Open Solaris will mit einer ersten Community-getriebenen Distribution den Kreis der freien Betriebssysteme aufmischen. Linux dagegen findet Platz auf einem als Open Hardware angepriesenen Mini-Computer – eine längst fällige Neudeutung des Open-Source-Prinzips oder ein Werbetrick?
Indiana ist ein US-amerikanischer Bundesstaat, der sich auf den ersten Blick nicht besonders vieler bekannter Attraktionen rühmen kann. Außer dem legendären Autorennen ist dort aber auch Ian Murdock ([1], Abbildung 2) zu Hause, der Begründer der mindestens ebenso legendären Linux-Distribution Debian [2]. Er arbeitet mittlerweile für den Software-Riesen Sun Microsystems [3] als Chefstratege im Bereich Betriebssysteme; im Falle Sun heißt das vor allem Solaris [4]. Daher ist es kaum ein Zufall, dass die erste echte Open-Solaris-Distribution den Namen Indiana trägt.

Abbildung 1: Nun offen und frei verfügbar: Mit der Release unter dem Codenamen Indiana legt Sun erstmals eine brauchbare Community-Version des Betriebssystems Solaris vor.

Abbildung 2: Ian Murdock begründete die legendäre Linux-Distribution Debian und arbeitet nun als Betriebssystemexperte für Sun Microsystems.
Staatenrally
Bereits Anfang 2005 hatte Sun unter dem Namen Open Solaris eine freie Version seines Betriebssystems veröffentlicht. Deren interner Codename war Nevada. Wer das System ausprobieren wollte, sah sich jedoch mit einem Hindernislauf konfrontiert, der offenbar vor allem für neue Kunden der proprietären Solaris-Version sorgen sollte.
Nevada enthielt nämlich nur den Quellcode des Kernels und weiterer Komponenten. Zum Kompilieren war ein bereits laufendes Solaris-System nötig, also das kommerzielle Produkt oder die erst nach Registrierung erhältliche und nicht quelloffene Developer-Edition. Netzwerkunterstützung, ohne die ein Betriebssystem heutzutage wenig nützt, gehörte nicht zum Basispaket. Sie nachinstallieren war kein leichtes Unterfangen.
Alles in allem bleibt als Fazit: Nevada war weder als Werbung für Solaris noch als freies Betriebssystem wirklich brauchbar. Zu dieser Erkenntnis ist wohl auch Hersteller Sun gekommen und hat im März dieses Jahres mit Ian Murdock den Schöpfer der traditionsreichsten freien Linux-Distribution angeheuert. Wenige Monate später gab dieser bekannt, dass er die Arbeit an einer Open-Solaris-Distribution begonnen habe.
Neuer Ansatz
Diese neue Ausgabe möchte Benutzern dasselbe bieten wie eine Linux-Distribution: ein betriebsfertig geschnürtes und auf Anhieb funktionstüchtiges Betriebssystem, gebündelt mit sinnvollen Komponenten wie einer Desktop-Umgebung und Entwicklungswerkzeugen. Ein Paketverwaltungssystem darf natürlich auch nicht fehlen, damit das Auflösen von Abhängigkeiten nicht die Geduld der Anwender strapaziert. Des Weiteren erfolgt die Entwicklung von Open Solaris seit der Ära Indiana nicht mehr nur in den Labors von Sun, sondern auch durch die Community; auch für dieses Modell steht der Debian-Gründer wie kaum ein anderer.
Sun hat bereits die erste Version von Indiana zum Download bereitgestellt. Sie erfüllt schon eines der erklärten Ziele: Beim Routineblick auf die Oberfläche fällt kein Unterschied zu gebräuchlichen Linux-Distributionen auf. Die etwas über 600 MByte große Imagedatei wird wie gewohnt auf CD gebrannt und ins Laufwerk geschoben. Der so genannte Slim Installer bootet daraufhin einen X-Server nebst Gnome-Desktop-Umgebung als Live-System (Abbildung 3).
Die Gnome-Umgebung unterscheidet sich naturgemäß nicht von einer für Linux kompilierten Variante. Die mit einem von CD gestarteten Live-System stets verbundenen Geschwindigkeitseinbußen haben nichts mit dem Betriebssystem zu tun. Die Live-CD vermittelt einen guten Eindruck, ein Klick auf das Icon »Install OpenSolaris« löst den Installationsprozess aus, der sich prinzipiell ebenfalls nicht von dem der meisten Linux-Distributionen unterscheidet. Ein Assistent führt den Benutzer durch die Installationsschritte, die grundlegende Dinge wie die Festplatten-Partitionierung und das Anlegen des ersten Benutzers durchexerzieren (Abbildung 4).

