Aus Linux-Magazin 11/2013

Bücher über Shellprogrammierung sowie über C++

Das Linux-Magazin hat sich diesmal zwei dicke Bände vorgenommen: Der erste ist deutschsprachig und beschäftigt sich mit Shellprogrammierung, der zweite ist in Englisch verfasst und stellt die Sprache C++ aus dem Blickwinkel ihres Erfinders Bjarne Stroustrup dar.

Auf dem Buch “Shellprogrammierung” (vierte, überarbeitete Auflage) prangt als Untertitel “Das umfassende Handbuch”. Mit 800 Seiten übertrifft es aber die übliche Handbuchgröße deutlich. Im Grunde unnötig, denn es enthält viele Kapitel, die mit Shellprogrammierung gar nichts zu tun haben: Wichtige Linux-Kommandos sind mit dem Thema ja noch verwandt, aber die Kapitel über HTML, CGI-Programmierung und Gnuplot scheinen doch mehr der Pflicht geschuldet zu sein, das Buch vollzukriegen.

Shell und mehr

Die enthaltenen Linux-Kommandos zeigen, dass das Buch sich aber nicht nur als Handbuch für die Shellprogrammierung versteht, sondern eher als Handbuch für den Alltag des Sysadmin gedacht ist – zu dem auch die Shellprogrammierung gehört. Für die Zielgruppe der angehenden Admins ist das Buch also durchaus zu empfehlen. Wer sich aber mit Linux/Unix auskennt und gezielt ein Buch über die Shellprogrammierung sucht, ist nicht so gut bedient.

Das umso mehr, als das Buch hier eben nicht “umfassend” angelegt ist. Die Autoren behandeln zwar neben der Bash auch andere wichtige Shells (wie »sh« oder »ksh« ) und gehen – wenn nötig – auf Unterschiede ein, aber die Neuerungen der Bash 4 erwähnen sie überhaupt nicht. Das ist ein schweres Manko, denn die aktuelle Version der Bash ist mehr als vier Jahre alt und inzwischen Standard auf den meisten Systemen.

Darüber hinaus leistet sich dieser Band eine Reihe schwerer Patzer rund um das Quoting, etwa bei der Erklärung des Unterschieds zwischen »$*« und »$@« . Das wird Anfängern nicht auffallen, aber gerade das Quoting muss einfach stimmen, sonst wird der angehende Programmierer jahrelang mit Fehlern in seinen Skripten kämpfen.

Diese Mängel sind bedauerlich, denn das Buch ist didaktisch gut aufgebaut, schön gedruckt und die Mischung aus Theorie und Praxis ist ansprechend. Störend wirkt nur eine Reihe völlig unnötiger Anglizismen, in den Kapitelüberschriften etwa “Bash und Kornshell only”. Hier hätte das Lektorat eingreifen müssen.

Info

Jürgen Wolf, Stefan Kania:

Shell-Programmierung

Galileo Computing, 2013

800 Seiten

40 Euro (Online-Ausgabe 35 Euro)

ISBN 978-3-8362-2310-2

C++-Bibel aktualisiert

Mit gut 1300 Seiten zählt “The C++ Programming Language” von Bjarne Stroustrup in der vierten Auflage ebenso viele Seiten wie der aktuelle C++-Standard, der Grundlage des Buches ist. Alleine 60 Seiten widmet der Erfinder von C++ dem Index.

Das Buch genießt seit seiner ersten Auflage einen legendären Ruf. Gilt es doch einerseits als die C++-Bibel, andererseits als ein Buch, das den Einsteiger aufgrund seines Umfangs und seiner Akribie zu erschlagen droht. Diesem Ruf wird auch die aktuelle Auflage gerecht.

Es besteht aus vier Themenblöcken, die in mehrere Kapitel aufgeteilt sind. Bevor Bjarne Stroustrup auf gut 300 Seiten die Grundlagen der Programmiersprache darlegt, gibt er eine Einführung in C++ im Allgemeinen und in sein eigenes Werk im Besonderen. Dabei versteht er unter den Grundlagen von C++ den C-Kern. Auf die Grundlagen in C folgen die Abstraktionen in C++. So beschäftigt Stroustrup sich im zweiten Drittel des Werkes mit objektorientierter und generischer Programmierung.

Den Abschluss bildet die Standardbibliothek. Das umfasst die Standard Template Library, die I/O-Streams, die neuen Bibliotheken für reguläre Ausdrücke und Smart Pointer, aber auch die neue Multithreading-Funktionalität von C++. Der Autor stellt nicht nur C++ mit vielen Codebeispielen und großer Liebe zum Detail vor, er belegt die Theorie auch mit Verweisen zum C++-Standard, setzt sie in mehreren Beispielen zu String-, Datum- und Vektorklassen um und beendet jedes Kapitel mit einigen Ratschlägen.

Neben der vielen Theorie und Praxis zieht sich aber ein Aspekt wie ein roter Faden durch das ganze Werk und hat ihm den Ruf einer Bibel eingebracht: Bjarne Stroustrups Vorstellung von gutem C++-Stil, den er immer und immer wieder vermittelt. Ein großartiges Buch, das enormes Detailwissen mit der Vorstellung von gutem C++–Stil auf einzigartige Weise verbindet.

Info

Bjarne Stroustrup:

The C++ Programming Language

Addison-Wesley, 2013 1370 Seiten

50 Euro

ISBN: 978-0-3215-6384-2

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