Im »Öffnen«-Dialog mühsam die im Dateimanager schon sichtbare Datei ansteuern – das war gestern. Application Launcher sorgen dafür, dass das richtige Programm startet. Gnome Do überbietet seinen Vorgänger Gnome Launch Box, was für die neue Suchmaschine Wikia Search noch nicht gilt.
Wer sind Anders Carlsson, Mikael Hallendal, Michael Natterer und Richard Hult? Im Sommer vier Programmierer, die das Angestelltenverhältnis bei der Firma Imendio [1] verbindet. Die schwedische Softwareschmiede nimmt Aufträge an, bei denen sie quelloffene und meist GTK-basierte Desktop-Applikationen entwirft. Daher liegt die Expertise ihrer Programmierer in diesem Bereich.

Abbildung 1: Gnome Do findet Objekte aller Art und führt die dazu passende Aktion aus – startet Programme, spielt Multimediadateien ab oder öffnet ein neues E-Mail-Fenster.
Hackathon
Und was tut der Schwede im Winter, wenn Freizeitaktivitäten im Freien nur sehr hartgesottenen Zeitgenossen in den Sinn kommen? Er macht es sich im Warmen bequem und schmökert in einem guten Buch oder denkt darüber nach, wie er sein Wohnzimmer gemütlicher einrichten könnte. Nicht um das Wohnzimmer, sondern um den virtuellen Schreibtisch ging es den genannten vier Herren, für die das Programmieren offenbar sowohl Beruf als auch Hobby ist. Ein kaltes Winterwochenende gab den Anstoß für die Entwicklung des Programms Gnome Launch Box (Abbildung 2, [2]). Dabei handelt es sich um eine Software, die den Start von Anwendungen vereinfacht. Manche Apple-Benutzer kennen möglicherweise bereits das ehemals proprietäre Vorbild Quicksilver [3] für Mac OS X.

Abbildung 2: Der „Application Launcher“ Gnome Launch Box als Vorbild von Gnome Do findet Anwendungen, Dateien und E-Mail-Kontakte.
Zwar hat Hersteller Blacktree Quicksilver vor Kurzem unter eine freie Lizenz gestellt, dennoch gibt es derzeit wohl noch keine ernsthaften Bestrebungen für eine Portierung nach Linux. Angesichts der bereits jetzt bereits existierenden Lösungen besteht für eine Linux-Umsetzung auch nur noch wenig Anlass.
Gnome Launch Box und Quicksilver erwarten die Eingabe von Teilen eines Programmnamens oder der zugehörigen Beschreibung, Die Software bietet dem Benutzer dann alle in Frage kommenden Applikationen zum Start an. Das alleine klingt noch wenig spektakulär. Der Clou liegt aber darin, dass der Anwender auch den Namen von auf der Festplatte liegenden Dateien eintippen kann. Gnome Launch Box liefert ihm daraufhin eine Liste von geeigneten Programmen, in denen sich der jeweilige Dateityp öffnen lässt. Die Launch Box startet die entsprechend ausgewählte Applikation wieder ohne Mehraufwand.
Do statt Launch Box
Die Entwicklung von Gnome Launch Box ist nach besagtem schwedischen Winterwochenende, das mittlerweile schon fast zwei Jahre zurückliegt, nur schleppend weitergegangen. Zwar hat das Quartett Bugs gefixt und die Softare ist langsam bis zur Version 0.4 fortgeschritten, doch bei der Funktionalität des C-Programms blieb alles beim Alten.
Der amerikanische Student David Siegel hat sich nun von Quicksilver und der Gnome Launch Box inspirieren lassen und ein neues Projekt mit verwandter Zielsetzung ins Leben gerufen: Gnome Do (Abbildung 1, [4]). Mit seinem zweigeteilten Hauptfenster ähnelt es sichtbar der Launch Box. Im linken Bereich präsentiert das Programm alle für den eingegebenen Suchbegriff in Frage kommenden Dateien, Verzeichnisse, E-Mail-Kontakte und dank der Plugin-Struktur fast beliebige weitere Objekttypen.