Abbildung 4: Ein Assistent macht die Open-Solaris-Installation einfach, auch wenn der Slim Installer im gegenwärtigen Frühstadium noch wichtige Funktionen vermissen lässt.
Dass sich Indiana nun in einem Stadium befindet, in dem die Installation weitgehend reibungslos über die Bühne geht, bedeutet nicht, dass es bereits zur alltäglichen Benutzung zu empfehlen ist. Updates früherer Installationen ermöglicht der Installer bislang noch nicht, stattdessen überschreibt er eine entsprechende Partition komplett. Beim Punkt Partitionierung ist ohnehin äußerste Vorsicht angesagt: Findet die Automatik auf der gewählten Festplatte keine für die Installation präparierte Partition, macht sie kurzen Prozess und überschreibt die gesamte Platte.
Es zeichnet sich dennoch ab, dass Sun alles in allem einen Coup gelandet hat. Ian Murdock hat ja schon bewiesen, dass er die Vorteile von freier Software zu nutzen versteht – Debian spricht für sich. Indiana lässt sein Fingerspitzengefühl deutlich erkennen. Benutzerfreundlichkeit ist wichtig, darf aber nicht auf Kosten der Technik gehen. So finden sich bei Indiana beide Regeln bereits im Frühstadium in erstaunlich hohem Maße wieder. Wer wie Murdock auch mal auf andere freie Unix-artige Systeme als Linux ein Auge werfen möchte, hat nun eine bequeme Möglichkeit.
Buggy Hardware?
Traditionelle Softwarefirmen denunzieren freie Software gerne als unzuverlässig und fehlerbehaftet, auch wenn die Realität dem zahlreiche Argumente entgegensetzt. Der Hardwarehersteller Bug Labs [6], der sich selbst als Open-Source-Firma sieht, hat sich offenbar entschlossen dem Vorurteil entgegenzutreten, indem er den Bug gleich in seinen Namen aufnimmt. Laut eigener Darstellung möchte die Firma damit Folgendes ausdrücken: Bug Labs will ein Bug im System der Konsumentenelektronik werden, für Unruhe sorgen wie ein Programmfehler und anpassungsfähig wie ein Insekt sein. Man möchte gar Vermittler des Wandels und Indikator dafür sein, dass sich Dinge verändern lassen. Ihren krönenden Abschluss findet die Selbstdarstellung in der Überzeugung, die Welt oder zumindest den Elektronikmarkt zum Besseren für die Menschen verändern zu können.
In der Praxis
Trotz der hochtrabenden Selbstvermarktung lohnt sich ein Blick auf die Produkte von Bug Labs. Sie folgen einer nicht ganz neuen, aber bisher in der Praxis kaum verfolgten Idee. Die Firma löst das Entwicklungsprinzip Open Source von der Software und überträgt es auf die Hardware. Statt fertiger Geräte bietet Bug Labs ein modulares System an, aus dem sich die Käufer auf Grundlage eines Mini-Computers namens Bugbase (Abbildung 5) gewissermaßen beliebige Hardware konstruieren können.
Bugbase enthält einen ARM-Prozessor und 128 MByte Arbeitsspeicher sowie diverse Schnittstellen. Kabellose und -gebundene Netzwerke lassen sich ebenso anschließen wie Geräte mit seriellen und USB-Schnittstellen. Das Betriebssystem ist natürlich frei, es handelt sich dabei um Linux.
Vier Erweiterungsmodule für Bugbase sind bereits verfügbar. Sie lassen sich in Schnittstellen des Basisgeräts einstecken. Für Orientierung sorgt ein GPS-Modul. Die Umwelt behält entweder ein Bewegungssensor mit Geschwindigkeitsmesser oder eine Digitalkamera im Auge. Ein- und Ausgaben ermöglicht ein LCD-Touchpad. Für Anfang nächsten Jahres hat Bug Labs außerdem einen größeren LCD-Screen, eine Tastatur und ein Audiogerät angekündigt. Mit Spannung erwartet die Welt der Wissenschaft außerdem ein als Teleporter bezeichnetes Zusatzgerät, dessen Funktionsweise die Firma bislang für sich behält.
Bug Labs macht Entwicklern das Produkt durch ein freies Development-Kit (Abbildung 6) schmackhaft. Sollte sich die Hardware dank offener Schnittstellen damit komfortabel programmieren lassen, könnte sich das Bug-Labs-Kit tatsächlich zu einem interessanten Projekt entwickeln.
Open Hardware wirkt dennoch zunächst wie ein zu Werbezwecken strapaziertes Schlagwort. In starkem Kontrast zum bereits angesprochenen Eigenlob der Firma steht, dass sich das Hardware-Angebot in puncto Offenheit nicht von dem anderer Hersteller unterscheidet. Schaltpläne zum Download sucht man auf der Seite vergeblich, auch Fragen wie die nach rechtlichen Folgen eventueller Nachbauten bleiben ungeklärt. Vielleicht bringt die Zukunft hier einen Wandel. Bei Redaktionsschluss verriet die Bug-Labs-Homepage aber noch nicht einmal, was Bugbase und die Module kosten sollen.
Mokka-Eier-Punsch
Softwareprodukte als Wachmacher – das ist sicher die Assoziation, die hinter der Vorliebe von Suns Werbestrategen für Kaffeebohnen steckt. Da nicht nur müde Hardware ein Stimulans braucht, ist zu Beginn der kalten Jahreszeit ein Mokka-Eier-Punsch empfehlenswert. Die Zutaten: vier Esslöffel Kokoslikör, drei Esslöffel Kokosraspeln, eine Vanilleschote, drei Eigelb und 50 Gramm Zucker. Für den munter machenden Coffeingehalt sorgen drei Tassen frisch gebrühter Mokka.
Zunächst die Gläser mit dem oberen Rand in den Kokoslikör und dann in die Kokosraspeln tauchen. Die Vanilleschote der Länge nach halbieren, das Mark mit einem Messerrücken herausschaben. Das Vanillemark mit Eigelb und Zucker in einem Kochtopf schaumig schlagen. Den restlichen Likör dazugießen und bei geringer Hitze weiter schlagen, bis Schaum aufsteigt. Den Punsch in Gläser füllen und sofort servieren. (pkr)
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Infos |
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[1] Ian Murdock: [http://ianmurdock.com] [2] Debian: [http://www.debian.org] [3] Sun Microsystems: [http://www.sun.com] [4] Solaris [http://www.sun.com/software/solaris] [5] Open Solaris: [http://www.opensolaris.org] [6] Bug Labs: [http://www.buglabs.net] |







