“20 Jahre Linux!” – klingt beinahe wie ein Firmenjubiläum mit Schnittchen, 250 Euro Treueprämie und Ansprache vom Chef, der mit einer Mischung aus Verklärung und Milde auf die Ereignisse der Unternehmensgründung zurückblickt. Zum Glück verhindert Linux’ dezentrale Organisationsstruktur derartige Feierlichkeiten, wo in der Kantine die neben einem Gummibaum passend platzierte populärmusikalische Kapelle den kulturellen Rahmen bildet.
Ohne Kanapees, Kantinen-Band und Chef in Feierlaune (“Na, Lehmann, wie lang sind Sie denn eigentlich schon bei uns?”) entfällt für Linux allerdings auch jener Sammelpunkt, der für die Community als Basislager für den Aufstieg in die dritte Dekade nicht unpraktisch wäre.
Die Linux Foundation, Gralshüterin des Markennamens und Gehaltsscheck-Emittentin für Linus, versucht sich mit einem Quiz auf Facebook, hat einen T-Shirt-Design-Contest veranstaltet und einen Videowettbewerb. Ein bisschen Aufsehen erregte nur letzterer, weil ausgerechnet Microsoft ein Bewegtbild eingereicht hat und damit Sinn für (Selbst-)Ironie bewies. Wahrscheinlich darf man von einer Stiftung auch nicht zu viel erwarten. Die anderen Linux-zentrierten Industrievereinigungen und Verbände sind der Öffentlichkeitsarbeit über die eigenen Interessen hinaus sowieso eher unverdächtig.
Der außerhalb der Kernelmailingliste reichlich introvertierte (und pressescheue) Linus Torvalds ist in Sachen Sinnstiftung keine große Hilfe. Es verlangt zwar niemand, dass er bei drohenden Erfolgen wie Steve Ballmer exaltiert über Bühnen hüpft. Aber eine klitzekleine programmatische Rede dürfte er schon halten, eine über die die IT-Welt monatelang spricht. Überraschend müsste sie sein, beispielsweise weil er darin eine, wenn auch niedrige, Frauenquote bei der Kernelentwicklung fordert: “Es muss ein Rock gehen durch Linux-Land!”
Immerhin, und das ist nicht wenig, hat die finnische Lichtgestalt den bevorstehenden Versionssprung auf 3.0 bekannt gegeben – zur Erinnerung: Der Kernel 2.6.0 datierte auf den Dezember 2003. Dass mit Linux 3.0 keine technische Revolution einhergeht, ist für die Wirkung in der Öffentlichkeit zwar nicht optimal, liefert aber keinen Grund für Kritik. Die “Release early, release often”-Empfehlung entspricht der Entwicklungspraxis für freie Software. Die sich ergebende Transparenz lädt jedermann zur Mitwirkung ein – und ist das stärkste Recruitinginstrument für freie Projekte.
20 Jahre Linux – und keiner kriegt’s mit? Erstens: Dass Apple am 1. April sein 35-Jähiges gefeiert hat, ist das jemandem aufgefallen? Zweitens: Nicht die Null bei der Jahreszahl treibt die Imagemaschine an, sondern die Genialität und Ausdauer aller Mitwirkenden. Und hier hält Linux alle Trümpfe in der Hand. Die geschickt auszuspielen, wird es Gelegenheiten in den nächsten 20 Jahren zur Genüge geben. In diesem Sinne:





