Aus Linux-Magazin 08/2010

Appliance NA 820 mit Ebox Linux im Test

Aus der deutschen Provinz kommt eine Appliance mit Open-Source-Software, die sich laut Hersteller für Leute eignet, die “eine Alternative zu ihrer bisherigen Windows-Serverumgebung suchen”.

“Lauschige Wege treffen auf herrschaftliche Residenzen wie Schloss Oranienstein und das Grafenschloss. Diez zeigt ein gekonntes Zusammenspiel von Natur und Kultur.” Diez, ein rheinland-pfälzisches 10 000-Seelen-Idyll an der Grenze zu Hessen [1], ist dank der ICO Innovative Computer GmbH auch in Sachen Computer kein weißer Fleck auf der Landkarte. Seit 1991 vertreibt die Firma selbst importierte Hardware, darunter drei Appliances mit dem Ubuntu-Server-Derivat Ebox ([3], [4]):

  • NA 811 mit Intel Celeron-M (1 GHz), 1 GByte RAM,
    160-GByte-Platte, vier LAN-Ports, Preis: 535 Euro
  • NA 200 mit Intel-EP80579-Prozessor (1,2 GHz), 1 GByte RAM,
    160-GByte-HD, sechs LAN-Ports, Preis: 640 Euro
  • NA 820 mit Intel-Celeron-430-Prozessor (1,8 GHz), 2 GByte RAM,
    160-GByte-Platte, sieben LAN-Ports, ein PCI und ein Mini-PCI,
    Preis: 830 Euro

Das Linux-Magazin hat sich das größte Modell mit einer Standardinstallation ins Labor geholt, das zum Einbau in einen Serverschrank gedacht ist.

Appliance NA 820


Anbieter: ICO [2]

Gehäuse: 19 Zoll, 1 HE, Einbauwinkel im Lieferumfang

Prozessor: Intel Celeron 430 (1,8 GHz)

Speicher: 2 GByte RAM, 2,5-Zoll-SATA-Festplatte mit 160 GByte

Schnittstellen: Sieben 1-GBit/s-LAN-Ports (Intel-Chipsatz), ein serieller Konsolenport, zweimal USB

Preis: Rund 830 Euro, Direktvertrieb und über Fachhändler

Hyperventilieren

Neben einem LED-Display weist das Gehäuse vier weiße Knöpfe auf, deren Funktion den Testern jedoch verborgen blieb. Nach dem Anschluss des Geräts an den Strom fällt zuerst der relativ laute Lüfter auf, der den Einsatz außerhalb eines Serverraums ausschließt. Auf dem LCD-Display erscheint nach einigen Augenblicken eine Meldung, die aber keinen Aufschluss über den Bootzustand gibt.

Wer das mitgelieferte Kabel an den seriellen Port stöpselt, bekommt mit einem Terminalprogramm den Bootvorgang inklusive der Bios-Meldungen zu sehen. Danach kann sich der Administrator auf der seriellen Konsole einloggen und das System verwalten. Auch die Weboberfläche des Testgeräts war dank vorkonfigurierter IP-Adresse sofort per Ethernet erreichbar.

Weniger durchdacht dagegen ist das Fehlen eines Netzschalters – wer das Gerät heruntergefahren hat, muss erst für 10 Sekunden den Stecker ziehen, bevor es wieder losläuft. Laut ICO ließe sich zwar an der Platine ein Netzschalter anschließen, jedoch fehlt für diesen ein geeignetes Loch im Gehäuse. Abbildung 1 zeigt das Innenleben des Geräts.

Abbildung 1: Wer die Appliance öffnet, findet ein sauber aufgebautes Innenleben.

Abbildung 1: Wer die Appliance öffnet, findet ein sauber aufgebautes Innenleben.

Zähes Netzwerk

Mit seinen sieben Ethernet-Buchsen bietet sich das NA 820 eigentlich als Firewall selbst für komplexere Netze an. Ein Durchsatztest mittels Netperf zeigte jedoch, dass die Maschine pro Schnittstelle gerade mal 100 MBit/s erreicht – was das Gerät als Firewall mit hoher Netzwerklast wenig geeignet erscheinen lässt.

