Aus Linux-Magazin 12/2008

Aqua Data Studio 7.0 im Test

Ein Alleskönner unter den Datenbankwerkzeugen, das Aqua Data Studio des kalifornischen Herstellers Aquafold, erschien eben in neuer Version. Ein Test zeigt, ob es sich lohnt, ein- oder umzusteigen.

Aqua Data Studio (ADS) will mehr sein als ein einfacher SQL-Editor. Es bietet sich an als grafische Zentrale für alle datenbankbezogenen Aufgaben, gleich ob Abfrage, Entwurf, Entwicklung oder Administration, egal ob für Oracle, DB2, MySQL, Sybase, Microsoft SQL Server und mit Abstrichen auch für PostgreSQL, Informix und Apache Derby sowie Datenbanken mit generischem ODBC- oder JDBC-Treiber. Übernimmt sich der Hersteller da?

Erste Schritte

Die erste Amtshandlung des Benutzers besteht immer im Einrichten der Datenbankverbindung. Das geht sehr einfach von der Hand. Positiv fällt auf, dass Aquafold die JDBC-Treiber für alle unterstützen Datenbanken bereits vorinstalliert mitliefert. Viele ähnliche Produkte überlassen deren Beschaffung nicht nur dem Admin, sondern verlangen dann auch noch die Eingabe von Pfaden und Klassennamen, was Java-Unkundige schnell überfordert.

Beim Data Studio reichen wenige Angaben, um einen Datenbankserver zu registrieren. Auf Wunsch durchsucht das Tool sogar den Host nach installierten Datenbanken und testet die Verbindung vorab. Wer viele Server zu verwalten hat, kann sie nach Typen (Produktion,Entwicklung,Test) ordnen und in frei definierbare Gruppen sortieren. Die Reiter der GUI-Registerkarten eines Servers oder einer Gruppe lassen sich zur leichteren Unterscheidbarkeit gleich einfärben.

Aqua Data Studio 7.0

Hersteller: Aquafold Inc., Sunnyvale, CA, USA

URL: [http://www.aquafold.com]

Preis: 320 US-Dollar pro User bei Onlinekauf

Unterstützte Datenbanken: Oracle, DB2, MS SQL Server, Sybasem MySQL, PostgreSQL, Informix, Apache Derby, Generic JDBC/ODBC

Trial-Version auf Delug-DVD

Oberliga der Editoren

Das Herzstück der Software, die eigentliche SQL-Editor-Komponente, nennt sich hier Query Analyzer. Sie wartet mit allen Features auf, die in der Oberklasse zu erwarten sind: So gibt es ein Syntax-Highlighting für sämtliche SQL-Dialekte der unterstützten Datenbanken. Eine Verschönerungsoption kümmert sich um Kommando-Großschreibung, Einrückungen und Zeilenumbrüche. Tabellen- und Spaltennamen lassen sich beim Eintippen aus einer Dropdown-Liste, die sich mit jedem getippten Buchstaben auf die verbleibenden Möglichkeiten verkürzt, an der Stelle des Cursors ergänzen (Abbildung 1). Dabei kann sich die Auto-Completion wahlweise auf das aktuelle oder auf alle Schemas beziehen.

Abbildung 1: Das Hauptfenster des SQL-Editors. Die Auto-Completion schlägt infrage kommende Spaltennamen für die begonnene Where-Klausel vor.

Abbildung 1: Das Hauptfenster des SQL-Editors. Die Auto-Completion schlägt infrage kommende Spaltennamen für die begonnene Where-Klausel vor.

Es ist möglich, komplizierte Abfragen vorab zu parsen, um ihre Syntax zu validieren. Wer diese Statements öfter braucht, muss sie nicht immer wieder tippen, sondern ruft sie aus der History des Editors ab, die alle ausgeführten Anweisungen mit Zeitstempel und Servernamen aufbewahrt. Alternativ speichert sie der Admin als Skript, das er auch parametrisieren kann. Außerdem lässt sich ein und dieselbe Abfrage über ein kleines Menü wahlweise auf jede der registrierten Datenbanken anwenden. Die anzuzeigende Treffermenge ist begrenzbar.

Für häufig verwendete Abfragetypen wie Inserts, Updates oder Deletes gibt es Templates, die das Kommando-Skelett mit einem Klick ins Editorfenster zaubern. Wie die meisten Aktionen im Editor, lässt sich auch diese außerdem mit einem Tastaturkürzel verbinden. Für hartgesottene SQL-Muffel steht andererseits aber auch ein Abfrage-Generator bereit, der es erlaubt, SQL-Selects zusammenzuklicken (Abbildung 2).

Abbildung 2: Wer sich vor der Kommandozeile grault, darf die Queries auch mit Hilfe eines Abfrage-Generators zusammenklicken.

