Aus Linux-Magazin 05/2009

Biss bald!

Den Tag verbringt er meist schlafend in seiner Souterrain-Eigentumswohnung. Wird es dunkel, trabt er zum Essen, nun, eher zum Fressen: Der stämmige Fleischliebhaber stopft pro Nacht Portionen in sich hinein, die 15 Prozent seines Körpergewichts entsprechen. Lagert er im Zuge seiner Fressattacken Fett an, dann vorrangig – die Wahrhaftigkeit verlangt danach, es so offen zu sagen – im Schwanz.

Jan Kleinert, Chefredakteur
Wenn er beim Buhlen um eine Dame auf Seinesgleichen trifft, reagiert er tierisch cholerisch, schreit herum und bekommt ganz, ganz rote Ohren. Was mag Linus Torvalds und Rusty Russell bewogen haben, dieses zivilisatorisch unterbelichtete Individuum aufs Schild zu heben, indem sie ihm den Kosenamen Tuz verpassen? Mehr noch, die Kernel-Obristen rufen zu Spenden für den feisten Teufel auf und schicken seinetwegen Tux, den stets treuen Begleiter seit Version 2.0, in Kurzarbeit.
Tuz soll für die Dauer der Version 2.6.29 dem harmlosen Südpolwatschler die Linux-Show stehlen. Doch Halt! Man ahnt: Torvalds und sein Team hatten beim Aushecken von Tux’ Temporärentmachtung wie gewöhnlich alle Open-Source-Sammeltassen im Schrank. Der aggressive Fresssack mit den Glüh-Ohren verdient tatsächlich unsere Zuneigung. Tuz, den tasmanische Teufel, trifft nämlich ein schweres Schicksal. Das zu der Familie der Raubbeutler gehörende, rund 60 Zentimeter große und sechs bis acht Kilo schwere Tier ist akut vom Aussterben bedroht.
Schuld für de aktuelle Misere trägt ausnahmsweise mal nicht der Mensch – obgleich der im 19. Jahrhundert Abschlachtprämien auslobte. Schuld ist DFTD (Devil Facial Tumour Disease), eine wahrscheinlich direkt von Tier zu Tier übertragene Krebsart, die am Gesicht des Tieres wuchert und unweigerlich zum Tod der Beuteltiere führt. Seit 1996 grassiert die Krankheit unter dem Tierbestand der zu Australien gehörenden Insel Tasmanien und hat bislang ein Viertel, vielleicht sogar die Hälfte der Population dahingerafft.
Uns Linux-Verbraucher lehrt das Sabbatical von Tux erstens, dass die Marke Linux bereits derart gut eingeführt und positiv besetzt scheint, dass Schwächere von ihrer Stärke profitieren – so hoffentlich der bedrohte Beutelteufel von ein paar Spenden. Und zweitens, dass es vielleicht ganz hilfreich wird, wenn mal einer ohne jede Beißhemmung den friedfertigen Fischfreund Tux doubelt. Tuz, der größte noch lebende Raubbeutler, besitzt nämlich von allen Säugetieren den kräftigsten Biss überhaupt! Da krachen die Knochen von Beute und Gegnern nur so – von dieser Eigenschaft darf das Linux-Marketing ruhig ein bisschen partizipieren.
Linux-Kontrahenten, die sich ihrer Dino-Größe wegen weiterhin auf der sicheren Seite wähnen, sei ein bisher verschwiegenes Detail zur Kenntnis gegeben: Echauffiert sich der tasmanische Teufel so richtig doll, verströmt der Krummbeinige laut Wikipedia einen „beißenden Geruch, der in seiner unangenehmen Intensität dem des Stinktieres nicht nachsteht“

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