Nur rund vier Prozent der Bundesbürger haben derzeit Bitcoin. Gottseidank!, seufzen die Isländer.
Sie atmen nicht etwa auf, weil Käufer mit der Kryptowährung aberwitzig spekulieren: Im Jahr 2013 etwa stieg der Kurs binnen zwölf Monaten von 20 auf 1200 Dollar. Bis Mitte 2015 sank der Preis auf 200 Dollar. Danach ging es fast nur noch aufwärts. Im Jahr 2017 hat sich der Kurs des Bitcoin verfünfzehnfacht. Ab Ende Dezember brach er wieder um zwei Drittel ein. Wer sich darauf einlässt, muss wissen, was er tut. Die Nordmänner atmen auch nicht auf, weil die geringe Zahl der Interessenten Kriminellen wenig Angriffsfläche bietet, die immer wieder schlagzeilenträchtig gewaltige Summen an Bitcoin stehlen. So erbeuteten Hacker Ende letzten Jahres aus der slowenischen Onlinebörse Nicehash 4700 Bitcoin zum damaligen Wert von fast 70 Millionen Dollar.
Nein, die Erleichterung rührt daher, dass in den Weltgegenden, in denen ihre Schürfer die Hashes berechnen, die sie dem großen Kontobuch zur Bestätigung der Transaktion hinzufügen, wahrscheinlich die Lichter ausgingen, würde jeder mit Bitcoin handeln.
China ist so eine Gegend, wo es viel billigen Strom aus der Wasserkraft riesiger Staudämme gibt, oder eben Island, wo das eisige Klima die Rechenzentren auf natürliche Weise kühlt und rund 70 Prozent der Energie aus kostengünstiger Erdwärme oder Wasserkraft stammt. Eine Kilowattstunde Strom kostet in Island weniger als drei Cent. Strom aber verbrauchen die Bitcoin-Miner in gigantischer Menge: Schon jetzt nutzen die isländischen Geldschürfer genauso viel Strom wie alle Isländer zusammen.
Ist ihr Tagwerk, das Berechnen der Hashes, so kompliziert? Absurderweise ist das direkte Gegenteil der Fall: Die Hashes zu berechnen wäre sehr einfach, schnell und günstig. Doch genau deshalb muss man es künstlich verteuern. Denn für die Dienstleistung erhalten die Schürfer einen Obulus in Form von Kryptogeld. Könnte nun jeder Hunderte Hashes in Sekundenschnelle berechnen, dann wären die 21 Millionen Bitcoin, die es in diesem System maximal geben kann, im Handumdrehen für Vergütungen ausgegeben und es bräche zusammen.
Deshalb wird die Bestätigung und das Eintragen der Transaktionen in das globale Kontobuch künstlich mit der Lösung schwieriger Aufgaben verknüpft, die nur noch in speziellen Rechenzentren zu bewältigen sind. Und die fressen enorme Mengen Strom. Pro Bitcoin wird etwa so viel elektrische Energie verbraucht, wie von neun US-Haushalten am Tag. Der amerikanische Meteorologe Eric Holthaus schätzt in einem Aufsatz im Magazin Grist, dass bei der jetzigen Wachstumsrate der Bitcoin, die zu ihrer Erzeugung nötige Energie schon im Juli 2019 den Energieverbrauch der USA übersteigt, und im Februar 2020 den der heutigen Welt.
Ob diese Horrorprognose nun eintrifft oder nicht – Fakt ist: In einer Zeit, in der wir gegen den Klimawandel ankämpfen, werden zig Terawattstunden kostbarer Energie vergeudet, um die Ignoranz im Design einer Spekulantenwährung auszugleichen.






