Aus Linux-Magazin 12/2008

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Siege

© Giovanni Domenico Tiepolo, Wikipedia

Zehn Jahre soll die Belagerung Trojas durch die Griechen gedauert haben, bis ein gewisser Odysseus per Holzpferd das Patt beendete. Auch Charly plant eine Belagerung, erstürmen will er einen Webserver. Nur hat er weder zehn Jahre Zeit noch einen Odysseus unter Vertrag.

Inhalt

56 | X2go, Version 3

Smartcard-Authentifizierung, Suspended Sessions, LDAP und neue
Clients.

62 | Tipps für Asterisk

Reisende Vieltelefonierer können mit einem Asterisk-Server
Gebühren sparen.

66 | NAC mit Packetfence

Network Access Control schützt das LAN vor fremden und
unsicheren Rechnern.

70 | WLAN-Meshing im Ad-hoc-Modus

Mit dem neuen IEEE-802.11s-Code im offiziellen Kernel endet das
Basteln.

75 | FW-Builder 3

Der Chefprogrammierer Vadim Kurland hat die Software weiter
verbessert.

So wie die mythische Skylla gleichzeitig sechs von Odysseus\’ Männern während seines Heimwegs aus Troja den Garaus machte, verschlingt auch mein Apache (Worker-MPM) Anfragen en bloc. Aber wo ist die Grenze? Wie viele Threads soll ich für die maximale Leistung konfigurieren, ab wie vielen entsteht Overkill? Ein Lasttest soll Antwort geben, Das Erstürm-Tool, das ich dabei einsetze, heißt “Siege” – zu Deutsch: Belagerung.

Siege [1] kennt zwei Belagerungsmodi. Im ersten simuliert es das menschliche Surfverhalten, was sich durch Pausen von 3 Sekunden zwischen den einzelnen Zugriffen äußert. Im zweiten, dem Benchmark-Modus, bestürmt Siege den Server kontinuierlich mit Anfragen. Damit der ordentlich ins Schwitzen kommt, führt Siege ein konfigurierbar großes Heer gleichzeitiger Nutzer ins Feld.Der Norm nach sind es zehn, der Parameter

--concurrent=Anzahl

schraubt die Zahl der virtuellen Rammböcke nach oben, bis entweder dem Webserver die Luft oder dem Belagerer die Ressourcen ausgehen.

Wo geht’s hier nach Troja?

Woher weiß Siege, gegen welchen Server es ins Feld ziehen soll? Entweder übergebe ich mit dem Parameter

--url="http://my.site.com/index.html"

eine URL, die Siege immer und immer wieder lädt. Oder ich schreibe in die mit

--file="/home/charly/siege-urls.txt"

angegebene Datei eine Liste von Links, die Siege abarbeitet. Mit »–reps=Anzahl« bestimme ich, wie oft Siege den Test wiederholt. Auch darf ich das Tool per »–internet« animieren, die Links nicht in der Reihenfolge abzurufen, in der sie in der URL-Datei stehen, sondern praxisnäher in einer zufälligen.

Damit er nicht ausufert, limitiere ich mit dem »–time=«-Parameter die Laufzeit des Tests. Nach ihrem Ende hört die Belagerung auf, selbst wenn nicht alle »–reps«-Schleifen verbraucht sind. Nach der Schlacht präsentiert Siege als Beute seine Ergebnisse wie in Abbildung 1.

Abbildung 1: Nach der Schlacht um den Webserver listet Siege die Ergebnisse.

Abbildung 1: Nach der Schlacht um den Webserver listet Siege die Ergebnisse.

Nachdem mein schwitzender Webserver sturmreif geschossen ist, tue ich es ihm gleich und gehe zum Karate. Dort üben wir gerade die Kata “Bassai-Dai”, frei übersetzt: Die Festung erstürmen. (jk)

Infos

[1] Siege: [http://www.joedog.org/JoeDog/Siege]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch.

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