiges Modell zugrunde.
Die Core Edition kommt als Produkt kostenfrei daher, bietet aber nur limitierte Funktionen, Updates nur für sicherheitsrelevante Themen und keinerlei Support. Wer zur Base Subscription greift, bekommt unlimitierte Aktualisierungen und eine eingeschränkte Garantie seitens des Herstellers, kann aber nicht alle Features nutzen. Erst die Standard Subscription schaltet alle Funktionen frei. Wer schließlich zur Premium Subscription greift, erhält besseren Support und längere LTS-Unterstützung.
Die Base Subscription schlägt mit 319 Euro pro Installation pro Kalenderjahr zu Buche, die Standard Subscription kommt auf 1295 Euro. Für die Premium Subscription fallen 1895 Euro pro Installation pro Jahr an. Das Preismodell darf in Summe dennoch als human gelten: Die Kosten für Personal, das entsprechende Funktionalität händisch implementiert, lägen viel höher. Zudem lässt UCS sich bei diversen deutschen Cloud-Anbietern als Managed-Lösung betreiben, was allerdings mit unterschiedlichen Preismodellen einhergeht.
Fazit
Gerade in KMUs steht nicht immer genügend Fachpersonal für den Betrieb der IT-Infrastruktur zur Verfügung. Für Unternehmen, die damit Probleme haben, bietet UCS eine gut funktionierende Lösung: Der Aufwand einer UCS-Installation bleibt im Vergleich zu händisch gebauten und gepflegten Systemen überschaubar.
Eher unüberschaubar wirkt hingegen der Funktionsumfang von UCS. Allein das Einrichten der Funktionen eines Domänencontrollers würde bei einer händischen Installation mehr Zeit erfordern als eine Komplettinstallation von UCS. Trotzdem hätte man längst noch nicht die diversen Werkzeuge wie Nagios und Co. an der Hand, mit denen Univention das Leben eines Admins erleichtert. Dass sich externe Produkte wie Own- und Nextcloud oder Rocketchat per Mausklick zusätzlich installieren lassen, rundet das Angebot ab. Weil die feilgebotenen Verwaltungswerkzeuge zudem intuitiv zu bedienen sind, erfordert UCS auch kein wochenlanges Studieren von Dokumentation, geht man von einem in den Grundlagen ausgebildeten IT-Administrator aus.
Preislich weiß UCS ebenfalls zu überzeugen: Selbst wer das Wunschlos-glücklich-Paket für knapp 1900 Euro monatlich bucht, gibt dafür weniger Geld aus, als in Form von Personalkosten anfiele, ließe man eine Fachkraft das UCS-Ergebnis nachbauen. Wer eine mittelständische IT-Lösung mit hohem Praxisfaktor sucht, ist bei Univention UCS folglich gut aufgehoben. (jcb/jlu)
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