Aus Linux-Magazin 09/2007

Neues bei Debian

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Die Debconf ist zur lieb gewonnenen Tradition geworden. Vom 17. bis zum 23. Juni traf sich die Debian-Gemeinde im schottischen Edinburgh zur siebten Ausgabe der Entwicklerkonferenz.

Alle Jahre wieder

Fast 400 Entwickler reisten zur Konferenz an, deren Programm mit über 100 Vorträgen prall gefüllt war. Fast alles, was unmittelbar oder mittelbar mit Debian zu tun hat, war thematisiert, angefangen beim Vortrag von Keith Curtis über Debian und Ubuntu bis zur Debconf-Jamsession, in der musikalische Entwickler zum spontanen Konzert luden.

Inhaltsverzeichnis

Im Vordergrund stand aber die Diskussion der Features für die nächste Debian-Version, die den Codenamen Lenny trägt. Der Installer gerät auch bei Lenny zur Großbaustelle, wie Frans Pop, Kopf des Debian-Installer-Teams, berichtete. Neben neu unterstützten Architekturen soll es weitere Verbesserungen geben, insbesondere das GTK-Frontend zählt zu diesen Arbeiten. Es soll übersichtlicher und schöner werden.

Funktionale Erweiterungen sind ebenfalls geplant, zum Beispiel soll der Installer künftig mehr als 58 Sprachen sprechen. Dafür muss er aber abspecken, um es auf die Installationsmedien zu schaffen. Einigen Aufwand erfordern auch andere Funktionen. Das bei manchen Entwicklern fast schon verhasste Init-System soll einem Nachfolger weichen, der mehr Funktionen und Möglichkeiten zur Verfügung stellt.

Ein weiteres Sorgenkind ist die Infrastruktur des Projekts selbst. Ein langer Vortrag behandelte DAK, die Debian-eigene Verwaltungssoftware für das gigantische Debian-FTP-Archiv. Er lotete aus, inwieweit diese Verwaltung zu verbessern sei. Für alle Interessenten stehen Audio-Mitschnitte der Vorträge auf der Konferenz-Website [1] bereit.

Abbildung 1: Kraftvoll und sicher, so will dieses Wallpaper im Vergleich zum Standardhintergrund von Debian wirken.

Abbildung 1: Kraftvoll und sicher, so will dieses Wallpaper im Vergleich zum Standardhintergrund von Debian wirken.

Ein voller Erfolg

Die Debconf 7 zählt zu den Entwicklertreffen mit dem bislang größten Besucherandrang und gilt schon deshalb als Erfolg. Die meisten Teilnehmer brachten positive Eindrücke aus Edinburgh zurück. Im nächsten Jahr wird die Anreise zumindest für die europäischen Teilnehmer weiter: Die Debconf 8 findet in Argentinien statt.

Kunst im Aufbau

Entwickler leben nicht vom Code allein, das beherzigten einige Debian-Mitglieder und hoben Anfang Juli das Debian-Art-Projekt aus der Taufe. Der Projektansatz ist simpel: Auf einer Webseite [2] werden Themes, Wallpapers, Icons, Banner und andere grafische Elemente gesammelt, die in Symbolik und Optik zu Debian passen. Ein großer Teil der hochgeladenen Objekte ist Public Domain, also von jedermann verwendbar. Sogar Schablonen und Muster für T-Shirts mit dem Debian-Logo sind verfügbar.

Das Art-Projekt ist ambitioniert. Nicht erst seit Mac OS X ist bekannt, dass ein Faktor für den Erfolg von Software deren Optik ist. Neben Ergonomie und Effizienz spielt die Ästhetik eine nicht zu unterschätzende Rolle. Und dass in so manchem FOSS-Benutzer ein Künstler schlummert, beweisen diverse Beispiele für verschönerte KDE- und Gnome-Desktops. Im Vergleich zu dem, was User per Handarbeit bereits aus ihren Desktops gemacht haben, wirkt das Debian-Standard-Theme eher langweilig.

Erklärtes Ziel der Kunstgruppe ist es, die gesammelten Werke in Lenny einfließen zu lassen. Wer Wert auf einen schönen Desktop legt, darf hoffen, dass Lenny ohne lange Verzögerungen an den Start geht. Schon jetzt ist das Debian-Art-Archiv sehr umfangreich. (uba)

Infos

[1] Video-Mitschnitte der Debconf-Vorträge: [http://meetings-archive.debian.net/pub/debian-meetings/2007/debconf7/low/]

[2] Debian-Art-Projekt: [http://www.debianart.org]

Der Autor

Martin Loschwitz ist Debian-GNU/Linux-Entwickler und studiert zurzeit in Wien.

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