Die eingebaute 160-GByte-Festplatte ist für die meisten Anwendungsfälle hinreichend, für einen Fileserver sicher nicht. Die Tester machten auf der Platte eine Root-, eine Swap und eine LVM-Partition aus, auf der wiederum »/home«, »/var« und »/var/mail« als Volumes eingerichtet sind. Trotz Volume Manager sind die Erweiterungsmöglichkeiten beschränkt, da das Gehäuse keinen Platz für eine zweite Festplatte bietet – nur externer USB-Storage ist möglich. Nur über ein USB-Laufwerk gelingt auch die Neuinstallation des Systems, falls nötig. Für ein Netzwerk-Install bedürfte es laut ICO eines Firmware-Upgrade.

Administrieren per Weboberfläche

Die Linux-Distribution Ebox 1.5, die auf der Appliance läuft, basiert auf Ubuntu 10.04 und einem 2.6.32er-Kernel [3]. Für einzelne Dienste wie Samba oder DHCP existieren spezielle Ebox-Pakete, die neben der Serversoftware auch die Komponenten der Weboberfläche installieren, sodass der Admin die Dienste über den Browser verwalten kann.

In der vorinstallierten Version ist nur das Firewall-Modul installiert. Das Login auf die Weboberfläche erfolgt nur mit Passwort ohne den Usernamen, tatsächlich handelt es sich um das Root-Passwort, mit dem auch ein Login auf der Konsole oder per SSH gelingt. Auf der Startseite findet der Admin eine Übersicht des Systems mit Lastdaten der Interfaces und einem Status der installierten Module, wie in Abbildung 2 dargestellt.

Abbildung 2: Das Dashboard von Ebox nach dem Einloggen. Es zeigt Lastdaten der Interfaces und den Status der installierten Module. Wie bei Webapplikationen üblich, lokalisiert sich das Menü links.

Abbildung 2: Das Dashboard von Ebox nach dem Einloggen. Es zeigt Lastdaten der Interfaces und den Status der installierten Module. Wie bei Webapplikationen üblich, lokalisiert sich das Menü links.

Von hier gelangt er in den Core-Bereich des GUI, wo er die Netzwerkschnittstellen, das Routing und DNS, aber auch PPPoE oder ein VLAN konfiguriert. Praktisch: Sobald der Administrator ein weiteres Modul installiert, erweitert dieses gleichzeitig die Weboberfläche um einen neuen Eintrag, einsortiert unter einer passenden Oberkategorie.

Pros und Kontras

Den Testern gefiel, dass sich die Benutzerverwaltung der Geräts integrationsfreundlich an ein vorhandenes Active Directory oder einen LDAP-Server anbinden lässt. Gleichfalls durchdacht: Das Aktivieren eines Dienstes per GUI schaltet gleich passende Firewallregeln scharf. Tipp: Für den Einsatz als Groupware- oder Fileserver sollte der Admin das Ebox-Backup-Paket installieren, das Daten automatisch und mit Exclude-Listen sichert.

Auf wenig Gegenliebe im Test stieß der Umstand, dass trotz aktiviertem Ebox-Repository das Installieren von Softwarepaketen nur über die Linux-Kommandozeile gelangt. Software-Updates lassen sich zwar über das GUI und auch automatisiert anstoßen, der Admin muss dafür aber erst das entsprechende Ebox-Paket installieren – auf der Kommandozeile.

Fazit

Die Pakete des eingesetzten Ebox Linux decken eine große Palette an Serverfunktionen ab, sodass die Appliance NA 820 verschiedenste Dienste in einer Firma zu erbringen in der Lage ist. Um Redundanz zu schaffen, ist dann der Anschluss einer zweiten Festplatte oder ein anderer Backup-Mechanismus angeraten. Dem vielleicht angesagtesten Anwendungsfall der Appliance als Firewall steht die Kombination aus CPU und Netzwerkkarten entgegen, die für Gigabit-Tempo in größeren Netzen zu schwach ist. (jk)

Infos

[1] Diez: [http://www.stadt-diez.de]

[2] ICO: [http://www.ico.de]

[3] Ebox: [http://www.ebox-platform.com]

[4] T. Schürmann, “Server einfach administrieren mit Ebox”, Admin: Netzwerk & Security:[http://www.admin-magazin.de/content/server-einfach-administrieren-mit-ebox]

Der Autor

Konstantin Agouros arbeitet bei der N.runs AG als Berater für Netzwerksicherheit, insbesondere für die von Mobilfunknetzen. Sein Buch “DNS/DHCP” ist bei Open Source Press erschienen.

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