Die Web-basierten Speicheranwendungen Nextcloud und Owncloud haben dieselben Wurzeln und ähneln sich in vielem noch wie Zwillinge – aber sie sind Kontrahenten. Wer von beiden macht das Rennen?
Das quelloffene Owncloud erblickte bereits 2010 das Licht der Welt [1]. Die Weiterentwicklung treibt derzeit maßgeblich die Owncloud GmbH voran. Geld verdient das Unternehmen aus Nürnberg mit Supportverträgen und einer kostenpflichtigen Enterprise Edition. Letztere bietet einige zusätzliche Funktionen, etwa die Möglichkeit, Workflows vorzugeben, Oracle-Datenbanken zu unterstützen oder das Aussehen der Webanwendung komfortabel zu verändern.
Gabelung
2016 verließen einige Entwickler samt Gründer Frank Karlitschek die Owncloud GmbH und begannen die Arbeit am Fork Nextcloud [2]. Im Gegensatz zu Owncloud will der Fork keine Funktionen für zahlende Kunden zurückhalten. Nextcloud steht wie sein Vorfahr unter der GNU AGPL 3, die Entwicklung koordiniert die in Stuttgart beheimatete Nextcloud GmbH.
Auch sie verdient ihr Geld mit kostenpflichtigem Support und Dienstleistungen. So modifiziert sie beispielsweise gegen Gebühr die Clientprogramme entsprechend der Corporate Identity des Kunden. Das Portemonnaie öffnen muss zudem, wer einen erweiterten Datenaustausch mit Outlook wünscht oder eine Oracle-Datenbank nutzen möchte.
Die erste Version von Nextcloud basierte auf Owncloud 9. Seitdem laufen die Entwicklungen der beiden Anwendungen auseinander. Zum Redaktionsschluss lag Owncloud in Version 10.0.8 vor, Nextcloud war hingegen bereits bei Version 13.0.2 angelangt.
Die Versionsnummern erlauben jedoch keinen Rückschluss auf den enthaltenen Funktionsumfang. Vielmehr ähneln sich die beiden Produkte selbst nach zwei Jahren immer noch deutlich (Abbildungen 1 und 2). Das beginnt bereits bei den Systemanforderungen (Tabelle 1).
| Nextcloud 13.0.2 | Owncloud 10.0.8 | |
|---|---|---|
| Hauptspeicher | Mindestens 128 MByte, empfohlen 512 MByte | Mindestens 128 MByte, empfohlen 512 MByte |
| Webserver | Apache 2.4 (mit »mod_php« oder »php-fpm«), Nginx (mit »php-fpm«) | Apache 2.4 mit den Modulen »prefork«, MPM (Multi-Processing Module ) und »mod_php« |
| Datenbank | MySQL oder Maria DB ab Version 5.5, PostgreSQL 9 oder 10 | MySQL oder Maria DB ab Version 5.5, PostgreSQL oder SQlite |
| PHP | 5.6, 7.0, 7.1 oder 7.2 | 5.6, 7.0 oder 7.1 (künftige Owncloud-Versionen setzen mindestens PHP 7.1 voraus) |
| Unterstützte Distributionen | Debian 8 oder 9 (Stretch), Suse Linux Enterprise Server 11 SP3 oder 12, Open Suse Leap ab Version 42.1, Red Hat Enterprise Linux oder Centos in Version 6.5 oder 7 (Version 7 nur 64 Bit), Ubuntu 14.04, 16.04 oder 18.04 | Debian 7, 8 oder 9, Suse Linux Enterprise Server 12 mit SP1, SP2 und SP3, Open Suse Tumbleweed und Leap ab Version 42.1, Red Hat Enterprise Linux oder Centos in den Versionen 6.9, 7.3 und 7.4, Fedora 26, 27 oder 28, Ubuntu 16.04, 17.04 oder 17.10 |
| Unterstützte Webbrowser | Internet Explorer ab Version 11, Microsoft Edge, Firefox, Chrome, Safari (Nextcloud Talk benötigt Firefox ab Version 31 oder Chrome ab Version 38) | Internet Explorer ab Version 11, Microsoft Edge, Firefox ab Version 57 (oder 52 ESR), Chrome ab Version 64, Safari ab Version 10 |


Abbildung 2: … und Nextcloud ähneln sich immer noch deutlich. Beide Benutzeroberflächen sprechen neben Deutsch noch viele weitere Sprachen.
