Aus Linux-Magazin 07/2018

Die Installationsoptionen von Owncloud und Nextcloud

© Lakov Kalinin, Fotolia

Owncloud und Nextcloud bieten beide zahlreiche Installationsvarianten: auf Servern, im Web, in Containern oder als VM oder vorinstalliert auf Einplatinenrechnern. Was für wen mit welchem Aufwand passt.

Owncloud und dessen Abspaltung Nextcloud sind zwei Open-Source-Alternativen, um Daten in einer privaten Cloud vorzuhalten, zu synchronisieren und mit anderen zu teilen. Die Software lässt sich jeweils auf einem eigenen Server installieren, in einer virtuellen Maschine, auf dem eigenen Webserver oder bei einem Hosting-Dienst. Wer die Cloud bei einem Hoster mietet, der erhält die Zugangsdaten zur fertig eingerichteten Software und muss sich um nichts weiter kümmern. In den anderen Fällen muss der Anwender die nötigte Software selbst installieren und konfigurieren.

Die Installationsprozeduren für beide Cloudvarianten ähneln sich ([1], [2]). Das betrifft alle Vorgehensweisen, vom Tarball über Appliances für diverse Hypervisoren sowie Docker-Images bis zu Linux-Distributionspaketen, Snaps und einem Web-Installer. Auch die Voraussetzungen ([3], [4]), die vor der Installation von Owncloud und Nextcloud erfüllt sein müssen, sind in etwa gleich. Die wichtigste Voraussetzung ist dabei ein eingerichteter LAMP-Stack auf dem jeweiligen Installationsziel.

LAMP-Stack

Ein typischer LAMP-Stack besteht aus dem HTTP-Server Apache 2, der relationalen Datenbank MySQL und der Skriptsprache PHP. Dabei kann statt Apache 2 auch Nginx zum Einsatz kommen, und MySQL ist gegen Maria DB oder PostgreSQL austauschbar. PHP kommt in Version 5 oder 7, nicht selten auch beide gleichzeitig, zum Zug. Beide Kandidaten unterstützen derzeit PHP bis hin zur aktuellen Version 7.2.

Die aktuelle Version von Nextcloud ist 13.0.2. Der Hersteller gibt als Empfehlung für den Unterbau Apache 2.4 mit »mod_php«, MySQL 5.5+ oder Maria DB 5.5+ sowie PHP 7.0, 7.1 oder 7.2 an. Als Webserver eignet sich alternativ Nginx mit PHP-FPM.

Bei den Datenbanken kann der Nextcloud-Admin zwischen Maria DB 5.5+ oder PostgreSQL 9 und 10 wählen. Oracle 11g ist derzeit nur im Rahmen des Enterprise-Supports nutzbar. Bei PHP sind die Versionen 5.6, 7.0, 7.1 oder 7.2 verwendbar. Zudem sind die Hypervisoren Hyper-V, VMware ESXi, Xen und KVM als kompatibel aufgeführt.

Owncloud empfiehlt Apache 2.4 mit Prefork MPM und »mod_php«. Bei den Datenbanken rät es zu MySQL oder Maria DB 5.5+, Oracle 11g, PostgreSQL oder SQlite. Bei SQlite ist zu bedenken, dass sich die Datenbank, wie der Name bereits vermuten lässt, eher für kleinere Datenmengen eignet. Owncloud unterstützt die gleichen Hypervisoren wie Nextcloud.

Virtuelle Maschinen

Die einfachste Art, beide Kandidaten selbst aufzusetzen, ist die Verwendung einer Appliance für einen Hypervisor wie VMware, Virtualbox, KVM oder Hyper-V. Eine Appliance ist in diesem Fall eine fertige virtuelle Maschine, die alle benötigte Software bereits mitbringt und nur wenige Konfigurationsschritte erfordert. Das hat Vorteile für Anwender, die nur wenig Kenntnisse über Linux und Serversoftware mitbringen.

Die Appliance mit Owncloud 10.0.8 [5] stammt von Univention und bringt neben dem Univention Corporate Server (UCS) den Owncloud-Server mit (Abbildungen 1 und 2). Auf diese Weise sollen rund 500 Anwender versorgt werden können. Außerdem bietet Bitnami [6] ebenfalls eine Appliance mit Owncloud an (Abbildung 3).

Abbildung 1: Die Univention-Appliance für Owncloud wird in Virtualbox importiert.

Abbildung 1: Die Univention-Appliance für Owncloud wird in Virtualbox importiert.


Abbildung 2: Die Standardwerte der UCS-Appliances für beide Anbieter sind in Virtualbox anpassbar.

Abbildung 2: Die Standardwerte der UCS-Appliances für beide Anbieter sind in Virtualbox anpassbar.


