Android sei “wichtig, aber nicht entscheidend” sagte Google-Chef Larry Page im August 2011. Das klingt seltsam bescheiden und ein bisschen widersinnig angesichts des Umstandes, dass der Konzern im selben Monat bekannt gab, für umgerechnet 8,8 Milliarden Euro die Mobiltelefon-Sparte von Motorola zu kaufen. Das ist als würde ein Ölkonzern eine Autofabrik kaufen, und der Chef erklärt, dass Benzin wichtig, aber nicht entscheidend sei.
Dass Analysten, Großaktionäre und die Presse Page damals nicht dafür durchs Dorf getrieben haben, liegt einzig daran, dass diese Aussage vor einer Kamera fiel und das Video erst jetzt öffentlich wurde. Der Ort der Filmvorführung, ein Gerichtssaal in Kalifornien, zeigt den Inhalt der Google-Chef-Einlassung zudem in einem neuen Licht. Hier materialisiert sich (im Wortsinne) gerade ein erbitterter Streit um Patente und Nutzungsrechte an Java. Klage führt Oracle, seit Januar 2010 dank des Erwerbs von Sun Microsystems im Besitz der Technologie.
Die Anwälte von Oracle führen an, Android benutze 37 Java-APIs ohne Lizenzgebühren dafür zu zahlen. Patente spielen im Verfahren, das auf acht Wochen angesetzt ist, eine viel kleinere Rolle als erwartet. Von den ursprünglich sieben angeblich verletzten Patenten blieben bis zum Prozessbeginn noch zwei übrig. Entsprechend sank Oracles Schadensforderung von 6,1 Milliarden auf rund eine Milliarde Dollar.
Larry Page musste auch persönlich vor Gericht aussagen. Er gab sich zugeknöpft und behauptete: “Ich glaube, wir haben nichts falsch gemacht.” Man möchte ihm zustimmen, denn Sun gab bereits Ende 2006 bekannt, die komplette Java-Technik unter die GPLv2 stellen zu wollen. Im Mai 2007 meldete sie für den Großteil der Technik den Vollzug. Andererseits hegten die Apache Software Foundation und die Arbeitsgruppe Linux Standard Base schon immer den Verdacht, die Lizenzbedingungen für Oracles Java Compatibility Kit (JCK) enthielten unfreie Restriktionen.
Ein anderer Milliardär mit Namen Larry, Oracle-Boss Ellison, sollte im Zeugenstand für Klarheit sorgen. Auf die Frage, ob Java frei sei, strich der für seine schillernden Auftritte bei großen Regatten bekannte Ellison die Segel: “Ich weiß es nicht.” Seine Unwissen kann er sich gut im Internet angeeignet haben, denn die einstige Standardseite von Sun zu dem Thema, http://www.sun.com/software/opensource/java/faq.jsp, macht mittlerweile eine Weiterleitung auf die zwar wortreiche, aber in Lizenzfragen nahezu inhaltsleere Oracle-URL http://www.oracle.com/us/sun/index.htm.
Softwarepatente und unklare Lizenzlage – der Streit eignet sich als Lehrbuchbeispiel, das für die GPL und deren vier Freiheiten spricht. Da blockiert ein Konzern den anderen. Dabei sind beide mit großen Portfolien an wettbewerbsfähigen Produkten und Dienstleistungen gesegnet. Statt ihre Umsätze mit weiteren Innovationen auszubauen, bevölkern wohlgenährte Anwaltsheere die Schlachtfelder.
Ellison scheint es nicht zu mögen, wenn jemand vor ihm über die Ziellinie geht. Gegen das Reglement der 33. Ausgabe des wichtigsten Segelrennens der Welt, den America’s Cup, hatte er 2007 für sein Team “BMW Oracle Racing” vor dem Supreme Court von New York eine Klage eingereicht. Das Ganze wurde eine große Hängepartie. Am Ende fuhren noch zwei Boote und kaum einer schaute zu. In den nächsten paar Wochen beim Prozess in Kalifornien aber, lohnt es hin zu schauen, welcher Larry welchem Larry den Wind aus den Segeln nimmt.






