Seit 10. Juni schickt Red Hat eine neue Major-Release seiner hauseigenen Enterprise-Distribution auf die Piste: RHEL 7. Das Linux-Magazin schaut, welchen Kurs das Produkt einschlägt.
Wer sich derzeit das Treiben der Linux-Hersteller im Enterprise-Umfeld ansieht, dem kommt schnell das Bild vom Elefantenrennen auf der Autobahn in den Kopf: Zentimeter um Zentimeter schieben sich Ubuntu, Red Hat und Suse aneinander vorbei, jeder versucht seine Position am Markt durch neue Major-Versionen der jeweiligen Enterprise-Systeme zu zementieren. Große Fortschritte, ja gar Sprünge oder rasante Überholmanöver sind da nicht zu erwarten, will doch jeder der Marktteilnehmer Solidität und Leistungsfähigkeit durch Ausdauer und Konstanz beweisen.
Enterprise-Distributionen sind ohnehin ein Kuriosum in der sonst eher schnelllebigen FLOSS-Welt. Der Deal ist einfach: Canonical, Red Hat und Suse werfen ein Produkt auf den Markt und gehen zugleich die Verpflichtung ein, dieses Produkt über einen Zeitraum von mindestens x Jahren zu warten. Admins können also in langen Wartungszyklen von fünf Jahren und mehr denken und haben nicht alle zwei Jahre ein Major-Update vor sich, sogar Langzeitsupport gibt es gegen teures Geld [1].
Oberste Maxime: Stabilität!
Im Gegensatz zu den Desktop-Distributionen konzentrieren sich die Enterprise-Varianten vorrangig auf Stabilität. Red Hat und Suse haben in Form von Fedora und Open Suse ihr eigenes Versuchslabor, in dem sie Features testen, bevor diese ihren Weg in das Enterprise-Produkt der Firma finden.
Das legt auch die Latte für Bugs höher: Weil RHEL, SLES & Co. einer deutlich stärkeren Kontrolle unterliegen, bringt jedes Update mehr Arbeit als bei den Community-Distributionen. Und so weigert sich Red Hat beispielsweise, Kernelupdates oder auch nur aktuellere Versionen von den Paketen der Enterprise-Distribution zu verteilen. Neue Funktionen kommen in späteren Minor-Releases vielleicht als Tech-Preview hinzu, doch sicher ist das keineswegs.
Angesichts einer neuen Major-Release sind deshalb stets alle Augen auf das neue Produkt gerichtet. Was Red Hat in der Version 7.0 falsch macht, hängt dem Unternehmen schließlich eine lange Zeit nach. Das Red-Hat-Marketing sieht das freilich anders und meint in guter amerikanischer Tradition, “das Betriebssystem neu definiert” zu haben. Was RHEL 7 [2] wirklich kann, was sich im Vergleich zur Vorversion getan hat und ob sich das Update lohnt, zeigt dieser Artikel.
Die Installation
Eigentlich ist die Installation eines Linux-Systems nichts Besonderes mehr, gerade nicht in Zeiten bunter Installationsroutinen. Red Hat ist in RHEL 7 seinem Anaconda-Unterbau treu geblieben und garniert diesen mit einer simplen grafischen Oberfläche (Abbildung 1).
Trotzdem wartet so mancher Fallstrick auf den Admin. Denn wer sich für die Konfiguration nur an den Icons im Installer orientiert, die mit einem roten Ausrufezeichen versehen sind, hat am Ende zwar eine lauffähige RHEL-7-Installation, doch fehlt dieser praktisch alles, was für effektive Arbeit notwendig ist – ein Hostname, ordentliches Netz, Perl sowie eine grafische Oberfläche sind dafür nur einige Beispiele (Abbildung 2).