Abbildung 2: Wer sich vor der Kommandozeile grault, darf die Queries auch mit Hilfe eines Abfrage-Generators zusammenklicken.

Ein besonderes Highlight: Für einige kommerzielle Datenbanken – Oracle, DB2, Microsoft SQL Server und Sybase ab Version 12.5 – zeigt ADS außerdem die Ausführungspläne an (analog zu Oracles »explain plan«) und vergleicht verschiedene Pläne von alternativen SQL-Statements. Die Software hebt im Ergebnis dabei kritische Knoten und Pfade auf Wunsch farbig hervor.

Pläne und Charts

Eine weitere Auswerte-Möglichkeit sind Tabellen aus Abfrageresultaten. Eine Unterart, die so genannten Pivot Grids, erlaubt dabei die Berechnung von Zwischensummen unabhängig vom SQL-Select. Das Ergebnis stellt ADS auf Wunsch als Grafik dar, wobei sich alle Optionen dafür wählen lassen, die sich etwa auch in einer guten Tabellenkalkulation finden, inklusive Diagrammtyp, Art und Betrachtungswinkel der Perspektive, Fonts, Farben und so weiter (Abbildung 3).

Abbildung 3: Tabelleninhalte lassen sich an Ort und Stelle visualisieren, fast alle Grafik-Parameter sind frei anpassbar.

Abbildung 3: Tabelleninhalte lassen sich an Ort und Stelle visualisieren, fast alle Grafik-Parameter sind frei anpassbar.

Der Werkzeugkasten

Der SQL-Editor bringt eine hervorragend ausgestattete Toolbox mit, die für viele Aufgaben das passende Werkzeug bereithält. So unterstützt das Aqua Data Studio etwa das Im- und Exportieren von Tabellendaten im CSV-Format durch einen Wizard. Mit ihm gerät die Migration von Tabellen auch zwischen verschiedenen Datenbanken zum Kinderspiel.

Wer anstelle einzelner Tabellen ganze Datenbanken produktübergreifend verpflanzen möchte, muss allerdings vor dem Inhalte-Transfer erst die passende Tabellenstruktur auf dem Zielsystem anlegen. Hier hilft der Schemaskript-Generator, der einzeln oder komplett die Definition der Tabellen, Views, Prozeduren und Funktionen einer Quell-Datenbank in SQL-Syntax in ein Skript schreibt, das die enthaltenen Objekte später wieder erzeugt.

Der Serverskript-Generator macht dasselbe vollautomatisch je nach Datenbank etwa für Benutzer, Rollen oder Rollback-Segmente. Wer die Skript-Generatoren im Verbund benutzt, kann sehr einfach fertig eingerichtete Server 1:1 klonen, um sie anschließend als Cold Standby (mit Shared Storage), in einer Replikation oder in einem Cluster zu verwenden.

Weitere Werkzeuge helfen vor allem in großen Umgebungen und bei Datenbanken mit vielen Hundert Tabellen, Views, Prozeduren und Indizes. Hier kann das Aqua Data Studio Datenbank- und Schema-übergreifend nach Tabellen, Spaltennamen oder Prozeduren suchen (Abbildung 4). Außerdem erlaubt es sowohl Schemas als auch einzelne Tabellen zu vergleichen.

Abbildung 4: Die Suche nach Datenbankobjekten kann der Admin auf bestimmte Kategorien, Schemas oder Datenbanken einschränken.

Abbildung 4: Die Suche nach Datenbankobjekten kann der Admin auf bestimmte Kategorien, Schemas oder Datenbanken einschränken.

DBA eingebaut

Für einen kleineren Kreis ausgewählter Datenbanken, zu dem seit der eben erschienenen Release 7.0 nun auch MySQL als erste Open-Source-Datenbank gehört, bietet ADS ein vollständiges Set von Administrationswerkzeugen in Gestalt je eines Instanz-, Speicher-, Sicherheits- und Sitzungsmanagers. Mit ihnen erledigt der Datenbank-Admin die wichtigsten Aufgaben der Administration bequem und überall auf die gleiche Weise in einer grafischen Oberfläche.

So kann er hier sämtliche Server-Parameter setzen (Abbildung 5), sowohl den Plattenspeicher als auch das Memory konfigurieren und die zugehörigen I/O-Statistiken überwachen, Benutzer, Rollen und Profile anlegen und ändern sowie laufende Sitzungen und aktive Locks im Blick behalten. Für einzelne Datenbanken, Oracle etwa, geht das Angebot noch darüber hinaus (Abbildung 6): Hier gibt es eigene Manager für das Log, für die Verwaltung der Rollback-Segmente und für die Justage der vielen Parameter der System Global Area (SGA).

