Aus Linux-Magazin 04/2008

Cebit-Führer 2008

Abbildung 1: Green IT goes Cebit. Links: Beim Null-Watt-Monitor von Fujitsu Siemens trennt ein Schalter im Netzteil das Display im Standby-Betrieb vom Stromnetz. Mitte: Suns Projekt Blackbox ist ein komplettes, solarbetriebenes Rechenzentrum mit Notstromaggregat auf 6 mal 2,5 mal 2,5 Metern. Rechts: Der Mini-PC von Transtec misst 22,6 mal 17,2 mal 4,2 Zentimeter und soll nur 25 Watt verbrauchen.

Ob Messe-Fan oder -Muffel: Das Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation (Cebit) macht Jahr für Jahr von sich reden, diesmal vom 4. bis 9. März. Für Hingeher und Verweigerer hier ein kleiner Rundgang an den interessantesten Themen der Cebit 2008 entlang .

Abbildung 1: Green IT goes Cebit. Links: Beim Null-Watt-Monitor von Fujitsu Siemens trennt ein Schalter im Netzteil das Display im Standby-Betrieb vom Stromnetz. Mitte: Suns Projekt Blackbox ist ein komplettes, solarbetriebenes Rechenzentrum mit Notstromaggregat auf 6 mal 2,5 mal 2,5 Metern. Rechts: Der Mini-PC von Transtec misst 22,6 mal 17,2 mal 4,2 Zentimeter und soll nur 25 Watt verbrauchen.

Abbildung 1: Green IT goes Cebit. Links: Beim Null-Watt-Monitor von Fujitsu Siemens trennt ein Schalter im Netzteil das Display im Standby-Betrieb vom Stromnetz. Mitte: Suns Projekt Blackbox ist ein komplettes, solarbetriebenes Rechenzentrum mit Notstromaggregat auf 6 mal 2,5 mal 2,5 Metern. Rechts: Der Mini-PC von Transtec misst 22,6 mal 17,2 mal 4,2 Zentimeter und soll nur 25 Watt verbrauchen.

Der Linuxpark auf der Cebit (Halle 5) geht ins siebte Jahr. Auf 800 Quadratmetern Fläche stellen die Deutsche Messe und die Linux New Media AG Projekten Platz bereit. Debian und Gnome sind anzutreffen, Ubuntu, KDE und Scribus, der Zope e.V. und Amarok. Das OLPC-Projekt zeigt den 100-Dollar-Laptop.

2008 beherbergt der Linuxpark 200 mehr internationale Gäste als in den Jahren zuvor, beispielsweise die Firma Open Bravo aus Spanien, die im Januar beim Open Source Business Award den zweiten Platz belegte. Zwei Unternehmen sind aus den USA, die Linpus Technology Corporation aus Taiwan angereist.

Distributionen

Während Novell zusammen mit 35 Partnern, darunter auch Microsoft, gut sichtbar vertreten ist, setzt Red Hat auf die hauseigene Partnerveranstaltung “Red Hat EMEA Partner Summit” und bleibt der Cebit fern. Ubuntu und Xandros sind dagegen im Linuxpark zu finden.

Es grünt so grün

Dem grünen Trend widmet die Cebit viel Aufmerksamkeit. Die Climate Savers Computing Initiative (CSCI, [1]) ist mit der Cebit eine strategische Partnerschaft eingegangen. Mit dem Ziel, den Stromverbrauch zu reduzieren, schlossen sich zum Beispiel Dell, Google, HP, Intel und andere mit dem World Wildlife Fund zur CSCI zusammen. Die Initiative stellt im “Green IT Village” aus.

Für das Village (Halle 9) hat sich der Branchenverband Bitkom etwas einfallen lassen: Er misst für die Dauer der Messe den Stromverbrauch von zwei Büroinstallationen. In einem Büro laufen aktuelle Rechner, im anderen zum Vergleich Geräte auf dem Stand von vor fünf Jahren. Im grünen Dorf stellt auch Fujitsu Siemens den Prototyp seines so genannten Null-Watt-Monitors aus (Abbildung 1). In dessen Netzteil befindet sich ein Schalter, den der Rechner beim Herunterfahren selbst auslöst und damit den Monitor komplett vom Netz trennt.