Im rechten Fensterteil schlägt Gnome Do eine Aktion vor, die zum gefundenen Objekt passt. Hat der Benutzer eine Applikation ausgewählt, schlägt Gnome Do sie zum Start vor. Alternativ kann es beispielsweise den »Verfassen«-Dialog des E-Mail-Programms öffnen, wenn es eine im Evolution-Adressbuch gespeicherte Kontaktadresse erkannt hat, oder spielt eine Multimediadatei in dem entsprechenden Player ab. Wählt der Benutzer die Option »Open with«, erscheint ein dritter Fensterbereich, der das Öffnen mit einem frei zu wählenden anderen Programm ermöglicht.
Das Konzept hinter Gnome Do bringt die Homepage mittels dreier Negationen auf den Punkt: Erstens handelt es sich nicht um ein reines Suchwerkzeug, sondern um einen intelligenten Assistenten. Selbst wenn der Benutzer noch gar nicht so recht weiß, wo er ein Schlagwort suchen soll und wie er an die Anwendung rankommt, findet er mit Gnome Do schnell und bequem eine Lösung. Gnome Do ist auch nicht nur ein Applikationsstarter, weil es nicht nur Anwendungen hochfährt, sondern auch den richtigen Umgang mit eingegebenen Webseiten und E-Mail-Adressen, mit Musiktiteln und Dateien anbietet.
Der dritte Punkt, der David Siegel am Herzen liegt, ist die Portabilität. Obwohl der Programmname Gnome Do zeigt, welchen Desktop der Entwickler bevorzugt, ist Do kein reines Gnome-Programm und funktioniert auch unter KDE und anderen Umgebungen. Dass Mono und die aus Microsofts Dotnet-Umfeld stammende Programmiersprache C# zum Einsatz kommen, weist ebenfalls auf Siegels Priorität für Plattformunabhängigkeit hin, auch wenn eine Portierung auf Windows oder andere Systeme derzeit nicht in Sicht ist.
Die Datei »~/.do/FileItemSource.config« legt fest, welche Verzeichnisse Gnome Do indiziert. Die wählbare Rekursionstiefe steuert, wie weit die Suchmaschine ins Dateisystem absteigt, eine Tiefe von »-1« sorgt für unbegrenzten Tiefgang. Die Zeile »~/Documents: 3« bewirkt also, dass die Software den Ordner »$HOME/Documents« drei Ebenen tief auswertet.
An die Tasten!
Wie die meisten freien Softwareprojekte lebt auch Gnome Do von der Beteiligung Freiwilliger. Eine besonders ausführliche Dokumentation des Konzepts [5] erleichtert dies. Sie gibt Auskunft über die Vorbilder Quicksilver und Gnome Launch Box sowie über die Ontologie-basierte Herangehensweise. Hinter den von Gnome Do präsentierten Objekten steckt keine einfache Datenbank, sondern – vereinfacht gesagt – eine Netz von Entitäten, die in einem System zur Wissenrepräsentation miteinander verwoben sind.
Das Ontologie-Konzept bietet den Vorteil, dass bestehende und gegebenenfalls künftige Gnome-Do-Plugins der Struktur beliebige Objekttypen hinzufügen und deren Eigenschaften definieren können. Wie erwähnt können das Dateien, Verzeichnisse, Multimediadateien oder E-Mail-Adressen sein, aber auch Instant-Messenger-Kontakte, Webadressen und künftig auch Telefonnummern in Verbindung mit VoIP-Software. So liegt auch der größte Aushilfsbedarf bei der Erstellung von Plugins, die beispielsweise auf die Suchmaschine Tracker, den Musik-Player Amarok oder Wikipedia-Suchergebnisse zurückgreifen sollen.
Suchen und finden?
Dass mehr und mehr freie Softwareprojekte Wikipedia als Informationsquelle einbinden, bezeugt den großen Erfolg des Projekts. Begründer Jimmy Wales (Abbildung 3) hat sich aus dem Alltagsgeschäft der Online-Enzyklopädie schon seit Längerem zurückgezogen und sorgt mit seiner schon seit einer Weile verfolgten Idee zu einer Community-getriebenen Suchmaschine für Aufsehen – das Linux-Magazin berichtete [6].

