Aus Linux-Magazin 05/2016

Erster Test: Raspberry Pi  3 Model B (Seite 3)

Raspbian unterstützt den WLAN-Adapter bereits, fürs Terminal gibt es Tools wie »wicd-curses« (Abbildung 3). Es empfiehlt sich, die Länder-Konfiguration des WLAN-Moduls anzupassen: »Preferences | Raspberry Pi Configuration | Localisation« , Knopf »Set WiFi Country« ; alternativ in der Datei »/etc/default/crda« den Eintrag »REGDOMAIN=DE« . Das stellt sicher, dass der Raspi tatsächlich mit der erlaubten Sendeleistung funkt und die in den USA verbotenen Kanäle 12 und 13 freischaltet.

Abbildung 3: Fürs Terminal bieten sich Konsolentools wie etwa »wicd-curses« zum Einloggen ins WLAN an.

Abbildung 3: Fürs Terminal bieten sich Konsolentools wie etwa »wicd-curses« zum Einloggen ins WLAN an.

Bluetooth und serielle Schnittstelle

Mit Bluetooth 4.1 lässt sich theoretisch eine große Auswahl von Peripheriegeräten mit dem Raspberry Pi 3 koppeln – Mäuse, Tastaturen, Headsets bis hin zu Smartphones. Bluetooth Low Energy kommt vor allem für IoT- und Smarthome-Anwendungen in Frage. Sensoren benötigen mit Bluetooth Low Energy nur eine kleine Batterie, um mehrere Jahre zu funktionieren. Die Auswahl der angebotenen Geräte reicht von Schrittzählern, Bewegungsmeldern bis hin zu Rauchmeldern und Schaltsteckdosen.

Bluetooth unter Linux erfordert, je nach Einsatzzweck, die Installation von weiteren Paketen und entsprechende Systemkonfiguration. Ein Bluetooth-Headset beispielsweise funktioniert erst mit dem Paket »pulseaudio-module-bluetooth« , da dieses das Profil »a2dp-sink« mitbringt. Simon Long, der User Experience Engineer der Raspberry Pi Foundation, arbeitet aktuell daran, wie sich die Bluetooth-Benutzerschnittstelle am besten in Raspbian integrieren lässt. Wer auf eine Plug&Play-Erfahrung mit Bluetooth hofft, muss sich aktuell noch auf Enttäuschungen einstellen.

Auch mit der Kodi-Distribution Open Elec [4] klappte Bluetooth im Test nur mit einem Keyboard. Ein längerer Beitrag in der Linux-Magazin-Schwesterzeitschrift “Raspberry Pi Geek” 03/16 [5], auf dem auch dieser Linux-Magazin-Artikel fußt, erklärt die Inbetriebnahme Schritt für Schritt. Smartphones oder Headsets zu verbinden scheiterte mit »Bluetooth Error protocol not available« .

Hardware-seitig erfolgte die Anbindung des Bluetooth-Moduls an den Raspberry Pi über die so genannte PL011-UART-Schnittstelle. Bislang stand sie über die Pins 8 und 10 des GPIO-Ports als serielle Schnittstelle zur freien Verfügung. Die Entscheidung für diese Änderung fiel laut Raspberry-Pi-Ingenieur Phil Elwell aus Stabilitäts- und Leistungsgründen. Die GPIO-Pins 8 und 10 sind dafür nun mit dem Mini-UART verbunden.

Der Mini-UART arbeitet nun aber mit 115 200 Bit pro Sekunde etwa achtmal langsamer als der PL011-UART und kennt kein Parity4. Außerdem besitzt er den Nachteil, an den Coretakt des Videocore IV gebunden zu sein – die Datenrate variiert also mit dem Takt. Elwell schlägt als Lösung vor, die Taktrate fest auf 250 MHz einzustellen. Alternativ ließen sich die beiden Schnittstellen auch austauschen oder Bluetooth mittels Devicetree-Overlay abschalten. Nutzer der seriellen Schnittstelle über GPIO sollten an diese Einschränkungen denken und entsprechende Einstellungen treffen.

Mittlerweile existiert ein Bluetooth-Protokoll in der Version 4.2, das unter anderem sicherheitsrelevante Aspekte überarbeitet hat, die Geschwindigkeit bestimmter Verbindungen verdoppelt und IPv6 für Endgeräte vorsieht. Abgesehen von vermutlich weiteren Möglichkeiten des BCM 43438 ist ein Teil des Standards rein in Software umsetzbar – im Fall von Linux im Bluetooth-Stack Blue Z [6].

Kommandozeile und Desktop

Wer eine SSH-Verbindung zum neuen Raspberry aufbaut, spürt bereits auf der Kommandozeile, dass dieser schneller reagiert. Auch auf dem grafischen Desktop laufen größere Brocken wie etwa Minecraft, Libre Office oder Sonic Pi deutlich flüssiger. Das Websurfen macht mehr Spaß, Eben Upton erwähnt, dass die Raspberry Pi Foundation überlegt, in Zukunft Chromium als Standardbrowser zu nutzen. Dann erhalten Nutzer hoffentlich Zugriff auf 1080p in Youtube.

Von Modell 2 auf 3 umsteigen

Um eine bisher in einem Raspi 2 genutzte SD-Karte in einem Raspi 3 weiterzuverwenden, sollte der Benutzer noch auf dem alten Modell das System mit

sudo apt-get update
sudo apt-get dist-upgrade

auf den aktuellen Stand bringen. Anschließend installiert er schon mal die Pakete für Wifi und Bluetooth. Falls in Benutzung muss er die Kalibrierung für sein (bisher korrekt konfiguriertes) Display-HAT erneuern.

Von »rpi-update« rät die Raspberry Pi Foundation mittlerweile ab – das Kommando sollte nur verwenden, wer besondere Gründe für ein Update des Kernels und der Firmware auf die Bleeding-Edge-Version hat.

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