Die Installation übernimmt in beiden Fällen ein einfach zu bedienender Assistent, der ein Benutzerkonto für den Administrator einrichtet und die Zugangsdaten für die Datenbank abfragt. Alternativ stellen die Entwickler aus beiden Lagern einen so genannten Webinstaller bereit, der die Installation auf Shared-Hosting-Webservern erleichtern soll. Hinzu kommen verschiedene vorgefertigte Appliances und ein Docker-Container (siehe dazu den folgenden Artikel in dieser Ausgabe).
Lagerhäuser
Standardmäßig speichern und verwalten die beiden Webanwendungen ausschließlich Dateien. Der Funktionsumfang entspricht dabei dem von Dropbox & Co. So lassen sich die Dateien mit wenigen Mausklicks auf den Server hochladen und in Verzeichnisse einsortieren. Deren komplette Inhalte stehen auf Wunsch in einem kompakten Zip-Archiv zum Download bereit. Eine Suchfunktion spürt Files auf dem Server auf.
In der Cloud abgelegte Videos geben Owncloud und Nextcloud direkt im Browser wieder, sofern dieser das Format verarbeiten kann. Nextcloud zeigt zusätzlich Bilder und reine Textdateien in einer Vorschau an, Anwender dürfen dort zudem neue Textdateien direkt in der Weboberfläche anlegen. In beiden Webanwendungen lassen sich besonders wichtige Dateien zu Favoriten erklären, die dann eine entsprechende Ansicht kompakt auflistet. Nextcloud zeigt zudem auf Wunsch alle zuletzt benutzten Dateien an.

Abbildung 3: Anders als in Owncloud dürfen Anwender in Nextcloud zahlreiche weitere Informationen, etwa eine Telefonnummer oder ihren Twitter-Namen, hinterlegen.
Über Dateigröße, Upload-Datum und weitere Eckdaten einer Datei informiert auf Wunsch eine Seitenleiste (Abbildungen 4 und 5). Dort dürfen Anwender die Datei auch kommentieren und mit Tags verschlagworten. Über die eingebaute Versionsverwaltung lassen sich ältere Fassungen der Datei wiederherstellen. Allerdings heben Nextcloud und Owncloud ältere Fassungen nicht endlos auf, sondern nur für eine begrenzte Zeit, und sie verwenden dabei maximal die Hälfte des verfügbaren Speicherplatzes.

Abbildung 4: Während Nextcloud alle Einstellungen zur Freigabe einer Datei kompakt in der Seitenleiste zusammenfasst …
Gelöschte Dateien sind auch nicht sofort verloren, sondern wandern zunächst in einen Papierkorb, aus dem Benutzer die Datei bei Bedarf eigenständig wiederherstellen können.
Mehr Benutzer
Über die Benutzerverwaltung legen Admins weitere Benutzerkonten an. Dazu sind jeweils lediglich ein Benutzername und ein Passwort anzugeben. Beide Systeme ermöglichen damit die in der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) vorgeschriebene Datensparsamkeit. Auf Zuruf senden Owncloud und Nextcloud dem neuen Benutzer eine E-Mail mit allen Login-Informationen. Lässt der Administrator das Passwort weg, können beide Systeme eine E-Mail mit einem Aktivierungslink verschicken.
Owncloud akzeptiert auch triviale Passwörter wie »123456«. Nextcloud lehnt diese nicht nur konsequent ab, in den Grundeinstellungen dürfen Administratoren auch die minimale Länge und einige andere Regeln für den Aufbau der Passwörter erzwingen. In beiden Systemen können Admins den verfügbaren Speicherplatz über Quotas für jeden Benutzer gezielt einschränken.
Sofern Anwender oder Administratoren eine E-Mail-Adresse hinterlegen, verschicken Owncloud und Nextcloud in einigen Situationen eine Nachricht. Die Benutzer dürfen dabei selbst festlegen, über welche Ereignisse die Systeme sie informieren sollen. Bei Nextcloud gelingt das feinstufiger als in Owncloud.
Neben der E-Mail-Adresse dürfen Benutzer ihren vollständigen Namen angeben und ein eigenes Profilbild hochladen, Nextcloud erlaubt noch weitere Angaben (Abbildung 3). In Nextcloud bestimmen die Anwender zudem selbst, wer die einzelnen Informationen zu Gesicht bekommt. In beiden Webanwendungen können Admins nur die Benutzernamen, den vollständigen Namen, die E-Mail-Adressen und den Zeitpunkt der letzten Anmeldung einsehen.