Abbildung 3: Die Bitnami-Appliance für Owncloud richtet ein selbst signiertes Zertifikat ein. Um ein echtes Zertifikat muss sich der Anwender selbst kümmern.

Abbildung 3: Die Bitnami-Appliance für Owncloud richtet ein selbst signiertes Zertifikat ein. Um ein echtes Zertifikat muss sich der Anwender selbst kümmern.

Neben der offiziellen Nextcloud-13.01-VM [7], die auf der Server-Variante von Ubuntu 16.04 LTS aufsetzt und ebenfalls für Microsofts Hyper-V im VHD-Format für Windows-Server verfügbar ist, gibt es hier auch eine Univention Nextcloud Appliance [8], die einen Univention Corporate Server (UCS) mit Nextcloud installiert. Beide UCS-Appliances basieren auf Debian und sind in der Standardeinstellung auf dynamisch zu füllende 50 GByte ausgelegt.

Die offizielle Nextcloud-VM hat einen sehr langsamen Download-Server und ist auf 20 GByte voreingestellt, aber bei Bedarf erweiterbar. Sie bietet als Standard ein selbst signiertes Zertifikat und zusätzlich ein Skript, um ein Zertifikat per Let’s Encrypt auszustellen. Die UCS-Appliance ist eine Enterprise-Ausgabe, die über LDAP und User-Management sowie optional über ein einsatzbereites Collabora Online als Office-Lösung verfügt und die sowohl Univention als auch Nextcloud mit bezahltem Support versorgen können.

Nextcloud-Snap

Ebenfalls unter Appliances sortiert Nextcloud ein Paket für das bei Canonical entwickelte Paketsystem Snap ein. Owncloud bietet derzeit kein aktuelles Snap an, die noch im Netz zu findenden Owncloud-Snaps von 2016 sollten nicht mehr benutzt werden. Das Nextcloud-Snap basiert derzeit auf Ubuntu 16.04 sowie auf dem Nextcloud-Server 12.05, es ist somit noch vertretbar aktuell.

Das Nextcloud-Snap [9] ist für die Architekturen i386, AMD64, ARMHF und PPC64EL verfügbar. Auf Systemen mit eingerichtetem Software-Shop »Gnome Software« kann die Installation direkt von dort erfolgen, ansonsten richtet der Admin das heruntergeladene Snap über ein Terminal ein. Auch hier lässt sich, wie bei den anderen Appliances, externer Speicher anbinden. Über die üblichen Konfigurationsmöglichkeiten hinaus, die Nextcloud mitbringt, erlaubt es dieses Snap, über den Befehl »snap set« weitere Einstellungen vorzunehmen.

So sind etwa die Ports für HTTP und HTTPS sowie das PHP-Limit änderbar. Zudem bringt das Snap einige zusätzliche Kommandozeilen-Utilities mit, um zum Beispiel einen Dump der Datenbank zu sichern oder Nextcloud im Terminal statt im Browser zu konfigurieren. Ein weiterer Vorteil des Nextcloud-Snap ist die Unterstützung von Release-Channels, womit man schnell zwischen der stabilen Version und einer Beta-Ausgabe wechseln kann.

Mit allen verfügbaren Appliances ist in rund fünf Minuten eine grundsätzlich einsatzbereite Owncloud beziehungsweise auch eine Nextcloud aufgesetzt. Dabei entsprechen die jeweiligen Images von Univention professionellen Ansprüchen und sind vielseitig erweiterbar.

Minimalvariante Webspace

Zur Installation auf einem Webspace haben beide Anbieter einen Web-Installer im Angebot. Der assistiert beim einfachsten Weg, die Anwendungen auf einem Webspace zu installieren (Abbildung 4). Der Web-Installer prüft zunächst die Abhängigkeiten, lädt ein aktuelles Owncloud oder Nextcloud vom offiziellen Server herunter, entpackt es mit den passenden Rechten und dem richtigen Benutzerkonto. Zum Schluss folgt die Weiterleitung zum jeweiligen Applikations-Installer. Wer Owncloud oder Nextcloud auf einem Webspace aufsetzen möchte, sollte im Vorfeld darauf achten, dass der Anbieter SSH-Zugriff erlaubt.

Abbildung 4: Der Web-Installer liefert mit sehr wenig Aufwand eine einsatzbereite Nextcloud. Der Anbieter des Webspace muss aber SSH-Zugriff erlauben.

Abbildung 4: Der Web-Installer liefert mit sehr wenig Aufwand eine einsatzbereite Nextcloud. Der Anbieter des Webspace muss aber SSH-Zugriff erlauben.