Abbildung 3: Jimmy Wales setzt auf die Community. Während bei Wikipedia der Erfolg längst da ist, muss er sich bei Wikia Search erst noch einstellen. (Photo © by Andrew Lih)
Das lange angekündigte Wikia Search hat mittlerweile den Betrieb im Alphastadium aufgenommen (Abbildung 4, [7]). Vor einiger Zeit war auf der Wikia-Homepage noch Folgendes zu lesen: “Die Suche ist fundamentaler Bestandteil der Internet-Infrastruktur und derzeit ist sie kaputt.” Der zweite Teil des Satzes hat sich inzwischen verändert: “[…] und deshalb kann und sollte sie auf offene, objektive und verantwortungsvolle Weise durchgeführt werden.”

Abbildung 4: Wikia Search kennt bisher nur einen Bruchteil des World Wide Web. Langfristig will die Suchmaschine durch qualitativ hochwertige Ergebnisse überzeugen.
Eine ernst zu nehmende Konkurrenz für die anderen Suchmaschinen stellt Wikia Search bislang nicht dar, weil sie nur einen kleinen Teil des World Wide Web indiziert hat. Abheben will sich die neue Suchmaschine vor allem durch qualitativ hochwertige Suchergebnisse, die durch Bewertungen der Benutzer zustande kommen. Dazu dienen so genannte Miniarticles, also Kurztexte, die Hinweise zu häufigen Suchanfragen liefern.
Im Aufbau einer möglichst großen Sammlung solcher Miniartikel liegt derzeit der Arbeitsschwerpunkt von Wikia Search. Abgesehen von stets wichtigen Berichten über Fehler erhoffen sich die Betreiber insbesondere in diesem Bereich eine rege Beteiligung der Community. Der Zweck der Miniartikel besteht darin, dem Benutzer eine Kurzdefinition des gesuchten Begriffs zu liefern sowie auf Doppelbedeutungen hinzuweisen. Sie dürfen je nach Bedarf auch Bilder und Verweise auf verwandte Themengebiete enthalten.
Qualität statt Quantität, wie es Wikia Search bei seinen Suchergebnissen anstrebt, ist vielleicht die einzige Ebene, auf der es je mit Google wird konkurrieren können. Den Vorsprung des Marktführers bezüglich der Menge der gesammelten Daten wird wohl auf absehbare Zeit niemand aufholen. Aber Benutzer durch den Datendschungel hindurchzulotsen ist beinahe ebenso wichtig, und hier ist noch viel Boden gutzumachen. Ob der Community-basierte Ansatz dazu in der Lage ist, wird sich wohl im Laufe der nächsten Monate abzeichnen.
Bruschetta al pomodoro
Die Bequemlichkeit, die Bequemlichkeit! Während nichts dagegen spricht, ihrem Lockruf mit praktischen Desktop-Tools wie Do zu folgen, sollte es nicht so weit kommen, dass aus der Bequemlichkeit, sich vom Schreibtischstuhl zu erheben, der Magen darben muss. Schließlich gibt es schnell zubereitete Köstlichkeiten wie Bruschetta al pomodoro.
Die Zutaten: Weißbrot, im Notfall Baguette, Fleischtomaten, Knoblauch, Salz, Pfeffer, Olivenöl.
Zur Zubereitung die Tomaten blanchieren, häuten und würfeln, das weiche Innere entfernen. Wer Wert auf die volle Frucht legt, kann die Tomaten auch mit Haut zerkleinern. Das Brot unter dem Grill oder im Toaster goldbraun rösten und – solange es noch heißt ist – mit halbierten Knoblauchzehen abreiben und jede Scheibe mit einem Esslöffel Olivenöl beträufeln. Mit Salz und Pfeffer würzen und schließlich mit den Tomatenwürfeln und Basilikumblättern belegen.
Genießen, solange das Brot noch warm ist. Bruschetta stammt aus Mittel- und Süditalien und galt ursprünglich, wie die inzwischen weltweit beliebte Pizza, als Arme-Leute-Essen. (pkr)
|
Infos |
|---|
|
[1] Imendio: [http://www.imendio.com] [2] Gnome Launch Box: [http://developer.imendio.com/projects/gnome-launch-box] [3] Quicksilver: [http://www.blacktree.com] [4] Gnome Do: [http://do.davebsd.com] [5] Gnome-Do-Dokumentation: [http://davebsd.com/do/gnome_do_project_update.pdf] [6] Carsten Schnober, Linux-Magazin 05/07, “Projekteküche”: [https://www.linux-magazin.de/heft_abo/ausgaben/2007/05/projektekueche] [7] Wikia Search Alpha: [http://alpha.search.wikia.com] |