Ändern, aber nicht anzeigen lässt sich das Passwort, auch der Zugriff auf die Dateien der Benutzer bleibt den Administratoren verwehrt. Nur wer den vollen Rootzugriff auf das Dateisystem des Servers besitzt, kann auf die Dateien der Nutzer zugreifen.
Ordnungsliebe
Benutzer lassen sich in Gruppen zusammenfassen, deren Verwaltung Gruppenadministratoren übernehmen. Letztere dürfen neue Benutzer der Gruppe hinzufügen oder wieder aus ihr verbannen. Mitglieder der speziellen Benutzergruppe »admin« zählen zu den Administratoren und dürfen alle Einstellungen des Systems verändern. Eine gezieltere Steuerung der Zugriffsrechte (etwa der Ausführungsrechte an Apps) erlaubt weder Owncloud noch Nextcloud.
Benutzer können einzelne Dateien und Verzeichnisse für andere Benutzer oder Gruppen freigeben. Auf Wunsch erhalten auch außenstehende Personen über einen öffentlichen Link Zugriff, der sich bei Bedarf mit einem Passwort schützen lässt. Ein Verfallsdatum sorgt zudem dafür, dass der Link nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung steht. Über entsprechende Ansichten behalten Anwender stets im Blick, welche Dateien sie gerade mit welchen Personen teilen.
Abschließend gestatten Nextcloud und Owncloud auf Anweisung auch anonyme Uploads. Beliebige Personen können dann Dateien in ein ausgewähltes Verzeichnis der Cloud hochladen, sie dürfen den Inhalt des Verzeichnisses allerdings weder sehen noch dessen Inhalte verändern (Abbildung 6).
Datenhalden
Standardmäßig speichern Nextcloud und Owncloud alle Daten und vor allem die von Benutzern hochgeladenen Dateien direkt auf dem Server. Wenn der bei einem Hoster oder Cloudprovider angemietet wird, muss der Mieter gemäß der DSGVO entweder die einzelnen Benutzer um Erlaubnis fragen oder mit dem Hoster eine so genannte Auftragsdatenverarbeitung vereinbaren.
Beide Webanwendungen erlauben zudem das Einbinden von externen Datenträgern als sekundäre Speichergeräte. Infrage kommen unter anderem FTP-Server, andere Clouddienste wie Dropbox oder Google Drive, lokale Festplatten, Samba-Shares oder Webdav. Administratoren können Benutzern sogar erlauben, ihre eigenen Datenträger zu mounten.
Aus Sicht der DSGVO ist die Nutzung von externem Speicher allerdings kritisch zu sehen. Das gilt insbesondere dann, wenn die Server wie bei der Dropbox nicht innerhalb der EU stehen. Im Zweifelsfall sollten Website-Betreiber auf das Einbinden verzichten, zumindest aber die von Nextcloud und Owncloud angebotene Verschlüsselung aktivieren.
Über eine Federation Share genannte Funktion können Anwender auch auf die Dateien in anderen Nextcloud- und Owncloud-Installationen zugreifen. Das funktioniert sogar zwischen Nextcloud und Owncloud, vorausgesetzt, dass von beiden Systemen mindestens die Version 9 installiert ist.
Nur Nextcloud zeigt links unten in der Ecke an, wie viel Speicherplatz auf dem Server bereits belegt beziehungsweise im Rahmen der verfügbaren Quota verbraucht ist. Darüber hinaus bietet Nextcloud eine Ansicht, die sämtliche zuletzt durchgeführte Aktivitäten auflistet (Abbildung 7). Welche Aktionen Nexcloud protokolliert, regulieren Administratoren in den Grundeinstellungen. Das Protokoll lässt sich zudem per E-Mail und als RSS-Feed abonnieren.

Abbildung 7: Ähnlich wie in der Timeline von Facebook oder Twitter lässt sich in der Aktivitäten-Ansicht nachvollziehen, wer wann welche Dateien freigegeben hat.
