Der wenig bedeutende Stamm der Molosser lebte zusammen mit den noch weniger bedeutenden Chaoniern und den Thesprotern im vierten Jahrhundert vor Christus in Epirus. Den Bewohnern des Zwergstaats im heutigen Nordosten Griechenlands ging es wegen des ergiebigen Ackerbaus ganz passabel. Etwa im Jahr 305 bekamen die Bewohner einen neuen CEO, damals nannte man ihn König. Der war mit seinen zwölf Jahren nicht nur jung und dynamisch, sondern erwies sich auf den Schlachtfeldern jener Zeit als gewitzter Stratege.
Jedoch verfolgte ihn oft der Gott des Pechs. Gleich zu Beginn seiner Regentschaft gab es Ärger mit den Angestellten: Die renitente Opposition unter Führung eines gewissen Neoptolemos vertrieb ihn im Jahre 302 aus Epirus – aus heutiger Sicht ein seltener Vorgang, denn wo außer bei VW in Wolfsburg haben die Arbeitnehmervertreter schon das Sagen bei derart wichtigen Personalia?
Der entmachtete König, nicht dumm, und hier stimmt die Analogie wieder, heuerte kurzerhand beim makedonischen Konkurrenzkönig an und zog an dessen Seite in der Schlacht von Ipsos gegen die rivalisierenden Diadochen. Als der Kampf verloren ging, geriet unser Teilzeit-Renegat als Geisel an den Hof des ägyptischen Königs. Ptolemaios I., offenbar eine Art Bill Gates des Südens, mochte den innovativen Jungmanager aber gut leiden und gab ihm nicht nur seine Stieftochter Antigone zur Frau, sondern ließ ihn auch 297 in seine Heimat Epirus als König zurückkehren.
Dort angekommen eroberte und vereinigte er ganz Epirus. Dann führte er mit einem 30 000 Mann starken Heer und Kriegselefanten sechs Jahre lang Krieg gegen die Römer in Süditalien und auf Sizilien. Dabei heimste er mehrere Siege ein, die jedoch stets mit hohen Verlusten verbunden waren. 279 vor Christus, nach der Schlacht bei Asculum in Süditalien, soll er zu einem Vertrauten gesagt haben: “Noch so ein Sieg und wir sind verloren!” Seither tragen Siege, die mit unvernünftig hohen Verlusten an Menschen, Material oder Reputation verbunden sind, den Namen des Molosser-Königs: Pyrrhus.
Freie-Software-affine Angestellte von Xandros und Linspire – sie verdienen dieser Tage unser aller Mitgefühl – müssten eigentlich in ihren Vorstandsfluren an zentraler Stelle heimlich Pyrrhus-Büsten aufstellen. Im Novell-Palast steht wahrscheinlich schon eine. Warum? Nicht wegen der Vereinbarungen zur technischen Interoperabilität, dagegen gibt es wenig einzuwenden. Die Microsoft-flankierten Individual-Friedensschlüsse zum Schutz vor ebenso unspezifischen wie unbewiesenen Patentansprüchen aber, diese Siege sind teuer erkauft – nicht in Dollar (ganz im Gegenteil), aber in Reputations-Währung.
Pyrrhus übrigens, 272 vor Christus aus Italien vert