Auf Feldwegen

Nicht nur im Green IT Village wollen die Aussteller mit Stromgeiz punkten. Außerhalb des grünen Dorfes zeigt zum Beispiel der hessische Anbieter Rittal ein begehbares Rechenzentrum auf 13 mal 13 Metern (Halle 12). Von Stromversorgung über Klimatisierung bis zur Überwachung sei unter grünen Gesichtspunkten alles zu sehen, wie es auch beim Kunden aufgebaut werde, sagt eine Unternehmenssprecherin zum Linux-Magazin.

Der bescheidene Mini-PC Senyo 600 soll nur 25 Watt brauchen. Er ist nicht am Stand des Herstellers Transtec zu sehen, sondern bei Novell (Halle 2) und mit Suse Enterprise Linux bestückt. Transtec will ihm einen neuen Chipsatz von Intel spendieren. Apropos Intel: Zusammen mit Sun Microsystems zeigt der Chipfabrikant auf einem Truck ein begehbares Datenzentrum (Pavillon 33). Der Clou: Es ist solarbetrieben.

Ohren spitzen

Als dritter grüner Faden auf der Cebit sind Vorträge geplant, denen Interessierte in Halle 8 an zwei Nachmittagen lauschen können. Auch das Linuxforum bietet am Nachmittag des ersten Messetages Vorträge zu Green IT (Kasten “Linuxforum: Vorträge und Live-Stream”). So berichtet Roman Hoffmann aus der Praxis. Der Geschäftsführer des Rechenzentrums der Firma Wilken erläutert, wie sich rund 30 Prozent Energie in seinem Rechenzentrum einsparen ließen.

Linuxforum: Vorträge und
Live-Stream

Im Linuxpark (Halle 5, Stand F60) befindet sich das Linuxforum. Auf dieser Bühne gibt es jeden Tag der Messe im Stundentakt Vorträge zu Linux und Open Source (Abbildung 2). Jeder Veranstaltungstag widmet sich einem Themenschwerpunkt: von Green IT über Software as a Service bis hin zu Alltagsfragen der Systemadministration.

Die Referenten stammen aus freien Softwareprojekten und Open-Source-Firmen. Auch bekannte Linux-Magazin-Autoren wie Charly Kühnast oder Ralf Spenneberg tragen vor und stehen danach dem Publikum Rede und Antwort.

Wer nicht nach Hannover reisen kann oder will, kommt auch in den Genuss der Vorträge. Das Linux-Magazin Online [https://www.linux-magazin.de] zeigt während der Messe einen kostenlosen Video-Livestream unter [http://streaming.linux-magazin.de] und berichtet tagesaktuell von der Messe. Das Vortragsprogramm, das die Linux New Media AG zusammengestellt hat, findet sich unter: [http://www.linux-events.de]

Abbildung 2: Auf der Bühne des Linuxforums in Halle 5 gibt es stündlich wechselnde Vorträge zu Linux und Open Source. Daheimgebliebene können das Programm live per Videostream verfolgen.

Abbildung 2: Auf der Bühne des Linuxforums in Halle 5 gibt es stündlich wechselnde Vorträge zu Linux und Open Source. Daheimgebliebene können das Programm live per Videostream verfolgen.

Virtuos virtuell

Virtualisierung ist gewissermaßen die ältere Schwester der Green IT. Anbieter dazu sind im Virtualisierungsforum in Halle 2 zu finden. Beispielsweise stellt die US-Firma Avocent ihre neue Software DSView vor: eine Management-Oberfläche, die alle Geräte und Systemumgebungen einer IT-Infrastruktur einheitlich darstellt (Abbildung 3).

Die Oberfläche zeigt durch ein Plugin für VMware sowohl physische als auch virtuelle Server eines VMware-Systems. Die Software bietet Avocent auch für Linux und andere Unix-ähnliche Betriebssysteme an. Über einen Onlinezugang zum firmeneigenen Rechenzentrum in Irland sollen Cebit-Besucher sie im Einsatz sehen.

Abbildung 3: Die RZ-Management-Software DSview von Avocent zeigt eine Liste der Geräte des Rechenzentrums, physische wie virtuelle. DSview zeigt die ganze VMware-Infrastruktur, zum Beispiel Cluster und virtuelle Hardware-Ressourcen.