Owncloud und Nextcloud benachrichtigen die Admins, sobald eine Aktualisierung vorliegt. Die lässt sich dann bequem in den Webanwendungen per Mausklick einspielen. Mit den Grundeinstellungen liefern die Systeme obendrein Sicherheitstipps. Unter anderem weisen sie darauf hin, wenn der Zugriff nur über eine unverschlüsselte HTTP-Verbindung läuft. Nextcloud erzeugt zudem Diagramme mit der CPU- und Arbeitsspeicherauslastung, den aktiven Benutzern und den Freigaben (Abbildung 8).

Abbildung 8: Diese von Nextcloud generierten Telemetriedaten können externe Anwendungen auch über eine URL als XML-Daten abrufen.
Die komplette Optik lässt sich bei beiden Webanwendungen über Themes genannte Designvorlagen ändern. Die Erstellung eines Theme setzt allerdings Wissen um HTML, CSS und Javascript voraus ([3], [4]). Nextcloud erlaubt immerhin den Tausch des Logos, des Namens und der verwendeten Grundfarbe direkt in der Weboberfläche.
Aufgebohrt
Der Funktionsumfang von Owncloud und Nextcloud lässt sich über so genannte Apps erweitern (Abbildungen 9 und 10). Auf diese Weise rüsten Admins beispielsweise eine Zwei-Faktor-Authentifizierung nach. Die Owncloud- und Nextcloud-Entwickler betreiben jeweils einen eigenen App-Store, den Admins direkt aus der Benutzeroberfläche anzapfen.

Abbildung 10: … und Nextcloud nur wenige Mausklicks. Auch wenn sich die Optik leicht unterscheidet, ist die grundlegende Bedienung der Stores weitgehend identisch.
Einige Apps stehen in beiden Stores mit identischem oder ähnlichem Funktionsumfang bereit. Dazu gehören vor allem die besonders beliebte Kontaktverwaltung und der Kalender. Diese stammen sogar wie einige weitere Apps direkt von den Owncloud- beziehungsweise Nextcloud-Entwicklern.
Ihr Funktionsumfang ist allerdings überschaubar: Die Kontakte-App erlaubt das Anlegen von Adressen, die sich wiederum in Gruppen zusammenfassen lassen. Die App gibt strikt vor, welche Daten der Benutzer zu einem Kontakt speichern darf. Die Kalender-Erweiterung importiert auf Wunsch Kalender im Ical-Format, Benutzer dürfen zudem andere Personen zu Veranstaltungen einladen. Die Kalender und Kontakte lassen sich schließlich noch für andere Benutzer und die Öffentlichkeit freigeben.
Einige Apps stehen exklusiv nur für eines der beiden System zur Verfügung. So kann Owncloud über die Antivirus-App den Virenscanner Clam AV zur Mitarbeit gewinnen. Exklusiv für Nextcloud gibt es dagegen die App Talk, die Chats, Videotelefonie und Screensharing ermöglicht. Die Kommunikationsdaten wandern dabei Ende-zu-Ende-verschlüsselt durch das Netz. Gegen Gebühr läuft die Kommunikation durch die Hochgeschwindigkeitsleitungen eines Partners, der zudem ein SIP-Gate bereitstellt.
Ebenfalls nur für Nextcloud verfügbar ist eine App, die einen E-Mail-Client nachrüstet. Dieser kann sogar mit verschlüsselten E-Mails nach dem Open-PGP-Verfahren umgehen.
Manche Apps installieren Administratoren gerne zusammen. So lässt sich Nextcloud mit dem Kalender, der Kontaktverwaltung und Talk zu einer Groupware aufbohren. Um die Installation zu vereinfachen, haben daher die Nextcloud-Entwickler entsprechende Pakete aus mehreren Apps geschnürt, die sich wiederum mit einem Mausklick einspielen lassen. Owncloud bietet demgegenüber lediglich alle Apps der kostenpflichtigen Enterprise Edition in einem Bundle an.
Mitbringsel
Nextcloud und Owncloud bringen bereits von Haus aus einige Apps mit. Nextcloud enthält etwa eine Gallery-App, die Fotos in einer einfachen Galerie präsentiert. Dort ebenfalls vorinstalliert ist ein einfacher Texteditor, um einfache Textdateien zu bearbeiten. Bei Bedarf können Admins zudem einen PDF-Reader aktivieren, der PDF-Dokumente direkt im Browser anzeigt. Die zum Lieferumfang gehörende LDAP-App erlaubt schließlich noch die Benutzerverwaltung über einen LDAP-Server. Alle genannten Apps gibt es auch für Owncloud, Admins müssen sie dort jedoch erst explizit nachinstallieren (Abbildungen 11 und 12).
