Das Linux-Magazin nimmt zwei Programmierbücher unter die Lupe: Das eine führt in die 3-D-Programmierung ein, das andere absolviert einen Schnelldurchgang durch Googles Sprache Dart.
Mit der aktuellen Generation von Smartphones und Browsern ist die 3-D-Bibliothek Open GL auch auf den kleinsten Geräten angekommen. Passend dazu findet sich Gerhard Virags “Grundlagen der 3D-Programmierung” auf dem Buchmarkt.
Überall 3-D
Neun Kapitel machen den Leser mit verschiedenen Aspekten der 3-D-Programmierung bekannt, angefangen von der Rendering Pipeline über die Repräsentation von Objekten bis hin zu Licht, Farbe und Texturen. Dabei betrachtet der Autor auch Randbereiche wie das Laden von Geometrien, Selektion von Flächen oder die Kollisionsrechnung. Den Abschluss bildet eine Open-GL-Referenz.
Damit würde sich das Buch kaum von anderen Titeln abheben, wäre nicht die umfangreiche Behandlung der Hintergründe. Passend zum jeweiligen Abschnitt erläutert es die Vektorrechnung, Graphentheorie oder Koordinatensysteme. Erst danach geht der Verfasser anhand von Beispielen auf die Umsetzung ein, als Programmiersprache dient Java.
Mit der starken Betonung der zugrunde liegenden Konzepte möchte dieser Band dem Leser das notwendige Rüstzeug vermitteln, um effizient mit Open GL zu arbeiten. Die Erläuterungen im Buch erlauben etwa ein besseres Verständnis der Kameraposition oder der Kollision zwischen Gegenständen.
Leider gelingt es Gerhard Virag nicht immer, die Balance zwischen Grundlagen und Umsetzung zu halten. Gerade für Neueinsteiger in die Open-GL-Programmierung kommt die Praxis zu kurz. Hier fehlen Beispiele auf “Hello World”-Niveau sowie Informationen über die notwendige Kompilier- und Laufzeitumgebung. Die zum Buch gehörenden Beispiele sind ohne Anpassung nur unter Windows nutzbar.
Für die ersten Schritte sollte man ein praxisorientierteres Buch oder die Beispiele unter http://nehe.gamedev.net zu Rate ziehen. Wer damit die notwendig Flughöhe erreicht hat, findet in Virags Buch einen guten Begleiter hin zum tieferen Verständnis von Open GL und zur Umsetzung eigener Bildideen.
Info
Gerhard Virag:
Grundlagen der 3D-Programmierung
Open Source Press, 2012
740 Seiten
60 Euro
ISBN 978-3-941841-75-8
Dart im Schnellgang
Google propagiert die hauptsächlich im eigenen Haus entwickelte Programmiersprache Dart als Javascript-Ersatz. In ihr sollen vor allem Webanwendungen entstehen, der Code läuft wahlweise in einer eigenen virtuellen Maschine oder lässt sich in Javascript umwandeln.
Die beiden Mitentwickler Kathy Walrath und Seth Ladd richten sich mit ihrem Buch “Dart Up and Running” an alle Programmierer, die Dart erlernen und anwenden möchten. Sie setzen dabei Kenntnisse in der objektorientierten Programmierung sowie im Schreiben von Webanwendungen voraus.
Mit gerade mal 140 Seiten ist das englischsprachige Büchlein recht dünn, spricht aber dennoch alle Bestandteile der Sprache an. Im ersten Teil stellen die Autoren Dart mit seinen Fähigkeiten kurz vor, darauf folgt eine leicht verständliche Sprachreferenz. Die Verfasser erklären dabei Syntax, Schlüsselwörter und Konzepte – vorwiegend in kurzen, praxisnahen Beispielen, nähere Erläuterungen oder Tipps gibt es nur in homöopathischer Dosierung.
Die nächsten 40 Seiten stellen nach dem gleichen Prinzip die Klassen der Standardbibliothek vor. Ein weiteres Kapitel verrät, wie man die notwendigen Werkzeuge und den Compiler in Betrieb nimmt. Der letzte Teil zeigt schließlich, wie Programmierer mit Dart eine kleine Webanwendung schreiben. Dieser eigentlich äußerst interessante Praxisteil ist jedoch mit nur zehn Seiten viel zu kurz geraten. Insgesamt entsteht der Eindruck, als würden die Autoren ihre Leser im Sturmschritt durch Dart hetzen.
“Dart Up and Running” würde sich als handliches Referenzhandbuch für Dart-Entwickler empfehlen, wäre die Entwicklung der Skriptsprache schon abgeschlossen. Die erste Auflage des Buches bezieht sich noch auf Milestone 1 der Sprachspezifikation, zum Redaktionsschluss aktuell war Milestone 4.
Das Buch ist unter Creative-Commons-Lizenz auf http://www.dartlang.org/docs/dart-up-and-running/ kostenlos zu haben. Dart-Interessierte können sich daher die 16 Euro für die gedruckte Ausgabe sparen. (mhu)







