Aus Linux-Magazin 10/2014

20 Jahre Linux im Magazin (Seite 2)

Diskettenstapel

Doch viele frühe Linuxer können selbst von den Schrecken des WWW nur träumen, ihnen fehlt der Internetzugang. Hier springt der Verlag ein: Der DELUG-Kopierservice der Articon GmbH, die das Linux-Magazin bis 1996 vertreibt, verschickt mit dem Heft eine Monatsdiskette, die “aktuelle Informationen aus dem Internet” enthält. Ein weiterer Geschäftsbereich bei Articon ist – neben dem Heft – der Verkauf von Software. Wer will, kann sie postalisch bestellen, etwa GCC (35 DM), einen Kernel mit Patches (21 DM), Emacs (35 DM) oder Xfree86 mit Erweiterungen (70 DM).

Kompilierunwillige finden im Anzeigenteil Hilfe: Version 1.3 der Deutschen Linux Distribution (DLD, [2]) vom Anbieter Delix (Abbildung 2), einem Vertriebspartner von Articon, ist in der Standardvariante für 129 DM zu beziehen und enthält 1,2 GByte freie Software samt “menügeführter Installation”. DLD basierte ursprünglich auf Slackware, wird nun aber vom Hersteller selbst entwickelt. Das ist in den 90ern ein valides Geschäftsmodell, übersteigen doch die Einwahlkosten für den Riesendownload fast jene, die im Versand oder in den Buchhandlungen anfallen.

Abbildung 2: Die Deutsche Linux Distribution bringt unglaubliche 1,2 GByte an Software mit.

Abbildung 2: Die Deutsche Linux Distribution bringt unglaubliche 1,2 GByte an Software mit.

Der Anbieter Unifix (Abbildung 3, [3]) will offenbar die Unix-Nutzer unter den Lesern für Linux erwärmen, auch Ralf Flaxa und Stefan Probst, die Macher von LST (Linux Support Team, [4]) schalten Anzeigen (Abbildung 4). Nur LSD fehlt – nicht die Modedroge der 60er, sondern die Lunetix Softwaredistribution. Die Firma Lunetix verkauft LSD laut Geschäftsführer Sebastian Hetze [5] bereits Ende 1992 über Buchhandlungen.

Abbildung 3: Unifix peilt als Zielgruppe offenbar Unix-Nutzer an, kann sich aber am Markt langfristig nicht behaupten.

Abbildung 3: Unifix peilt als Zielgruppe offenbar Unix-Nutzer an, kann sich aber am Markt langfristig nicht behaupten.

Abbildung 4: So traumhaft kann Linux sein – geht es nach den Machern von LST, die später Caldera-Linux entwickeln.

Abbildung 4: So traumhaft kann Linux sein – geht es nach den Machern von LST, die später Caldera-Linux entwickeln.

Nicht zuletzt inseriert im Linux-Magazin auch bald Deutschlands populärste Linux-Distribution: Suse [6]. Von Roland Dyroff, Thomas Fehr, Burchard Steinbild und Hubert Mantel im September 1992 gegründet, basiert es anfangs auf SLS (Softlanding Linux System), um später auf Patrick Volkerdings Slackware [7] zu wechseln und schließlich eine eigenständige Distribution zu werden.

Standort Deutschland

Tatsächlich sind noch heute einige der Menschen im Linux-Bereich aktiv, die das Linux-Magazin bereits seit rund 20 Jahren publizistisch begleitet. Ihre Biographien spiegeln auch die bewegte Geschichte rund um Linux in Deutschland wider. So etwa Dirk Hohndel [8]: Seit 2001 ist der Deutsche Chief Linux and Open Source Technologist bei Intel und in dieser Position auf zahlreichen Linux-Konferenzen anzutreffen. Er ist Kernelentwickler der ersten Stunde (seit Linux 0.11), hat in Würzburg studiert und grüßt zwischen 1995 und 2001 als CTO von Suse (Abbildung 5). Im Linux-Magazin taucht Hohndel zum ersten Mal im April 1995 auf, weil er auf dem Linux-Kongress spricht.

Abbildung 5: Ex-Vorstand der Suse Linux AG (v.l.n.r.): Johannes Nussbickel, Roland Dyroff, Dirk Hohndel.

Abbildung 5: Ex-Vorstand der Suse Linux AG (v.l.n.r.): Johannes Nussbickel, Roland Dyroff, Dirk Hohndel.

Der erwähnte Sebastian Hetze [9] verfasst ab 1992 das “Linux-Anwenderhandbuch”, hält 1995 die Keynote auf dem Linux-Kongress und ist zudem Urheber einiger Artikel im Heft. Zwischen 1995 und 1997 arbeitet Hetze als Distributor für die US-Firma Caldera [10], die mit ihrer Distribution für einige Schlagzeilen [11] sorgt (siehe Kasten “Die Caldera-Story”). Später gründet Hetze die Linux Information Systems AG [12] mit, bevor er als Senior Solution Architect zu Red Hat [13] wechselt.

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