Beide Speicherclouds bringen eine App mit, die auf Wunsch Server-seitig alle Dateien verschlüsselt. Gedacht ist diese Form der Verschlüsselung vor allem für Dateien auf unsicheren externen Speichern, etwa der Dropbox. Die Schlüssel bleiben dabei auf dem Nextcloud-Server, sodass Administratoren die Dateien wieder entschlüsseln könnten [5].
Um auch die Dateien auf dem Server vor neugierigen Blicken zu schützen, raten die Nextcloud- und Owncloud-Entwickler zum Einsatz zusätzlicher Verschlüsselungsverfahren, etwa Dm-crypt, E-Crypt-FS oder Enc-FS [6]. Die auf dem Server gespeicherten Dateien können im Hinblick auf die DSGVO als personenbezogene Daten zu werten sein, zumindest in diesem Fall sollten die Administratoren eine solche zusätzliche Verschlüsselung unbedingt einrichten.
In Nextcloud lässt sich eine Audit-App aktivieren, deren Pendant bei Owncloud nur im Rahmen der kommerziellen Enterprise Edition verfügbar ist. Mit ihr protokolliert die private Cloud zahlreiche personenbezogene Ereignisse, darunter auch jeden Login-Versuch der einzelnen Benutzer samt der vollständigen IP-Adresse. Aus datenschutzrechtlicher Sicht sollte man daher auf den Einsatz der Audit-App besser verzichten.
Erklärungsnot
Owncloud und Nextcloud geben die Texte der von ihnen verschickten E-Mails selbst vor. In ihnen fehlen jedoch die in Deutschland notwendigen Angaben in der Signatur. Darüber hinaus klärt die bei der Erstellung eines neuen Kontos verschickte E-Mail den zugehörigen Benutzer nicht über seine Rechte auf. Wer die DSGVO umsetzen möchte, muss folglich seine Benutzer entweder auf anderen Wegen informieren oder die Nachrichtentexte verändern.
Der Aufbau der E-Mails lässt sich in Owncloud über so genannte E-Mail-Templates beeinflussen, die aus einer Mischung aus HTML-Tags und PHP-Befehlen bestehen. Über eine entsprechende App lässt sich ein Editor nachrüsten, der die Bearbeitung vereinfacht (Abbildung 13). Der setzt aber voraus, dass mindestens ein eigenes Theme installiert ist. Nextcloud baut inzwischen die E-Mails nach einem anderen Prinzip zusammen. Wer dort den Inhalt der Nachrichten verändern möchte, muss zwingend Kenntnisse in PHP-Programmierung haben [7].
Den Owncloud-Client finden Anwender ebenfalls in den Repositories großer Distributionen, seinen Quellcode auf der Owncloud-Website. Die bietet auch Links zu Paketen und Repositories für alle großen Distributionen. Die Owncloud- und Nextcloud-Clients stehen jeweils unter der GNU GPL.
Die Desktop-Clients synchronisieren lokale Verzeichnisse automatisch mit ihren jeweiligen Pendants in der Cloud. Die Daten wandern dabei verschlüsselt via Transport Layer Security (TLS) durch die Leitung. Der Client besteht aus einer Anwendung mit grafischer Benutzeroberfläche und einem Kommandozeilenprogramm. Letzteres ermöglicht das Einbinden in eigene Shellskripte.
Die vom jeweiligen Client genutzte Bandbreite lässt sich einstellen. Auf diese Weise verstopft der Client bei der Synchronisierung größerer Dateien nicht den Internetzugang. Die Synchronisierung lässt sich zudem vorübergehend komplett anhalten. Das ist zum Beispiel praktisch, wenn man mit dem Notebook unterwegs ist und keine schnelle Internetverbindung verfügbar ist. Zum Lieferumfang der Clients gehören auch Plugins für die Dateimanager Caja, Dolphin, Nautilus und Nemo, die in diesen Applikationen über entsprechende Symbole den Synchronisierungsstatus anzeigen.
Unabhängig von den Apps und Clients erlauben Owncloud und Nextcloud den Zugriff auf die Dateien über das Standardprotokoll Webdav. Die Kalender- und Kontakte-Apps bieten zudem den Zugriff auf Termine und Adressen via Caldav und Carddav.