Auf dem eigenen Server

Die wohl am häufigsten verwendete Installationsmethode dürfte das Aufsetzen mit einem Tarball auf einem V- oder Rootserver im Netz sein. Es ist zudem die von den Anbietern empfohlene Methode für produktive Umgebungen. Dabei wird die heruntergeladene Server-Anwendung je nach Distribution üblicherweise ins entsprechende Unterverzeichnis von »/var« kopiert (oder in ein anderes Verzeichnis, auf das der Webserver Zugriff hat). Die eigentliche Installation findet im Web-Interface statt (Abbildung 5).

Abbildung 5: Im Web-Ordner unter »/var« liegen bei Debian nach der Installation die Dateien von Nextcloud mit angepassten Rechten.

Abbildung 5: Im Web-Ordner unter »/var« liegen bei Debian nach der Installation die Dateien von Nextcloud mit angepassten Rechten.

Auch hier ist die Installation einer der beiden Varianten für einen erfahrenen Admin schnell erledigt, wenn der LAMP-Stack erst einmal steht. Doch fällt hier etwas mehr Arbeit – bei insgesamt mehr Freiheit – an, um das System an die eigenen Wünsche anzupassen.

Für Owncloud gibt es zur Installation auf einem Server zusätzlich noch Pakete für diverse Distributionen [10], darunter Centos, Debian, Fedora, Open Suse, SLE, RHEL und Ubuntu. Hier sollte der Admin darauf achten, dass er die Pakete der jeweilige Distribution aktuell hält. Grundsätzlich ist es aber fraglich, ob es der richtige Weg ist, Webanwendungen aus Distributionspaketen zu installieren.

Docker und Hosting

Wer bereits eine Docker-Umgebung betreibt, findet bei beiden Anbietern fertige Images zur Containerisierung. Netxcloud-Community-Mitglieder bieten verschieden ausgelegte Docker-Images zum Download [11] an, die auf Apache/FPM oder Nginx basieren und meist die minimale Distribution Alpine zur Grundlage haben. Auch für Owncloud gibt es Docker-Images [12].

Wer sich die Arbeit einer wie auch immer gearteten Installation von Owncloud oder Nextcloud ersparen will oder wem die technischen Voraussetzungen für Installation und Administration einer solchen Serveranwendung fehlen, der kann auf einen der vielen Hosting-Dienste zurückgreifen, die für beide Anwendungen binnen kurzer Zeit eine fertige Installation erstellen. Die monatlichen Kosten dafür fangen bereits beim Preis einer Tasse Kaffee an.

Fertige Geräte

Für einen kleinen Home-Server bietet Nextcloud mit der Nextcloud Box [13] eine günstige Lösung auf Basis des Raspberry Pi. Allerdings ist das kleine Gerät mittlerweile schwer zu bekommen, da Hersteller Western Digital die WD Labs geschlossen hat. Eine solche Lösung können Linuxer aber auch recht einfach selbst bauen, etwa mit dem Nextcloud-Plus-Image [14], das bis vor Kurzem unter Nextcloud Pi bekannt war.

Alternativ eignen sich einige Boards von Odroid oder das potentere Rock64. Die Spreedbox [15] wendet sich eher an kleine Unternehmen und konzentriert sich auf private Video-Chats, Messaging und sicheren Datenaustausch. Die Firma Syncloud bietet Geräte für Raspberry Pi 3B+ oder Odroid C2 sowie eine Handvoll weiterer Boards bis hin zum kräftigen Odroid-XU2 an, die für beide Probanden sowie für Diaspora, Roundcube und Asterisk vorbereitet sind [16].

Fazit

Für einen ersten Blick bieten beide Anbieter einen Demo-Modus ([17], [18]). Sowohl das Angebot an Installationsoptionen als auch der Ablauf der Installationen unterscheiden sich nicht sonderlich bei Owncloud und Nextcloud. Das ist nicht weiter verwunderlich, bedenkt man, dass Nextcloud vor nicht ganz zwei Jahren aus Owncloud hervorging und große Teile des Basiscodes noch einander gleich sind.

Auch bei den Clients gibt es bisher kaum Unterschiede (Abbildung 6). Nextcloud hat leichte Vorteile bei der Vielfalt, das Nextcloud-Snap ist hier im Moment ein Alleinstellungsmerkmal. Dafür findet sich die Software von Owncloud auch in einigen Distributionen.

Abbildung 6: Noch nicht alle Distributionen bieten einen eigenen Client für Nextcloud. Dort ist derzeit noch der Client von Owncloud verwendbar.

Abbildung 6: Noch nicht alle Distributionen bieten einen eigenen Client für Nextcloud. Dort ist derzeit noch der Client von Owncloud verwendbar.

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