Für die allermeisten Aufgaben der täglichen Systemadministration braucht man also nicht erst das Werkzeug zu wechseln, sondern findet im ADS alles unter einem Dach – und das nicht nur für eine Datenbank.

Abbildung 5: Hunderte Oracle-Server-Parameter zum Anklicken übersichtlich an einem Platz. Mit dem ADS ist für Entwicklung, Abfrage und Administration nur noch ein Werkzeug nötig.

Abbildung 5: Hunderte Oracle-Server-Parameter zum Anklicken übersichtlich an einem Platz. Mit dem ADS ist für Entwicklung, Abfrage und Administration nur noch ein Werkzeug nötig.

Abbildung 6: Ein Spezialwerkzeug für die Konfiguration von Oracles System Global Area (SGA) bietet auch eine grafische Übersicht über die Ressourcenauslastung.

Abbildung 6: Ein Spezialwerkzeug für die Konfiguration von Oracles System Global Area (SGA) bietet auch eine grafische Übersicht über die Ressourcenauslastung.

Modellierer

Besonders Entwickler profitieren davon, dass ADS einen guten Modeler für Entity-Relationship-Diagramme (ERD) integriert. Das spart ein separates Werkzeug, wie es in Gestalt von Dbwrench ein anderer Beitrag dieser Ausgabe vorstellt. Zumal sich die Komponente nicht vor einem externen Tool verstecken muss: Sie beherrscht Forward wie Reverse Engineering, kann die Modelle validieren und bemerkt auch, wenn der Admin etwa versucht einen zirkulären Bezug zu definieren (Abbildung 7).

Abbildung 7: Der integrierte ER-Modeler braucht sich hinter vielen Kollegen nicht zu verstecken, die diese Funktion solo anbieten.

Abbildung 7: Der integrierte ER-Modeler braucht sich hinter vielen Kollegen nicht zu verstecken, die diese Funktion solo anbieten.

Die Modelle lassen sich einfach gliedern und kommentieren, neue Elemente leicht einfügen und erweitern, einzelne Information ein- und ausblenden. Die grafischen Möglichkeiten sind etwas eingeschränkt, für eine sehr große Menge an Objekten wird sich mancher Admin zusätzliche Verwaltungsmöglichkeiten wünschen, auch erzeugt der Editor geänderte Objekte neu, statt sie unter Erhalt der Daten nur zu modifizieren. Für viele Datenbankentwürfe reichen die angebotenen Mittel aber voll und ganz aus.

Konkurrenz

Praktisch alle Datenbanken verfügen über eigene Administrationswerkzeuge und die meisten können das, was das Aqua Data Studio anbietet, auch. Im Ausnahmefall Einzelnes vielleicht sogar etwas besser. Allerdings sind sie dabei immer an ein Produkt gefesselt und folgen einer jeweils unterschiedlichen Bedienphilosophie. Das Data Studio bietet demgegenüber eine neutrale Steuerzentrale für alle gängigen Datenbanken unter einem Dach. Auch ein bunter Zoo verschiedener Datensilos verliert damit seinen Schrecken.

Aber selbst wer nur eine einzelne Datenbank einsetzt, sollte genau vergleichen. Etliche sehr nützliche und zeitsparende Funktionen fehlen im Repertoire manches bekannten Produkts oder sind dort nur in den teuren Highend-Versionen zu finden. Mit dem Data Studio lassen sie sich unter Umständen kostengünstig nachrüsten.

Nicht zuletzt bietet sich die Software nicht nur für den DBA, sondern gerade auch für den Datenbank-Entwickler an, der zum Beispiels vom ER-Modeler, den Analysemöglichkeiten für Execution Plans oder vom Suchen nach oder dem Vergleichen von Objekten profitiert.

Kaum Mängel

Kritikpunkte gibt es kaum. Die Option zur Visualisierung der Ausführungspläne wäre für mehr Datenbanken wünschenswert. Auch MySQL kann etwa solche Auskünfte geben, die ADS-Komponente, die die Pläne visualisiert, unterstützt aber MySQL nicht. Der Onlinehilfe würde man eine Suchfunktion oder wenigstens einen Index wünschen, momentan muss der Anwender die Kapitel durchstöbern und gelangt auf diese Weise nicht zielgerichtet zu den relevanten Passagen.

Die Internationalisierung ist nicht vollständig, auch bei der Sprachwahl Deutsch bleiben einzelne Menüpunkte auf Englisch. Ein schwerwiegender Bug ist dem Tester aber nicht aufgefallen. Das Data Studio ist alles in allem ein überzeugendes Produkt mit vielen praxistauglichen Features, das sich für die meisten Admins und -Entwickler lohnen dürfte.

Infos

[1] Aqua Data Studio: [http://www.aquafold.com]

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