Nextcloud 13 bietet erstmals eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung [15]. Dabei chiffrieren die einzelnen Clients die Inhalte ausgewählter Verzeichnisse, auf dem Server landen nur die chiffrierten Ergebnisse. Obwohl die Entwickler mit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung werben, ist sie noch nicht für den produktiven Einsatz freigegeben, offiziell handelt es sich um eine “Tech Preview”. Im kostenpflichtigen Owncloud Enterprise lässt sich die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung über eine Erweiterung von Epik Share nachrüsten [16].
Fazit
Trotz der unterschiedlichen Versionsnummern sind sich Nextcloud und Owncloud immer noch recht ähnlich, dem Fork sieht man seinen Ursprung deutlich an. Nextcloud bietet jedoch mittlerweile viele kleinere Funktionen zusätzlich, die man bei Owncloud vermisst oder nur gegen Aufpreis erhält. Ein Paradebeispiel ist die Konferenz-App Talk, die Nextcloud weiter in Richtung Groupware aufwertet. Beide erfüllen bereits viele Vorgaben der DSGVO. Nachholbedarf besteht vor allem bei den Informationspflichten.
Wer eine Neuinstallation plant, findet daher kaum Gründe für Owncloud. Ein Umstieg von einer laufenden Owncloud-Installation lohnt aufgrund der geringen Unterschiede jedoch nur, wenn man eine exklusive Funktion benötigt – wie etwa Talk. Da sich Nextcloud und Owncloud zumindest teilweise noch verstehen, kommt unter Umständen sogar ein heterogener Betrieb infrage. Die Interoperabilität dürfte jedoch auf Dauer verloren gehen, wie bereits die unterschiedlichen Ansätze bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zeigen.
Infos
- Owncloud: https://owncloud.org
- Nextcloud: https://nextcloud.com
- Themes in Nextcloud: https://docs.nextcloud.com/server/13/admin_manual/configuration_server/theming.html
- Themes in Owncloud: https://doc.owncloud.com/server/10.0/developer_manual/core/theming.html
- Encrypting your Nextcloud files on the server: https://docs.nextcloud.com/server/13/user_manual/files/encrypting_files.html
- Encryption in Nextcloud: https://nextcloud.com/blog/encryption-in-nextcloud/
- Nextcloud-E-Mail-Konfigiuration: https://docs.nextcloud.com/server/13/admin_manual/configuration_server/email_configuration.html
- Nextcloud External Sites: https://docs.nextcloud.com/server/13/admin_manual/configuration_server/external_sites.html
- Quellcode Android-Client für Owncloud: https://github.com/owncloud/android
- Quellcode Android-Client für Nextcloud: https://github.com/nextcloud/android
- F-Droid: https://f-droid.org/en/
- Dav Droid: https://www.davdroid.com
- Nextcloud Desktop-Client PPA: https://launchpad.net/~nextcloud-devs/+archive/ubuntu/client
- Nextcloud-Desktop-Client-Quellcode auf Github: https://github.com/nextcloud/client_theming
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Next-cloud: https://nextcloud.com/endtoend/
- Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Owncloud: https://owncloud.com/de/ende-zu-ende-verschluesselung














Ich nutze Nextcloud anstatt OwnCloud, da es besser und schneller funktioniert. ich nutze als Cloud-Dienst wolkesiche.de da es einen hohen datenschutz hat.
Hi Elsa
ich glaube du meinst wolkesicher.de. Ich finde wolkensicher.de auch gut, aber ich nutze seit kurzem den kostenlosen dienst nextfiles.eu mit bis zu 50GB kostenlosen Speicherplatz
Owncloud ist ja nun wieder verkauft worden. Nach dem Fork war klar, dass mit Karlitschek auch irgendwie das Know How und die Experten bei Nextcloud sind. Vielleicht lohnt sich mal wieder ein neuer Cloud Vergleich. Weiter verbreitet ist Nextcloud allemal, egal ob bei den grossen wie Hetzner, Ionos und OVH. Auch die kleinen wie xeweho.de, wolkesicher.de, cloudfire.de, qloc.de machen nur Nextcloud. Owncloud ist praktisch tot, und was es sonst noch gibt, weiss auch kaum einer. Ich fänds Cool.