Abbildung 3: Die RZ-Management-Software DSview von Avocent zeigt eine Liste der Geräte des Rechenzentrums, physische wie virtuelle. DSview zeigt die ganze VMware-Infrastruktur, zum Beispiel Cluster und virtuelle Hardware-Ressourcen.

Marketplaces

Die Firma VMware will sich dieses Jahr zweier Schwerpunkte annehmen: Neben Desktop-Virtualisierung soll es vor allem um Channeling gehen – also den Vertrieb. Dafür bauen die Virtualisierer ein Center fürs Small-Medium-Business auf, in dem Händler ihre Eignung als Partner von VMware testen sollen. Das Forum beherbergt außerdem das kürzlich von Oracle gekaufte US-Unternehmen Bea Systems. Bea zeigt seine Weblogic Server Virtual Edition, einen für virtualisierte Umgebungen optimierten Applikationsserver.

Ein Blick über die Grenze des virtuellen Dorfes lohnt auch hier. Da gibt es zum Beispiel die gesammelte Hardware von HP zu begutachten, wofür der HP-Reseller MCL sorgt (Halle Fünf). “Wir haben alles vor Ort, was es von HP an Server- und Storage-Systemen gibt”, sagt der Stuttgarter HP-Partner nicht ohne Stolz. Darauf wird aber fast nur Windows laufen, obwohl Linux “immer mehr gekauft wird”, wie ein Firmensprecher bestätigte. Der Besucher kann sich VMware Infrastructure auf HP-Bladeservern ansehen (Abbildung 4). Diese Lösung migriert Storage im laufenden Betrieb.

Abbildung 4: MCL führt VMware VI auf HP-Blades der C-Klasse vor. Der neueste seiner Art ist der hier abgebildete HP Integrity BL870c.

Abbildung 4: MCL führt VMware VI auf HP-Blades der C-Klasse vor. Der neueste seiner Art ist der hier abgebildete HP Integrity BL870c.

Der Xen-Eigentümer Citrix (Halle 4) führt den Xen-Server 4.1 vor, der auch als 64-Bit-Version vorliegt. Die Xen-Desktop-Virtualisierung, die Citrix ebenfalls präsentiert, virtualisiert allerdings nur Windows-Desktops, wie ein Sprecher einschränkte.

Aber sicher

Security ist ein Dauerthema auf der Cebit. So zeigt Astaro die neue UTM-Lösung Astaro Web Gateway V7, die sich auf die Überwachung von Instant-Messaging- und Peer-to-Peer-Verbindungen konzentriert und Spyware sehr wirksam erkennen und verhindern soll (Halle 6).

Auch eine Firewall, aber auf OpenBSD basierend, bietet Genua mit dem Paketfilter Genuscreen 1.1 an. Im Cluster kann der bis zu 8 GBit/s filtern und lässt sich durch die ebenfalls vorgestellte Management-Station Genucenter 1.1 verwalten (Halle 6). Genuscreen wartet mit einer Zertifizierung nach Common Criteria EAL 4+ auf.

Beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) informieren sich Cebit-Besucher (Halle 6) über IT-Grundschutz und Sicherheitszertifizierung. Ein wichtiger Lieferant für Sicherheitslösungen des Amtes ist Secunet Security Networks. Das Unternehmen stellt die neue Generation seiner SINA-Boxen vor, die es nach Vorgabe des Amtes und auf Basis von Linux entwickelt. Die SINA- Box 1000 erreicht dank Core-2-Quad-Prozessor und Gigabit-Netzwerk eine Verschlüsselungsleistung von bis zu einem GBit/s – zehnmal so viel wie das Vorgängermodell.

Einen Community-Ansatz verfolgt das Cacert-Projekt mit der Idee, PKI- und CA-Dienstleistungen auf die Schultern eines Netzwerks von Anwendern zu stellen. Wer sich durch Vorlage entsprechender Ausweispapiere in Halle 5 authentisieren lässt, erhält ein Zertifikat für die eigene E-Mail oder den Webserver.

Im Linuxforum dreht sich am Freitag alles um den Themenschwerpunkt Security. Darin wird es zum Beispiel um die Apache-Erweiterung Modsecurity, Computer-Forensik und die Rolle von Linux in der Sicherheit gehen.

Dünne Kunden

Bei den Thin Clients ist der Bremer Hersteller Igel am Gemeinschaftsstand der Bitkom (Halle 4) mit voller Ausrüstung vertreten. Auf den sieben ausgestellten Geräteserien soll jeweils sowohl Linux als auch Windows laufen. Jeden Thin Client kann sich der Besucher auch mit den Virtualisierungsprogrammen VDI, DDI, Xen, VDM und Leostream ansehen.

Das neueste Igel-Produkt ist der integrierte Thin-Client-Monitor Elegance mit 19 Zoll Bildschirmdiagonale (Abbildung 5). Igel hat die Linux-Firmware erneuert – mit RDP-Client und erweitertem Remote-Windowmanagement, das mehrere Applikationen entfernter Rechner auf den Bildschirm holt.

Abbildung 5: Igel präsentiert seinen integrierten Thin Client der Elegance-Serie mit 19-Zoll-Display von Samsung. Auch die Linux-Firmware ist renoviert.

Abbildung 5: Igel präsentiert seinen integrierten Thin Client der Elegance-Serie mit 19-Zoll-Display von Samsung. Auch die Linux-Firmware ist renoviert.

Quelloffene Clients

Bei den Thin-Client-Anbietern positioniert sich die Firma Levigo mit einer neuen Marke. Die 30-köpfige Mannschaft hat Ende 2007 ihre Thin-Client-Software als quelloffen erklärt [2]. Für die Cebit kündigt sie an, unter dem Namen Aranto eine kommerzielle Thin-Client-Suite vorzustellen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Die Firma Levigo gab im Herbst 2007 ihre Thin-Client-Software frei, die sie auf der Cebit in einer Business-Version unter der Marke Aranto vorstellt.

Abbildung 6: Die Firma Levigo gab im Herbst 2007 ihre Thin-Client-Software frei, die sie auf der Cebit in einer Business-Version unter der Marke Aranto vorstellt.

Der Hersteller VXL (Halle 12) baut seine Thin-Client-Hardware sowohl in Richtung Highend als auch in Richtung Niedrigpreissektor aus. Die bisherige Serie TC43xx bildet die mittlere Ausstattungsklasse, die Highend-Linie mit Dualscreen und GBit-Ethernet heißt TC7xxx. Einsteigergeräte aus der Reihe T23xx soll es bereits für nur rund 140 Euro geben. Das Einstiegsmodell bietet einen VIA-C7-Prozessor mit 1 GHz Taktrate, 32 MByte Flash, 128 MByte RAM, Management-Software und als Betriebssystem wahlweise Linux oder Windows.

Harte Ware

An der Server-Front wird es die neueste energiesparende Generation von Fujitsu Siemens am Intel-Stand zu sehen geben (Pavillon 33). In Hannover dabei sind die neuen Industrie-Standard-Server der Primergy-Reihe, die besonders sparsam mit der Energie umgehen sollen (Abbildung 7). In Aktion sieht der Besucher die Bladeframe-400-Systeme mit RHEL 5.0, SLES 10 oder Windows. Der BX600-Bladeserver ist als Showsystem ebenfalls dabei, verrät eine Sprecherin. Und besonders handlich präsentiert sich der TX120, der ungefähr so groß ist wie ein Leitz-Ordner.

Abbildung 7: Für den kleinen Primergy TX120 gibt Fujitsu Siemens 163 Watt Wirkleistung und maximal 31 Dezibel Lautstärke an. Zum Vergleich: Das Rascheln von Blätter bewegt sich zwischen 20 und 40 Dezibel.

Abbildung 7: Für den kleinen Primergy TX120 gibt Fujitsu Siemens 163 Watt Wirkleistung und maximal 31 Dezibel Lautstärke an. Zum Vergleich: Das Rascheln von Blätter bewegt sich zwischen 20 und 40 Dezibel.

Von Asus (Halle 26) sind diverse Neuerungen auf Linux-Basis zu erwarten. Der Konzern will – so sagen Gerüchte – dem günstigen Subnotebook Eee-PC [3] eine Desktop-Ausgabe folgen lassen. Auch mit einer TV-Multimedia-Lösung will er das Eee-Segment erweitern. (uba)

Infos

[1] CSCI: [http://www.climatesaverscomputing.org]

[2] Openthinclient: [http://www.openthinclient.org]

[3] Jan Rähm, “Asus Eee 701 im Test”: Linux-Magazin 01/08, S. 98

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